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Das Gute am Mittwoch war der Mittwoch an sich. Ich habe schon lange nicht mehr so viel sinnlos rumsitzen können. Das Schlechte ist die Implikation: ich bin schon wieder viel zu beschäftigt und es wird wohl wieder etwas dauern, bis ich mir soetwas noch mal erlauben kann. Gut, schlechter Zeitpunkt für solche Sprüche, in einer Woche ist mal wieder Feiertag. Also sind immerhin Minimalpuffer da, die das, was ich mir zu viel aufgebürdet habe, abfedern. Was aber nichts an der grundsätzlichen Tatsache ändert.
An der grundsätzlichen Tatsache, dass ich mit gesenktem Kopf und schweren Schultern durch die Gegend trotte, ändert die durchaus positive Aussicht, morgen Abend mit dem Typ und dem Bekannten Billard spielen zu gehen, auch nicht sonderlich viel. Ich bin so weit von einem erträglichen Zustand entfernt, wie ich am Montagabend nah dran war.
Im Koreanischkurs heute Morgen kam in einem Dialog ein typischer koreanischer Mädchenname vor, der auf die gleiche Silbe wie der Name der kursiven sie endete. Der Dozent nannte zwei Beispiele, zu dem ich dann natürlich das Dritte hinzufügen musste. Wenn auch keiner der beiden Anwesenden die Bedeutung verstanden hat. Ich musste es einfach tun. Irgendwann hatte ich mal den Eindruck, dass solche Gefühle in der Regel nach 3 Jahren verblassen. Hier kann man mal sehen, was nach 7 noch übrig ist. Merklich mehr als nichts.
2.5.13 23:56


Corona

Wenn zwei Dinge, die mich regelmäßig schon für sich genommen aus der Bahn werfen, auf einen Tag fallen, hat das unschöne Konsequenzen. Schlimm genug, dass ich gestern den ganzen Tag an dem einen Aufgabenblatt für den einen Kurs sitzen musste. Aber dann war da in der großen Gruppe von Chinesen, die das auch taten, noch ein hübsches Mädchen dabei. Kurz nachdem sie den Raum betreten hatte, streifte mein Ellbogen im Vorbeigehen ihren Rücken. Damit begann das kleine Drama in drei Akten und ohne Schluss. Ich hätte möglicherweise besser aufpassen können. Weil danach offenbar noch nicht alles aus war, kam sie zwei Mal rüber und fragte nach etwas. Das war allerdings nur ein uneindeutiges Signal, weil das innerhalb der Anwesenden, die allesamt den einen Kurs vorbereiteten, nichts Ungewöhnliches war. Es war allerdings insofern eindeutig, als sie mich weder ignorierte noch für so abscheulich befand, dass sie einen großen Bogen um mich machte. Damit war der letzte Widerstand gebrochen. Von da an schaute ich noch häufiger von meinem Blatt auf und dachte nur noch eines: "Bitte bitte bitte bitte nimm mich in deine Arme..." Ich frage mich, wie viel Energie ich in meinem Leben schon darauf verwandt habe, mein aufflammendes Bedürfnis nach Nähe zu unterdrücken und was ich sonst hätte damit anstellen können. Sie strahlte so eine Wärme aus. Etwas, das ich umso mehr bräuchte, desto weniger ich davon habe.
Sie saß neben der Freundin des Bekannten, der schon mal andeutungsweise versucht hat, mich zu verkuppeln. Das lässt mich auf ziemlich dumme Gedanken kommen.
Als ich von den Aufgaben genug hatte, ging ich in einen anderen Raum, setzte mich dort an den PC und wollte Zeit totschlagen, bis der Typ und der Bekannte kommen. Leider sah ich bald die Nachricht, dass einer kränklich war und es absagen wollte. Wenn etwas eigentlich fest Eingeplantes wegbricht, lässt das jedes Mal ein unermessliches Vakuum zurück, das ich in den seltensten Fällen zu füllen vermag. Zu allem Überfluss war nicht mal der Kumpelcousin online, sonst hätte ich wenigstens das Zocken als stumpfe Ablenkung gehabt. Ich hätte direkt nach dem Abendessen ins Bett gehen sollen.
Der heutige Tag fing nur unwesentlich besser an. Ich war, selbstverständlich, noch mal in der Bibliothek. Das ist wirklich enorm viel Zeug, und enorm viel davon ist kaum mehr als Arbeitsbeschaffung. Ich hatte schon angefangen zu glauben, dass es sowas an der Uni nicht mehr gebe. Allerdings führte mich mein Weg zuerst ins Postamt, wo ich endlich, nach zwei Wochen Trödeln, meinen auseinanderfallenden Verstärker zurückschickte. Dafür hatte ich ihn in einen Umzugskarton gepackt, der sich als dafür etwas zu klein erwiesen hatte. Außerdem kam er mit dem Gewicht nicht so ganz klar, obwohl etwas anderes draufstand. Das kann unmöglich gutgehen. Er passte zwar rein, drückt aber an den Seiten den Karton etwas nach außen und ging oben nur deswegen zu, weil viel Klebeband die Deckel zusammenzuhalten versucht. Wenn er vorher nicht ernsthaft kaputt war, ist er es nach dem Transport. Und es regnete, während ich die ca. 15 kg durch die Gegend trug. Wie gesagt: Das kann unmöglich gutgehen. Trotz der gut gemeinten Papierknäuel, die ein bisschen was abfedern sollen.
Immerhin war heute Abend der Kumpelcousin wider Erwarten da und das eine C&C-Spiel war ziemlich krass, was mich ein bisschen auf andere Gedanken gebracht hat. Hilfreich könnte auch gewesen sein, dass sich vorher auf eine emotional sehr plastische Art und Weise die Szene vor meinem geistigen Auge abspielte, wie das Mittwochsmädchen an meiner Tür klingelt. Nicht, dass sie wüsste, wo ich wohne. Und das ist noch die geringste Ungereimtheit...
4.5.13 23:56


Wenn man mir den Tag versauen wollte, müsste man eigentlich nur morgens fragen: "Warum bist du heute aufgestanden?" Oder auch mittags, so wie heute. Um über die Schwelle zwischen dem apathischen und dem aktiven Zustand zu kommen, brauche ich zwingend den Druck, dass Nichthandeln negative Konsequenzen nach sich zöge. So, wie mein Leben (oder das, was diesen Namen kaum noch verdient und eher Vegetieren genannt werden sollte) derzeit strukturiert ist, bedeutet das, dass ich mal wieder nur herumsitze, wenn keine Hausaufgaben anstehen. Ich habe einfach nicht die Kraft, mich zu irgendetwas aufzuraffen. In einem naiven Anflug von Betriebsamkeit habe ich die einfachste aller sowieso schon meist simplen Japanisch-Aufgaben gemacht. Ich habe es zumindest versucht. Es endete nur damit, dass ich jede einzelne Vokabeln nachschauen musste, selbst die, die ich normalerweise kenne. So wenige das sind. Mein Gehirn hatte einfach einen Stock in den Speichen stecken.
Ich bin mir nicht sicher, ob es morgen besser wird, wenn wieder Arbeit und Belastung auf mich einprasselt.
Würde doch endlich mal etwas passieren, was meine Batterien zumindest ein bisschen auflädt. Aber dafür scheine ich viel zu weit aus dem Leben gefallen zu sein.
5.5.13 23:30


Chirurgischer Schlag

Ich habe mir etwas überlegt: Wie wäre, wenn ich im Sommersemester mal statt etwas Verrücktem etwas Unverrücktes tun würde? Also anstatt meine Handynummer auf einen Zettel zu schreiben und mir fest vorzunehmen, sie unschuldigen Mädchen unterzujubeln oder arglosen Mädchen, die ich mal irgendwo gesehen habe, Nachrichten zu schreiben, mit drei Kommilitonen in die Mensa zu gehen. Dabei kam mir zu Gute, dass ich zwar Anlaufzeit brauche, aber manchmal doch so viel Glück habe, dass sich eine vorteilhafte Situation ein zweites Mal ergibt. Wie letzten Montag saß abends in der Bibliothek eine Dreiergruppe, die einen Kurs vorbereitete. Wie letzten Montag war das Mittwochsmädchen darunter. Als am Ende alle ihre sieben Sachen zusammenpackten, fragte ich ganz lässig in die Runde, ob noch jemand in die Mensa gehen würde. Zuerst stimmten die beiden Kerle zu, wodurch die ganze Sache für einen kurzen Moment in die völlig falsche Richtung ging. Dann löste sie endlich die Spannung und kam auch mit.
Auf dem Hinweg verlief es sogar noch besser als gedacht. Wir teilten uns in zwei Zweiergruppen auf. In die einzig richtigen. Also redeten wir recht viel. Beim Essen selbst saß sie neben mir, aber da hatte sich der allgemeine Gesprächsfokus mehr in die Mitte verschoben, in jedem Fall von mir und ihr als geschlossener Gruppe weg. An irgendeinem Punkt streifte ihre Hand meinen Arm. Auf dem Rückweg gingen wir zwar stückweise auch nebeneinander, aber irgendwie fiel keinem mehr ein, was man noch sagen könnte. Ab da nahm auch die Anzahl meiner Redebeiträge ab. Einer war schon unterwegs abgebogen, bei den Bussen und Bahnen blieben die restlichen Drei erst mal zusammen. Bis unerwartet mein Bus kam und ich in einer vielleicht vorschnellen Aktion davonhastete. Aber eine halbe Stunde wollte ich dann auch nicht mehr unbedingt warten. In dem Moment. Im Nachhinein frage ich mich, ob ich das nicht doch hätte tun sollen. Naja.
Ich weiß nicht, ob das irgendeinen Effekt haben wird, auf irgendetwas. In jedem Fall ist es zum einen wunderbar, Zeit mir ihr verbracht zu haben. Und zum anderen ist es nicht zu unterschätzen, dass ich etwas bewirken konnte, dass mein Wollen zu greifbaren Ergebnissen führt.


Andere Baustellen haben sich allerdings heute aufgetan. Ich muss irgendwie dafür sorgen, dass meine Tandempartnerin weniger in Monologe verfällt und mich auch mal reden lässt, und es wäre nett, wenn im Nietzsche-Fanclub mehr Beiträge von den anderen kämen.
6.5.13 23:47


Das, was hübsche Mädchen Anfang Mai so tun

Der gestrige Tag fing damit an, dass ich quasi dem Bus zur Haltestelle nachlief. Durch den strömenden Regen. Es war hart, aber ich habe es geschafft. Zwischen dem ersten Kurs, zu dem ich dann ziemlich durchnässt ankam, und dem nächsten liegen 6 Stunden. Das wäre gut und ich könnte da viel geschafft bekommen, aber es ist furchtbar anstrengend, bei der Stange zu bleiben, wenn man so früh aufgestanden ist. Von meiner allgemein eher dürftig vorhandenen Motivation ganz zu schweigen.
Nachdem ich diese Zeitspanne schwankend produktiv hinter mich gebracht und mich auf den Weg zum nächsten Kurs gemacht hatte, überkam mich ein Dèja-vu. Gerade aus der Tür getreten stand das Mittwochsmädchen da und streckte ihr Gesicht mit geschlossenen Augen der Sonne entgegen. Wirklich das allererste, was mir einfiel, war, dass ich mal vor langer langer Zeit die kursive sie in einer beinahe identischen Haltung beobachten konnte. Zu einem erstaunlichen Zeitpunkt, wie ich nachlesen konnte: Anfang Mai. Vor acht Jahren.
Halb von diesem Gedanken eingenommen und halb einfach nur unsicher, ob ich sie stören sollte, blieb ich stehen und betrachtete sie. Aber schon nach wenigen Sekunden nahm sie mir die Entscheidung ab, lächelte und sagte das einzig richtige Wort in dieser Situation: "Photosynthese." Dann kam noch ein Dritter dazu, wir gingen alle in die gleiche Richtung und ich freute mich, sie so oft zu Gesicht zu bekommen.
Ich bin mir nicht sicher, wann diese zugegebenermaßen kleine Freude abgeebbt ist. Auf jeden Fall ist schon vorher ein tragendes Bauteil aus meiner Konstruktion für die kommenden Tage gebrochen worden, als der Bekannte den Billardtermin schon wieder verschieben wollte. Deswegen sitze ich heute zu Hause. Nachdem ich es schon wieder habe schleifen lassen, weil zum einen kaum Zeit dafür und ich zum anderen immer so scheiße gespielt habe, dass es einfach nur frustrierend war, habe ich es mit Counter Strike versucht. Mit mäßigem Erfolg. Ich glaube, ich gehe einfach früh ins Bett...
Den letztendlichen Todesstoß erhielt die kleine Freude spätestens heute Morgen in dem Kurs, für den ich über 10 Stunden an den Aufgaben gesessen habe. Die Dozentin stellt Fragen auf Erstsemesterniveau, gibt wenig verschleiert zu erkennen, dass sie nicht unbedingt hinter all dem steht, was hier läuft (sie vertritt nur jemanden anderen) und die nächste Aufgabe ist in jedem Fall nerviger, wahrscheinlich aber auch allgemein schlimmer. Würde ich eines dieser Fächer studieren, wo man seine Seele für gute Jobaussichten verkauft, keine Ahnung, Jura oder so, könnte ich mir das vielleicht gefallen lassen. Aber eine der letzten naiven Annahmen, die noch bis hierher retten konnte war, dass man als Geisteswissenschaftler in seinem Elfenbeinturm nicht um seiner selbst Willen gepiesakt wird.

Ich versuche, mich an den Erinnerungsfetzen vom Montag und dem einen Bild vom Dienstag festzuhalten, aber es genügt schon wieder nicht mehr.
8.5.13 22:13


Gestern klappte es beim dritten Versuch, dass der Typ (der wieder da ist), der Bekannte und ich uns zum Billardspielen trafen. Es war auch sehr unterhaltsam. Ein weiterer kleiner Mosaikstein, mit dem ich mir eine etwas erträglichere Stimmung legen kann.
Ich bin mir nicht sicher, ob ich utopische Vorstellungen von dem habe, was ich an freien Tagen weggeschafft bekommen kann, ob ich das im Nachhinein einfach nicht einschätzen kann oder ob ich nicht doch zu langsam arbeite. Diese Unsicherheit könnte aber auch daher kommen, dass ich mit dem neuen nervigen Aufgabenblatt angefangen habe. Ich neige dazu, mich in solchen offenen Aufgaben zu verlieren, weil ich mir das, über das wir etwas sagen sollen, viel zu genau anschauen will.
Die letzten Tage habe ich mir das Gehirn zermartert, wie ich den Spielraum, der mir beim Mittwochsmädchen offenbar zur Verfügung steht, maximal ausreizen kann, ohne irgendeine Grenze allzuweit zu überschreiten. Ich fände die Idee seltsam, am Montagabend wieder einfach den Mensa-Vorschlag in die Runde zu werfen, keine Ahnung warum. Gleichzeitig hätte ich theoretisch keine Probleme damit, sie selbst, würde ich sie mal irgendwo zur richtigen Zeit alleine antreffen, ganz scheinheilig zu fragen, ob sie wohl schon zu Mittag gegessen hat. Theoretisch. Es besteht kein Zweifel, dass sich bei der praktischen Umsetzung in jedem Fall Schwierigkeiten ergeben werden. Was man am besten daran sieht, dass sie mir circa einmal die Woche über den Weg läuft, ohne mich zu sehen, und ich mich nie traue, sie auf mich aufmerksam zu machen. Es könnte am Überraschungsmoment gelegen haben, dass das heute wieder ein leichtes Kribbeln verursacht hat. Nicht, dass sie zu Boden schaut (was ich nachvollziehbar und sympathisch fände), sie scheint einfach vollkommen konzentriert und von der Außenwelt abgeschnitten zu sein.
Irgendetwas wird sich vielleicht irgendwann ergeben. Aber bis dahin ist wieder mal das Semester vorbei, kennt man doch. Es ist manchmal schwierig.
10.5.13 22:09


Wenig überraschend beschäftigt mich vor allem die Frage, ob das Mittwochsmädchen morgen Abend wieder in der Bibliothek sitzen wird (weswegen ich den Codenamen zu "Montagsmalerin" ändern könnte, um noch eine andere Facette einzubringen...) und ob irgendjemand ein Abendessen vorschlagen wird. Wenn, dann wird sie vermutlich mit anderen Leuten dasitzen und den einen Kurs vorbereiten. Und aus irgendeinem Grund sträubt sich bei mir alles dagegen, selbst etwas anzuleiern. Vielleicht deswegen, weil 2/3 der davon Betroffenen nur so eine Art Bauernopfer sind, die bei meinem Gardez helfen. Nicht, dass ich gar nichts mit ihnen anfangen könnte, aber dabei sind sie einfach sekundär. Vielleicht benutze ich das aber auch nur als Vorwand. Naja. Mal schauen... Planen kann man da sowieso nicht viel.
12.5.13 23:53


Some kind of light into your darkness

Oder Was Mazzy Star mit Star Trek zu tun hat außer dem einem Wort im Namen

Meine Scheu davor ignorierend, dass mich dann fremde Leute anfassen werden, habe ich mir heute einen Massagetermin für morgen geholt, weil meine Verspannung schon lange nicht mehr lustig ist.
Da meine Tandempartnerin abgesagt hat, öffnete sich ein merkliches Zeitfenster, in dem ich zwischen "Oh Gott so viel zu tun" und "Was mach ich denn bloß?" schwankte. Das erste entspricht der Wahrheit, das zweite meiner Faulheit. Irgendwas Produktives habe ich dann auf die Reihe gekriegt, allerdings drücke ich mich weiter vor den wichtigen Aufgaben. Während das Semester schon wieder vier Wochen alt geworden ist.
Abends stand dann der fixe Termin in der Bibliothek an, wo die Gruppe auf das Mittwochsmädchen und Streber II zusammengeschrumpft war. Aus irgendeinem Grund machte ich mir so gut wie gar keine Sorgen über den Ausgang, den das nehmen würde. Keine Ahnung warum. Vielleicht, weil es nur noch drei Tage bis zum Lagwagon-Tag sind und da jedes Jahr alles ein kleines bisschen erträglicher wird. Wie dem auch sei, die Sorglosigkeit war vollauf berechtigt: Als der Feierabend näherrückte, warf sie in die Runde, dass sie gerne den neuen Star-Trek-Film sehen würde. Mit der (äußerst honetten) Einschränkung, dass ich nur erwarte, enttäuscht zu werden, war ich da natürlich sofort dabei. Der dritte im Bunde ließ sich nicht lumpen und will auch kommen. Die Einladung war ja so offen formuliert. Also gehen wir morgen Abend ins Kino.
An irgendeinem Punkt habe ich mal damit aufgehört, mir noch allzu viele Gedanken darüber zu machen, was irgendetwas bedeutet.
Es bedeutet vor allem, dass ich wieder etwas habe, über das ich mich freuen kann.
13.5.13 22:57


Alleinstellungsmerkmale

Die Chancen standen 1 zu 3, dass sich im Kino eine Sitzkonstellation ergibt, bei der ich nicht neben ihr sitze. Man sollte grundsätzlich nichts dem Zufall überlassen, sonst geht es schief. Wobei im Kino sowieso nicht viel Kommunikation stattfand. Es hat meine niederen Instinkte angesprochen, als der Film im letzten Drittel plötzlich ausgiebig "Zorn des Khan" spiegelverkehrt zitiert hat. Das war auch die Phase des Films, die mir allgemein gefallen hat, was möglicherweise am Fehlen der Hollywood-will-Explosionen-Mentalität lag.
Nach dem Abspann traten wir aus dem Kino in die sternenklare, vom sichelförmigen Mond beleuchtete Nacht heraus. Auf meinen Vorschlag, sich noch irgendwo hinzusetzen, reagierte niemand so richtig. Da war aber auch schon nach 10. Ich konnte es nicht lassen und deutete im Vorbeigehen auf ein Etablissement, aber es blieb dabei. Irgendwann trennten sich unsere Wege. Auf eine etwas spezielle Art: Kurz nachdem wir noch darüber gesprochen hatten, in welchem Stadtteil ich wohne, stand nicht weit von uns ein Bus, auf dessen Anzeige dick und fett eben dieser Stadtteil stand. Ich ignorierte ihn, mit Hintergedanken, aber hätte mich jemand darauf angesprochen, wäre ich in Erklärungsnot gewesen. Erst fuhr der Bus weg, dann Streber II. Blieben noch sie, ich und 15 Minuten bis zum nächsten Bus. Punktlandung.
Was mich an ihr schon ziemlich früh fasziniert hat und was ich spätestens gestern Abend richtig zu schätzen gelernt habe, ist ihre ausgewogene Mischung aus Zurückhaltung und Offenheit. Sie ist kein bisschen aufdringlich, eine Eigenschaft, die mich sehr schnell abschreckt, und gleichzeitig nicht zu distanziert. Sie steht auf der sehr sehr kurzen Liste von Personen, die sich dafür interessieren, was ich an Büchern gelesen habe. Und auf der anderen kurzen Liste der Leute, von denen ich mir Empfehlungen anhören kann, ohne mich schon vorher zu langweilen. Ich glaube, wir verstehen uns tatsächlich gut. Selten gut. Dass sie mittendrin mal einen stillen Lachkrampf hatte und an einem anderen Punkt im Eifer des Gefechts mit ihrer Hand meine Oberarm streifte (von "berühren" kann kaum die Rede sein, so sanft war das), bestärkt mich in dem Glauben, dass es kein furchtbarer Fehler sein kann, irgendwann mal den Satz "Wir sollten mal was zusammen machen" in die Runde zu werfen, wenn die Runde nur aus ihr und mir besteht.
Natürlich reisst sich meine Phantasie manchmal von der Kette los, obwohl sie sich die meiste Zeit nur vorstellt, wie es wohl wäre, würde sie mich lange umarmen. (Die Antwort ist "tröstend".) Aber eigentlich könnte ich es mir auch in einer rein freundschaftlichen Beziehung mit ihr sehr gemütlich machen. Das kann sehr sehr viel ausmachen, wie mir das Mädchen, das derzeit weit weg ist und sich nicht mehr meldet, dereinst gezeigt hat. Nicht, dass ich alles, was darüber hinausginge, von vorneherein ausschließen will, aber wenn ich meinen aktuellen Zustand betrachte, wäre das schon eine ziemlich bedeutsame Verbesserung. Und vor allem will ich mich selbst nicht unter Druck setzen, das würde alles nur viel schwieriger machen.
Und momentan erscheint alles so wunderbar leicht.
15.5.13 23:38


Lange Schatten

Nach vier sehr langen Monaten geschah heute Morgen etwas Unerwartetes. Auf dem Weg in den Kursraum sah ich HKP im Raum nebenan sitzen. In meiner grenzenlosen Entschlussfreudigkeit ging ich dran vorbei, legte meine Sachen ab und kam dann wieder zurück. Wir tauschten ein paar Sätze aus, dann entstand plötzlich ein Schweigen und ich verabschiedete mich wieder. Nach dem Unterricht sah beim über die Schulter schauen, dass sie noch da stand und mit der Dozentin redete. Ich traute mich nicht, auf sie zu warten, zumal es ja ungewiss war, wann sie rauskommen würde. Auf der Straße schaute ich beim um die Ecke biegen wieder über die Schulter und glaubte sie zu sehen. Da verlangsamte ich immerhin meine Schritte. Schlussendlich holte sie zu mir auf und ging ein Stück des Weges mit mir.
An dem Punkt war es vom ersten Moment, als ob ich mich nahtlos in eine längst vergessene Form einfügen würde. Mit ein bisschen gutem Willen konnte ich mich beinahe der Illusion hingeben, dass sie sich nie wirklich von dem Treffen mit mir ausgeladen und den Kontakt weitestgehend abgebrochen hätte. Spätestens dann, als mein Ellenbogen ihren streifte.
Leider bog sie irgendwann ab und liess mich allein. Und da wurde sichtbar, dass all das eben nicht spurlos an mir vorbeigezogen war und dass ich mich kaum emotional von ihr distanzieren konnte und dass dieses Wiedersehen an den alten Wunden zumindest oberflächlich gekratzt hat. Der Stoff, der meine Einzelteile zusammenhält, hat in diesen kaum 10 Minuten merklich an Halt verloren. Letzten Endes bin ich ihr immer noch hilflos verfallen. Was mir aber gleichzeitig zeigt, dass es richtig war, das Risiko einzugehen, bei dem von Anfang an klar war, dass passieren konnte, was ja nun auch passiert ist: Gefühle dieser Intensität hätte ich nicht lange leugnen können. Außerdem hat das Leben das recht praktisch eingerichtet. Mit den Konsequenzen von Entscheidungen, die man im vollen Bewusstsein ihrer Tragweite getroffen hat, kann man im Allgemeinen irgendwie leben. In jedem Fall besser als mit der Machtlosigkeit, keine Entscheidungen treffen zu können.

Das musste irgendwann passieren. Dass es gerade jetzt und ausgerechnet heute passiert ist...

Frohen Lagwagon-Tag.
16.5.13 23:46


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