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Groschenroman

Angst kann ein verdammt starkes Gefühl sein. Vor allem dann, wenn nicht mal sicher ist, dass das Belohnungssystem einsetzt, sobald man sie überwindet. Konkretes Beispiel gefällig?

Jetzt sitz ich hier wie ein Kaninchen vor der Schlange und ich fühl mich wie gelähmt

Ich wusste, ich wäre der glücklichste Mensch auf Erden, würde ich ein Lied lang mit ihr tanzen. Tanzkurs, Anfang 2005. Sie, das ist das schönste Mädchen der Welt, sitzt da alleine auf den Stühlen an den Wänden des Raumes, in dem der Tanzkurs stattfindet. Ich stehe an einer anderen Seite, werfe ab und zu einen nervösen Blick in ihre Richtung. Mir ist bewusst, dass warten Spiel mit dem Feuer bedeutet. Jederzeit könnte ein anderer Junge auftauchen und sie zum Tanz bitten. Es kostet allerdings einiges an Überwindung, auf sie zu zu gehen und sie dann auch noch anzusprechen. Es kann verdammt schwer sein, in ganzen Sätzen zu reden. Hergestellter Blickkontakt und ein nervös an den Kopf geworfenes "Tanzen?" lassen die Zeit für einen ganz kurzen Wimpernschlag still stehen, bis ein die Langeweile schlecht verbergendes "Ja." die Situation zur Entspannung führt.

Where do you come from, where do you go? bla bla bla Cotton Eye Joe!

Für einige Sekunden ist die Welt schwer in Ordnung. Wir gehen Seite an Seite auf die Tanzfläche, die ersten Takte der Musik erwartend, noch ohne Körperkontakt. Und da erklingt es. Violineneinsatz. Die Tanzlehrerin spricht den Fluch, der alles Glück dieser Erde zerstört: "So, erst mal einen Cotton Eye Joe!" Meine Gedanken rasen. Wie kann ein einzelner Mensch nur so herzlos sein? Ich suche nach einem Ausweg aus dieser vertrackten Situation und verfluche diese Band, mögen sie in der Hölle brennen. Ich nehme Tanzhaltung ein, nehme ihre Hand in meine und lege meinen Arm um ihre Schulter. Ich lasse mich vom schönen Götterfunken durchströmen, genieße jede Sekunde davon und weiß genau, gleich ist der Zauber vorbei. Das Gefühl ist intensiv, ich möchte sie nie wieder loslassen. Nie wieder. Aber schon nach rund 20 Sekunden muss ich. Nächste Partnerin. Ich nehme kaum wahr, wer sie ist, es ist mir auch gleich, mein Blick hängt nur an einer.

Move closer, set my mind on fire

Wie ein Steh - auf - Männchen laufe ich immer weiter gegen die Wand. Unwahrscheinlich, dass wir jede Tanzstunde mit einem solchen Tanz beginnen. Ganz kalt könnte man sagen, die statistische Wahrscheinlichkeit ist auf meiner Seite. Wenn mir nicht gerade jemand zuvorkommt weil die Angst mich kontrolliert und nicht gehen lässt, frage ich sie wieder. Allerdings führt die statistische Wahrscheinlichkeit nur dazu, dass ich dann ein Lied lang mit ihr tanze und danach weg muss. Mein bester Freund ist aber der Zufall. So kommt es, dass ich einmal rund eine halbe Stunde lang mit ihr tanze. Das sind 30 Minuten, ungezählte Wimpernschläge, eine ewig lange Zeit, viel zu kurz. Eine halbe Stunde beschränkt sich mein Blickfeld auf das kleine süße Mädchen vor mir. Ihre blauschwarzen Haare kitzeln meinen Handrücken, die dazugehörige Hand liegt auf ihrem Rücken auf, die andere hält die ihre. Ich fühle etwas weiches, halte es für ihre Haut, bin zu Tränen gerührt ob meines eigenen Glückes. Sie lacht kurz über einen blöden Witz meinerseits. Ich schaue in ihre Augen, ich finde nichts, verliere nur etwas. Vielleicht auch mal den Takt. Lache leise und beschämt und mache das, was das Paar nebendran macht. Könnte sein, dass der Herr da gerade genauso glücklich ist wie ich, man sieht es ihm nicht an. Ich lasse meinen Blick wieder über ihr Gesicht huschen und bin wie jedes Mal fasziniert von dem was ich sehe. Wenn das schön ist, was man mit Liebe betrachtet, bin ich ihr wohl hemmungslos verfallen. Ich treibe rücklings auf einem Ozean. Muss nicht mal schwimmen und habe vier Kopfkissen. Leider erreiche ich zwangsläufig das Ufer, lasse mich in den Sand fallen und bleibe liegen. Die Paare hinter uns streiken sowieso, keiner kommt um mit mir zu tanzen und sie geht ein Häuschen weiter. Ich fühle mich wie in den Erzählungen über Kiffer: Es ist mir alles so egal. Und wenn... es wäre mir einfach egal. Dann klopft die Realität wieder an die Tür. Will doch tatsächlich ein Mädchen mit mir tanzen. Meine Augen stehen nicht still, suchen sie. Wie schön sie ist...

Fear of the dark

Warum im entscheidenden Moment immer alles schief läuft ist so eine dieser Fragen. Vielleicht liegt es am Druck, der in diesem Moment auf einem lastet, das bange Erwarten der durch die Handlung ausgelösten Veränderung. Klar habe ich mir schon direkt als ich feststellte, dass sie im Tanzkurs ist, vermerkt, sie unbedingt und ohne Rücksicht auf Verluste zum Ball einzuladen. Soweit die Theorie. Als sich die Chance bot, stand ich lange Zeit nicht weit von ihr entfernt und brachte kein einziges Wort hervor. Ließ die (im Nachhinein fast sichere) Chance ungenutzt verstreichen. Und wurde prompt dafür bestraft: Nicht viel später fragte sie ein anderer wegen dem Ball und aus der Traum. Denn sobald die Paare feststehen, tanzen diese auch möglichst die ganze Zeit miteinander. Von diesem Zeitpunkt an reduzierte sich das unregelmäßige miteinander Tanzen auf ein wöchentliches Sehen.

Als ich sie zum ersten Mal auf dem Schulhof sah...

An einem Wandertag 3 Tage vor Beginn der Sommerferien nach dem 11. Schuljahr, folglich im Jahre 2004, grillte mein Kurs an der Schule. Was ihre Klasse machte, weiß ich nicht. Auf jeden Fall war sie auch an der Schule und ging etwa 50 Meter an der Grillhütte vorbei. Ich registrierte sie nicht zum ersten Mal. Mir war auch in keinster Weise bewusst, welche Folgen dieser Augenblick haben würde. Es war wie als wäre ein Stein ins Rollen geraten, der eine Lawine auslösen wird. Die Lawine schließlich kam, als ich im Bus saß nach eben jenem Wandertag. Ich hatte garantiert meinen mp3 - Player an, fraglich ob das Lied der emotionalen Tragweite der Situation angemessen war. Es ist ein ganzer Busbahnhof, den wir da haben, und ihr Bus stand an der Haltestelle neben meinem Bus. Wir saßen uns gegenüber. Ich schaute verträumt aus dem Fenster, sie tat es auch. Mein Blick fand sie. Mein Blick hing noch an ihr, als mein Bus losfuhr. Mein Blick hing immer noch an ihr, als mein Bus vom Busbahnhof auf die Straße abgebogen war und wieder an ihrem Bus vorbeifuhr, wobei ich meinte, dass sie jetzt verträumt meinem Bus hinterher schauen würde. Dieses kleine Detail löste eine Kaskade ungeahnten Ausmaßes aus, der (irrtümliche) Glaube, hier läge gegenseitiges Interesse vor, vervielfachte meine vorherigen Gefühle. Alle Rationalität wurde Kiel geholt und danach über Bord geworfen. Alle brach liegenden Ressourcen bezüglich Verehrung eines Mädchens wurden unter lautem Getöse von Propaganda mobilisiert, es war mein persönlicher "Großer Sprung nach vorne".

Life is but a dream...

Am nächsten Tag war Sporttag, ich hatte inzwischen ihren Namen herausgefunden und rätselte über die Herkunft. Der Name stellte sich viel später als Koreanisch heraus. Am Sporttag schreibt die Oberstufe Ergebnisse auf. Mein allerbester guter Freund, der Zufall, sorgte dafür, dass sie Fußball (!) spielte, und das auch noch an dem Feld an dem ich tätig war. Der größte Trottel der Stufe war auch da, er erregte mit seinem Geläster über die Mannschaft ihre Aufmerksamkeit, während ich nur da saß, fasziniert von meinen Gefühlen, fasziniert von ihr. Allerdings würdigte sie mich nicht eines Blickes. Das wäre der Moment, an dem mich die Rationalität hätte aufwecken sollen, leider hatte ich sie im Eifer des Gefechts den Haien zum Fraß vorgeworfen. Also träumte ich weiter. Und immer weiter. Wieder der Duracell - Hase, nur viel stiller.

This is the end, beautiful friend

Als sich das Ende meiner Schullaufbahn am Horizont zeigte, umgeben von Staubwolken ähnlich plündernden mongolischen Reitertrupps, verrannte ich mich in meinen Gefühlen. Wußte weder ein noch aus. Ein anderes Mädchen sägte längst, ohne es zu wissen, ohne dass ich es wirklich wollte, an ihrem Thron. Da geschah es, dass sie durch die Schule ging. Sie ging nicht alleine. Ich kam ihr entgegen. Sah sie, sah ihn, konnte es kaum glauben, rieb mir die Augen, kniff mich. Sprach bitterböse Voodooflüche über ihn aus, es half alles nichts. Danach hatte ich wegen Abi 3 Wochen keine Schule, mein Schmerz verrauchte recht bald. Bis auf die Tage, an denen ich sie sah. Da die aber seit Ende der Schule sehr sehr schnell weniger wurden, löste sich das Problem quasi von selbst. So unspektakulär endete, was so überstürzt anfing und schier atemberaubend gipfelte. Etwa 18 Monate waren vergangen.




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