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Fade to pink

Der diesmalige Aufenthalt gestaltet sich etwas anders als der letzte, allerdings so gesehen auch wieder in konsequenten Bahnen. Ich führe mein bibliothekslastiges Leben fort. Das liegt an der Vorbereitung der Kurse, die ich mache (wo sich meine Meinung etwas ausdifferenziert hat), und der tastenden Primärquellenlektüre für das, was mal meine nächsthöhere Abschlussarbeit werden könnte. Da die Materialien für 4 von 5 Kursen auf Chinesisch sind, dauert die Vorbereitung etwas länger. Wobei für einen davon wenig Vorbereitung anfällt, weil der Dozent keine Hausaufgaben gibt. Das ist auch der Kurs, der am seltsamsten ist, den ich nur mehr als Gasthörer besuche und wo ich nicht genau weiß, wie lange ich das noch mache. Der Dozent redet selten über den Daoismus der Vorkaiserzeit, mehr über sein Leben und noch mehr über Lebenshilfe im Allgemeinen. Der Saal ist denn auch entsprechend gefüllt mit Gasthörern, bei denen man nicht mal mehr sagen kann, dass sie in einem höheren Semester, sondern dass sie älteren Semesters sind. Bei den anderen Kursen halten sich die Fragwürdigkeiten in Grenzen, auch wenn ich einen der Dozenten sehr schlecht verstehe. Beträchtliche Teile meiner restlichen Zeit verbringe ich mit meinem neuen Instrument, zu dem ich womöglich nur hier und dann bei der Familie meiner Freundin Zugang habe.
Meiner Freundin, die ich immer noch vermisse. Man könnte sagen, dass das meine Hauptaktivität hier ist. Vor allem, wenn man die Telefongespräche dazuzählt, was Sinn ergibt, weil ich sie noch mehr vermisse, wenn ich sehe. Weniger als zwei Stunden reden wir eigentlich nie, und gerade heute kam mein Paket bei ihr an, zur Feier des Tages, dass ich einen Monat hier bin. Bleiben noch vier. Ihres müsste dann auch bald ankommen.
Dass wir über die Zukunft reden, ist angesichts der anstehenden Abschlüsse vernünftig. Dass wir über die Zukunft der Beziehung reden, ist wohl normal. Dass wir so weit dabei abschweifen, lässt sich allerdings nicht nur damit erklären, dass wir ein starkes Gegenmittel gegen das Vermissen brauchen. Dafür fühlt es sich einfach zu richtig an. Obwohl ich eigentlich ziemlich gut darin bin, jedes noch so kleine Problem zu finden oder zu erwarten, klappt es hier einfach nicht.


Das Thermometer bewegt sich im Schneckentempo von der 30°-Marke weg. Am letzten Wochenende war ich auf einem Ausflug der Uni mit, nächste Woche geht es auf einen weiteren. Abgesehen davon halten sich meine Kontakte weiterhin in engen Grenzen. Was ich nicht weiter tragisch finde, habe ich doch eigentlich alles, was ich brauche. Wenn auch gerade nicht hier.
5.10.13 18:40


Alles geht immer noch seinen gewohnten Gang und die Zeit vergeht zu langsam. Pakete und Briefe wandern hin und her, am Samstag war der erste Tag, an dem kein Telefonat stattfand.
Das hatte Gründe. Ich war auf einem zweitägigen Ausflug zu einem berühmten Naturschauspiel, organisiert von der Organisation für internationale Studenten. Diese Organisation war allerdings alles andere als international orientiert, und so landete ich in einer Gruppe mit einem halben Dutzend anderer Deutscher. Natürlich ist da kein Zwang dahinter, aber wenn man erstmal so zugeteilt wird und dann noch einen von einem anderen Ausflug kennt, wird das schnell zum Selbstläufter. Man sitzt im Bus zusammen (alte Klassenfahrtsregel: eher macht die Klassenschönheit mit dem Streber rum, dass sich Sitzplätze im Bus verändern), wird abends zusammen in ein Zimmer gesteckt und schon müsste man ziemlich viel Kraft aufwenden, um zu entkommen. Und noch mehr, um irgendwo anders Anschluss zu finden. In den anderen, nach Sprachen organisierten Gruppen. Also verbrachte ich die meiste Zeit mit drei Informatikern. Das Problem war nur, dass das absolut nicht meine Gesellschaft war. Wären es Nerds gewesen, wäre es wohl besser gewesen... aber sie redeten vor allem über Bier und Frauen. Meine Freundin ist wohl der einzige Mensch, zu dem ich sagen kann, dass ich mich in solcher Gesellschaft einsamer fühle als alleine. Und sie ist der einzige Mensch, den ich kenne, der das ohne zu zögern nachvollziehen und bekräftigen wird.
Das war allerdings noch nicht das ganze Problem. Das war nämlich einfach nur deprimierend und beschwor eine ziemlich dunkle Leere herauf. Emotional verwirrend wurde es, als sich aus dem Gesichtermeer ein japanisches Lächeln herauskristallisierte, das mir glauben machen wollte, es sei schon nicht so schlimm. Und zum ersten Mal seit vier Monaten war ich in der Situation, das auch nötig zu haben. Ich konnte nicht verhindern, dass ich sie zu oft anschauen musste und wir am zweiten Tag für zwanzig Minuten miteinander redeten. Ich habe natürlich in den letzten Monaten auch schon mit Mädchen geredet, aber es war mir jedes Mal letztlich auf einer bestimmten Ebene gleichgültig. Hier nicht. Hier hat sich die Bedürftigkeit, die das Fehlen meiner Freundin auslöst, ein äußeres Objekt gesucht.
Das war bisher das einzig irgendwie relevant Erlebnis, von dem ich ihr nicht erzählt habe. Nicht, dass irgendetwas passiert ist, aber wahrscheinlich war ich etwas schockiert, mit welcher Intensität mich das angesprungen hat. In etwa die Intensität, mit der ich sie vermisse. Denke ich.
Hm.

Ich habe meinen Rückflugtermin. Nach einigen Tagen in Korea werde ich mich am 21. Januar auf den Heimweg machen.
16.10.13 15:25


Sieben Wochen, ein gutes Drittel.
Meine Stimmung unterliegt Schwankungen zwischen gelassener Geduld und blau-schwarzer Dunkelheit. Ihr scheint es ähnlich zu gehen. Da bei ihr das Semester angefangen hat, fällt das Telefonat an manchen Tagen etwas kürzer aus, aber vielleicht vergeht ihr dann die Zeit auch etwas schneller. Ich für meinen Teil habe einen wachsenden Berg von Aufgaben und Fristen vor mir, was vor allem an den anstehenden Mittsemesterklausuren liegt, aber auch an zu schreibenden Texten. Vielleicht vergeht die Zeit so schneller. Überhaupt lässt sich die restliche Zeit inzwischen in ziemlich kompakte Stücke einteilen: Die Zeit bis zu ihrem Heimaturlaub als größter Block, dann der Urlaub selbst, danach im fast direkten Anschluss mein Korea-Aufenthalt, und dann kommt der Rückflug. Man muss viel milchmädchenrechnen. Zeitweise waren zwei Briefe und eine Postkarte von mir unterwegs, 2/3 davon kamen aber schon an. Auf ein Paket von ihr warte ich schon länger, die Post spurt einfach nicht. Das ist allerdings nicht der entscheidende Punkt bei der Sache. Wir scheinen instinktiv eine bestimmte Methode gewählt zu haben, den Einfluss dieser Phase auf unsere Gefühle zu minimieren: wir halten "die Wunde offen". Ob das sich als richtige Entscheidung erweist, muss sich zeigen.
Mein Leben hier geht, abgesehen davon, seinen gewohnten Gang. Ich stehe erstaunlich früh auf, übe Klavier und Guzheng, verschanze mich in der Bibliothek, spiele manchmal Tischtennis und nutze die Trainigsgeräte im Wohnheimkeller und telefoniere abends lange mit ihr. Am Wochenende laufe ich manchmal durch die Gegend, gestern war ich zum Beispiel eine alte Bekannte in einer anderen Stadt besuchen, wobei immer viele Fotos für sie entstehen. Im Unterricht melde ich inzwischen manchmal und sage Sachen. Niemand klatscht dann, was gut ist.
Ich lerne schon sehr viel, glaube ich, aber der Preis ist hoch. Ich wäre so gerne bei ihr. Es schmerzt, sie nicht berühren zu können...
27.10.13 05:43





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