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Verschiebung

Zuerst sah es noch ganz gut aus. Ich hatte einen ziemlich elaborierten Traum über eine Liebesgeschichte mit einem Mädchen, das mal wieder nicht spezifisch aussah und dem Leitmotiv eines bestimmen Blumenstraußes (an ein Happy End kann ich mich allerdings nicht erinnern...) und wachte in der Erwartung eines recht entspannten Tages auf, an dem ich einige Sachen erledigen könnte, ohne dabei viel Druck zu haben. Ganz klischeehaft schien auch noch die Sonne. Es scheint, als wäre die Aussicht auf die Konstante "Tanzkurs" recht stabilisierend.
Ich setzte mich in die Bibliothek, scannte ein paar Sachen für die Hiwi-Arbeit und fing danach meine Koreanisch-Hausaufgabe an. Letzteres in sehr entspanntem Tempo, was ich mir leisten kann, zumal ich gestern schon die erste Seite für eine der Hausarbeiten geschrieben habe. Die ist bisher ziemlich konfus, aber das macht erst mal nichts. Irgendwann kam ich auf organisatorische Sachen für die Uni, klickte im elektronischen System rum und dachte mir, dass ich doch mal nach der Note der einen Klausur schauen könnte, die schon länger online ist. Früher konnte ich das mal sehr gut, ich habe jede erhaltene Klassenarbeit furchtlos aufgeschlagen, es gibt sogar ein Video mit dem vielsagenden Titel "Herr k. hat ne 3 in mathe" (klarer Grund zur Freude, aber alles andere wäremir damals auch relativ schnuppe gewesen), als ein Kumpel in der 10. mal seine Digitalkamera dabei hatte, aber inzwischen zögere ich das immer lieber etwas hinaus. Zumal ich sowieso nur eine Enttäuschung erwarten konnte, weil die Klausur an sich einfach war, ich aber ein paar kleinere Sachen nicht ganz optimal hatte. Dachte ich.
Tatsächlich: nicht bestanden. Das war ein ganz schöner Schock. In dem Ausmaß, dass ich es fast eine Stunde später immer noch körperlich gespürt habe. Inzwischen habe ich mich etwas beruhigt, aber die einzigen logischen Erklärungen, die mir eingefallen sind, lauten weiterhin: Dozent konnte meine Schrift nicht lesen. Dozent denkt, ich hätte abgeschrieben. Ich habe meinen Namen nicht aufs Blatt geschrieben. Das letzte ist noch halbwegs realistisch und wäre äußerst nervig. Würde es nämlich so sein, dass ich die Klausur deshalb nicht bestanden habe, weil ich zu viele Fehler gemacht habe, würde das bedeuten, dass ich so weit an der Realität vorbei gelebt habe, dass man sich das kaum noch vorstellen kann. Sprich, das grenzt schon an Wahnsinn. Ich war mir meiner Sache sehr sicher und dachte auch, die Bedeutung der Sätze (es war eine Übersetzungsklausur) zumindest im Grundsatz komplett erfasst zu haben, wenn auch vielleicht (aber wirklich nur vielleicht und an wenigen Stellen) ein paar Details nicht ganz klar waren. Wie hätte ich so nicht bestehen können? Die Vorstellung macht mir fast schon ein bisschen Angst. Das ist dieses permanente Problem, dass es immer mit einem "Was zur Hölle machst du da?" endet, wenn man mir sagt "Mach es einfach, wie du denkst."
Nun denn. Ich habe nach einem Termin für die Klausureinsicht gefragt und in zwei Wochen könnte ich die Nachklausur aus dem Ärmel schütteln (und das meine ich auch so), also wird sich das Problem bald lösen.
2.3.13 23:40


Tatsächlich antwortete der Dozent auf meine Anfrage, dass ich die Klausur gar nicht mitgeschrieben hätte. Das heißt, mein Name steht nirgendwo. Also, nicht auf einem der Klausurenbögen, was Minimalvoraussetzung zum Bestehen wäre. Das ist mir noch nie passiert. Das Dumme an der Sache ist, dass bisher keine Nachklausur aufgesetzt ist, ich war heute im Büro und wollte das klären. Aber wenn das Büro und ich Druck auf den Dozenten machen, müsste das ja wohl funktionieren.
Wenn jetzt jemand denkt, dass der letzte Eintrag damit vollkommen sinnlos war, irrt. Er zeigt ziemlich gut, wie wenig ich mir sogar der Sachen sicher bin, derer ich mir eigentlich sicher sein sollte. Und ich rede hier nicht mal von menschlichem Kontakt.
Meine Stimmung ist widersprüchlich. Einerseits legt sich beim Gedanken an den Tanzkurs eine dünne Decke aus Sanftheit über meine geschundenen Schultern, und heute Morgen im Bus setzte sich ein Mädchen neben mich, wobei ihr Arm meinen streifte, was ich immer schlecht von Trost unterscheiden kann. Gleichzeitig ist es aber unerträglich, mich mit Menschen konfrontiert zu sehen. Das war am Freitagabend so, als der andere Gitarrist vorbeischaute und das Musizieren auch ein bisschen Spaß machte. Das ist in der Institutsbibliothek so, weil da trotz Ferien immer noch viel zu viele Leute sind, die ich nicht immer elegant vermeiden kann. Und dieses faule Studentenpack erfüllt mal absolut gar kein Klischee und stürmt schon vor Mittag in die Unibibliothek. Da kenne ich keine und treffe niemanden, aber ich habe den Platz auch nicht für mich alleine. Und fast am schlimmsten ist es paradoxerweise, wenn ich mit meinem Kumpelcousin zocke und wir per Voicechat verbunden sind. Die meiste Zeit reden wir schlicht gar nichts außer den allernotwendigsten taktischen Absprachen, aber trotzdem. Und es war auch schon beim letzten Tanzkurs nicht anders, wenn auch vor allem in den musiklosen Pausen.
Ich glaube, ich lebe bei weitem nicht so zurückgezogen, wie ich es sonst in den Ferien tue und das macht sich bemerkbar. Es schlaucht so unglaublich, Leute anschauen und mit ihnen reden zu müssen.

Heute war der Fernsehprofessor in der Stadt und er redete über vieles, und das auch wirklich unterhaltsam, aber ein bisschen mehr über das eigentlichte Thema hätte ich schon gerne gehört.

Das Mädchen in der Ferne ist nicht mehr weit davon entfernt, sich seit einem Vierteljahr nicht bei mir gemeldet zu haben. Ich kenne sie und weiß, wie das bei ihr ist, aber das ist langsam schon eine beachtliche Zeitspanne.
4.3.13 23:23


Ich führe ein seltsames Leben derzeit. Trotz der Semesterferien ("vorlesungsfreie Zeit"... irgendwann gibt man den Kampf gegen diesen Begriff einfach auf) stehe ich fast jeden Morgen um 8 auf, bin eine Stunde später in der Bibliothek, die dann auch schon auf hat und versuche mich an irgendetwas. Aktuell Koreanisch. "Schreiben Sie über etwas, das sie erlebt haben." Ich erlebe nichts. Wie bei dem Japanisch-Vortrag muss also die Austauschzeit in Taiwan herhalten. Der finale Texte entsteht in der Schnittmenge aus Vorgefallenem und in dieser Sprache für mich Ausdrückbaren. Es sieht düster aus, wahrscheinlich geht es deshalb so langsam voran. Wenn die andere, die Institutsbibliothek, um 12 aufmacht, ziehe ich dorthin um, und auch dort geht es eher schleppend. Allerdings laufen dort nicht so viele ablenkend schöne Mädchen herum. Aktuell hadere ich damit, dass mein Thema extrem speziell ist und nicht so viel Substanz aufweist, die man ausbuddeln könnte. Das war beim letzten Mal anders, deshalb ging es auch besser. So mache ich was, bin mir aber unsicher, wo das einerseits hinführt, und wie andererseits der nächste Satz lauten soll. Noch drängt die Zeit nicht, aber von einem dicken Polster kann ich auch nicht gerade reden.
Wenn diese Bibliothek zu macht, gehe ich derzeit wieder zurück in die andere, weil da mein 115 Jahre altes Buch über Nietzsche herumliegt und gelesen werden will. Allerdings bin ich seit heute durch und kann zwei Dinge sagen: Es war unterhaltsame Lektüre ("Und jetzt fällt der Schimpf hageldicht!") und das, was meine Primärquelle in der Abschlussarbeit gesagt hat, steht dem ersten Eindruck nach nicht zu 100% schon in diesem Buch.
Die bibliothekenbewohnende Lebensform. Meine Bettlektüre ist eine Einführung zu Aristoteles.
Ich bin nur noch Geist. Manchmal finde ich es schade, dass ich weder Charakter noch Charisma besitze.

All das kann die Hoffnungslosigkeit aber kaum übertünchen. Hoffentlich hat der Tanzkurs morgen einen größeren Effekt...
6.3.13 23:51


Sackgasse

Im heutigen Tanzkurs waren vier Herren mehr als Damen anwesend. Dass ich zu der dadurch entstehenden Gruppe gehörte, versteht sich fast schon selbst. Nach 2/3 der Zeit war mein Partner einfach weg. Ich bewundere diesen Schneid, aus einer unerträglichen Situationen einfach abhauen zu können. Dadurch machte er es mir auch einfach. Ich ging. Trat heraus in den Nieselregen. Letzte Woche begleitete die Sonne die Nachwirkungen, diese Woche eben der Regen. Das passt doch wunderbar.
Das war auch das, worüber ich mir vorher Gedanken gemacht habe. Gehen da vielleicht nicht nur Pärchen hin? Letztes Mal sah es noch nicht so aus, aber vielleicht gehen nur Pärchen konstant hin. Damit kommen schon sehr viele Unsicherheiten ins Spiel. Sind die es mir wert? Ich befürchte fast, dass sie das nicht sind.
Natürlich funktioniert auch sonst nicht viel. Für die Arbeit sollte ich Bücher suchen, zwei davon waren sogar ausnahmsweise mal in der Bibliothek. In meiner grenzenlosen Naivität teilte ich das dem kleinen Chef mit und meinte, ich würde sie dann mitbringen. Ich hätte besser mal nachgeschaut. Das eine ist in einem Handapparat, das kriege ich schon da raus, weil der vom letzten Semester ist, das andere selbstverständlich ist komplett verschollen. In meiner grenzenlosen Verwirrtheit erklärte ich das letzte für unauffindbar, während es doch wunderbar per Fernleihe erreichbar ist. Hochprofessionell.
Und weder wird es nächste Woche eine Nachklausur geben, noch weiß ich, wann sonst, weil keiner sich meldet. Ich habe mich vorsichtshalber mal an die Institutsleitung gewandt, damit es am Ende nicht heißt, das hätte ich direkt sagen müssen etc. Nur habe ich damit jetzt ein ganz großes Fass aufgemacht und allen nur Aufwand bereitet...

Ich fühle mich so vollkommen leer, ausgehöhlt, verspannt und müde.
7.3.13 23:16


Ich mache den Mist ja noch zähneknirschend mit, solange es halbwegs störungsfrei und sinnlos an mir vorbeiziehen kann. Aber so... Mir wurde mitgeteilt, dass ich erstmal keinen Anspruch auf eine Nachklausur habe, da ich ja gar nicht mitgeschrieben hätte. Jetzt darf ich also hoffen, dass sich das irgendwie versöhnlich klärt. Und ich darf einsehen, dass es im System überhaupt nichts bringt, sich irgendwie zu engagieren. Man kann jede Stunde hingehen und mitarbeiten, wenn man einmal den falschen Fehler macht, ein sehr kleiner Fehler, ist man raus. Wobei es natürlich im Ermessen des Dozenten liegt, wie streng er das System anwendet, und da bin ich hier echt an den Falschen geraten.
Momentan habe ich beschlossen, das nicht so auf mir sitzen zu lassen und wenn es sein muss noch an viele Türen zu klopfen und viele Emails zu schreiben. Gott, nervt mich das.
Es ist eigentlich nur noch eine Demütigung nach der anderen.
8.3.13 23:56


Am Ende klärte sich die Sache mit der namenlosen Klausur plötzlich doch und vielleicht wird sie sogar gewertet, wenn ich das richtig verstanden habe, was ungewöhnlich wäre.
Am Freitag lief mir, zum zweiten Mal in den Ferien, das Mittwochsmädchen auf offener Straße über den Weg. Im Gegensatz zum letzten Mal sah sie mich auch und lächelte mich an. Das löste ein Gefühl aus, das ich normalerweise mit dem Gedanken "Und die wirst du jetzt den Rest des Schuljahres anhimmeln, ohne je ihren Namen zu erfahren." verbinde. Dabei kenne ich doch ihren Namen und niemand zählt mehr irgendetwas in Schuljahren. Es ist mehr als fraglich, ob wir im nächsten Semester einen Kurs zusammen haben werden.
Den ganzen Samstag verbrachte ich arbeitend, da ich zu Hause war. In einer lächerlichen Aktion stand, als ich am Abend schnell etwas holen fuhr, plötzlich eine Zivilstreife hinter mir, als ich auf den Zielhof auffuhr. Warum auch immer. Führerschein hatte ich nicht dabei, weil ich, wie gesagt, nur mal eben etwas holen fuhr, also mussten sie das langwierig überprüfen, nur um dann wieder abzuhauen, ohne irgendetwas getan zu haben, außer meine Pupillen abzuleuchten, die dem Polizisten "geweitet" vorkamen. Und dafür 10 Minuten im T-Shirt in der beginnenden Kälte gestanden. Denen ist wohl auch manchmal langweilig.
An beiden Tagen des Wochenendes habe ich miserabel geschlafen und meine Stimmung hat sich auch keinen Deut verbessert. Dafür denke ich immer noch und zu viel an HKP, die ich schon so lange nicht mehr gesehen habe. Eigentlich habe ich sie seit dem Tag, an dem ich bei ihr war (und sie umarmt habe...), überhaupt nur noch ein einziges Mal gesehen, und dieser Tag war der 16. Dezember. Es erscheint mir gerade absolut unmöglich, jemals irgendeine Form von Schlusstrich darunter ziehen zu können.
Verständlicherweise.
10.3.13 23:26


Wenn mir die Realität so absolut gar nichts bietet, kann ich mich die meiste Zeit auf meine Phantasie verlassen. Brütend heißer Sommer, flimmernde stehende Luft, jeden Tag zusammen ins Schwimmbad gehen. Manchmal fühlt es sich dann so echt an, als hätte ich es gerade letzte Woche noch erlebt und würde es mit einer Nostalgiebrille mit ziemlich vielen Dioptrien und rosaroten Gläsern betrachten, die auf "Vor 10 Jahren war alles besser" eingestellt ist. Meine einzige Hoffnung ist, dass HKP während der Ferien auffällt, was für eine Chance sie ungenutzt lässt. Mein einziger und dummer Plan ist, auf ihre Frage "Wie waren deine Ferien?" mit "Ich habe nicht geweint." zu antworten. Und es ihr rücksichtslos unter die Nase zu reiben.
"Last night I felt/real arms around me" Ich kann sehr gut nachvollziehen, warum jemand so eine Textzeile schreibt.

So langsam kann ich langfristiger Planung nicht mehr ausweichen und muss mir Gedanken über die Kurse machen, die ich vor der Abschlussarbeit belegt haben muss. Das wird kritisch und läuft wohl darauf hinaus, dass ich im Semester, in dem ich die Arbeit schreibe, noch zwei Sachen machen muss. Was an sich kein Problem sein sollte. Nur wird das dazu führen, dass ich die Arbeit erst anmelden kann, wenn die Kurse durch sind und dann zwischen Anmeldung der Arbeit und Abgabe geschätzte 10 Tage vergehen, was etwas weniger als die vier Monate ist, die angedacht sind. Eigentlich interessiert das ja keinen, aber bis ich kam und vorletztes Jahr die kleine Abschlussarbeit angemeldet habe, hat auch keinen interessiert, dass man das eigentlich sofort nach dem letzten Schein machen muss. Entweder machen alle anderen das instinktiv richtig und ich mache es instinktiv falsch, was nicht unwahrscheinlich ist, aber dann auch nur bedeutet, dass alle anderen, ich bekomme das ja doch mehr oder weniger mit, zwar auch kreativ mit den Regeln umgehen, aber die entscheidende Linie nie übertreten. Oder es bedeutet, dass Fehler bei mir sofort auffallen. Und das passt wieder wunderbar rein. Es sah ja zum Beispiel einige Tage so aus, als hätte ich die Klausur versemmelt, kein Anrecht auf eine Nachklausur und wäre, wenn wieder die Chance da wäre, sie zu schreiben, nicht da, weswegen ich zwei Jahre warten müsste. Oder der Aufschrei, der durch das Institut ging, als ein gewisser Student (=ich) die Anmeldefrist der Arbeit versäumt hatte. Oder die Polizei, die plötzlich hinter mir steht. Die Botschaft ist eindeutig: Ich darf mir keinen einzigen Fehler erlauben, nirgendwo, weil ich damit angreifbar werde, und wenn ich angreifbar bin, werde ich auch angegriffen. Ich darf also nicht mal den Anschein erwecken, mit den Anmeldefristen herumgespielt zu haben, weil das sofort Konsequenzen haben würde.
Das Ergebnis jahrelanger Erziehung. Blitzableiter-Erziehung.
11.3.13 23:27


Oberflächlich betrachtet ist mein Leben alles andere als leer. Ich bin den ganzen Tag an der Uni beschäftigt, hatte gestern Abend Sport, heute mal nichts, gehe morgen mit dem Billardfreund Billard spielen, obwohl wir das beide nicht können, weil keinem etwas Besseres eingefallen ist, und am Donnerstag will ich schon wieder in einen Sportkurs. Nicht in den Tanzkurs. Am Wochenende fahre ich möglicherweise wieder meinen Kumpelcousin besuchen.
Aber es ist eben nur oberflächlich betrachtet nicht leer.
Außerdem muss ich irgendetwas falsch gemacht haben, weil ich nirgends mehr anonym bin. Gestern Abend erkannten mich zwei Leute und ich sah, glaube ich, meinen Tanzpartner, er mich aber zum Glück nicht. Heute war ich zum ersten Mal überhaupt in der Bibliothek der Philosophen, wo die Bekannte vom Sportkurs saß und mich sogar sah.
Am späten Nachmittag war ich in der Sprechstunde beim Prof, der mir die Arbeit vom letzten Semester zurückgab und das Vorhaben für meine Neue bewertete. Er sieht bei allem noch mehr Fragen und das, was man noch dazu machen könnte, weil es so interessant ist und weist einen auch darauf hin. Das nimmt schnell überhand, allerdings hat er in einer Sache vollkommen recht. Was er bei mir immer vermisst ist die Kontextualisierung, d.h. wie positioniert sich meine Quelle im Gesamtdiskurs jener Zeit. Das ist ja nun keine grundlegende Sache, sondern mehr das Sahnehäubchen. Und es ist auch nicht selbstverständlich, ich habe auch an einer internen Quellenkritik Freude. Aber ich sehe, was er meint, nur gibt es da ein Problem, und dieses Problem heißt "Spezialisierung". Ich müsste mich neben den Kursen noch intensiver mit einem bestimmten Thema beschäftigen und mir gewissermaßen ein Bild vom intellektuellen Leben dieser Zeit machen, was konkret bedeutet, viele viele Texte zu lesen. Es ist nicht nur so, dass ich aktuell überhaupt keine Zeit dafür habe, vielmehr habe ich eigentlich auch keine Lust. Ich lese auch außerhalb der Uni, sogar viel, aber dann nur und ausschließlich fachfremd, weil es mir sonst zu viel wird.
Ich meine, so viel Luft nach oben war bei der Note auch nicht mehr, aber hier treffen eben Anspruch an mich selbst und Wirklichkeit aufeinander und es ist offensichtlich, wer da den Kürzeren zieht.
12.3.13 22:29


Bremse

Gestern Abend war ich wieder mit dem Kommilitonen Billard spielen. Das Gute ist, dass ich mit ihm wirklich ein Gespräch führen kann. Das Schlechte war dann nur, dass ich mich habe mitreißen lassen und vom Versuch, in den Tanzkurs zu gehen, erzählt habe. Zuerst reagierte er ja zurückhaltend, indem er davon erzählte, dass er mal ganz früher Ähnliches erlebt habe, dass plötzlich zu wenig Damen da waren. Aber dann musste er mich an das Mädchen erinnern, das mal bei einem Spieleabend bei ihm zu Hause neben mir saß und nachher seine Freundin gefragt hat, ob ich eine Freundin hätte. Die, sagte er, fände es sicher gut, würde ich sie fragen. Das sagte er vollkommen unironisch, sodass ich langsam wirklich glaube, dass er mich verkuppeln will. Verkuppelt werden ist mir generell schon suspekt, und ich bin zwar verzweifelt, aber noch lange nicht so verzweifelt, dass ich die Nähe von Leuten suche, mit denen ich einfach überhaupt nichts anfangen kann. Menschen sind meistens sowieso schon schwierig zu ertragen, und ich bin mir sicher, dass es noch dreimal so schlimm wird, wenn ich mir selbst einrede, dass ich mich jetzt gefälligst darüber freuen sollte. Oder vielleichte meinte er es dezenter gut, indem er mich auf vorhandene Möglichkeiten hinweist, hat aber mein Problem nicht verstanden, woraus ich keinem einen Vorwurf machen könnte, ich verstehe es ja selbst nicht. Nur dass er es ganz am Ende noch mal erwähnen musste, lässt die zweite Möglichkeit unwahrscheinlich erscheinen. Wie dem auch sei, die meiste Zeit war das nicht das Thema. Außerdem hat das Billardspielen etwas besser geklappt als beim letzten Mal.
Heute Abend war ich dann im regulären Sportkurs statt auf der Tanzfläche. Die Sportbekanntschaft war auch da, redete etwas mit mir über das, was wir so getan haben, als wir uns zufällig über den Weg liefen und im Gegensatz zu sonst klappte die Kommunikation relativ unfallfrei. Das heißt, ich habe keine seltsamen Sachen gesagt, die dann noch seltsamer ankamen.
Im Laufe des Tages habe ich mich bei der Seminararbeit so richtig ausgekotzt, sodass inzwischen einiges da steht. Ich muss den Prof noch mal fragen, ob er sich das so vorgestellt hatte, aber wenigstens steht jetzt eine gewisse Substanz als Fundament.
Es hat also immerhin mal aufgehört, noch schlimmer zu werden. Und nach den letzten Wochen ist das fast schon gut.
Morgen fahre ich meinen Kumpelcousin mit dem Zug besuchen.
15.3.13 00:00


Der Tag auswärts hat wirklich Spaß gemacht, nur staut sich in dieser Zeit die Leere immer auf, jedes verdammte Mal, und fällt dann mit geballter Kraft über mich her, wenn der Trubel und die Ablenkung vorbei sind. Davor war es eben dieses Gefühl der von der Außenwelt komplett unabhängigen Zockerei und die Ahnung einer geschlossenen Zweckgemeinschaft, wo einer Frühstück kaufen geht, einer spült und einer aufräumt, bevor das Geschnetzel weitergeht.
Und hier noch ein Nachtrag zum Verkuppeltwerden: Es ist ja nicht so, dass ich im Trüben fische, sondern eher konsequent in höheren Preisklassen. Und das vermutlich aus Prinzip oder sowas, auf jeden Fall habe ich nicht den Eindruck, dass ich mich davon abbringen kann oder lassen werden.

Ich hasse außerdem alles, was mit Visa und Reisepässen zu tun hat.
16.3.13 22:33


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