fleurchen

thatgirlthere

dig.out.yr.soul

Play all day


(Tellerrand)




  Startseite
  Über...
  Archiv
  Groschenroman
  Retrospektive
  Disclaimer
  Packungsbeilage
  Gästebuch
  Kontakt
 




http://myblog.de/kaputo

Gratis bloggen bei
myblog.de





Ich schweige, weil es nichts zu sagen gibt.
Die letzten Tage ist es schön kalt geworden und morgen fahre ich in die Unistadt, wo dann alles zusammenbrechen darf wie ein Haus aus alten, labbrigen Wirtshauskarten.
1.9.12 20:54


Reizüberflutung

Unerwarteterweise wäre es nötig gewesen, früh aufzustehen, denn als ich in der Univerwaltung ankam, saßen da schon haufenweise Leute vor der Tür rum. Die Master-Einschreibung verwirrt mich und deswegen hätte ich gerne ein paar Fragen beantwortet gehabt. Also morgen. Hoffentlich pünktlich.
Aber eigentlich fing der Tag schon davor mit einem Schreck an. Kaum wieder in der Stadt und an der Bushaltestelle, konnte nur eine einzige Person auftauchen. Eine Person, bei der ich mich Ende des letzten Semesters dazu entschlossen hatte, von nun an nett zu ihr zu sein und sie nie wieder zu belästigen. Das hätte einfach sein sollen, schließlich habe ich sie nur einige Male in einem bestimmten Bus zu einer bestimmten Uhrzeit gesehen. Aber nein, sie musste mir direkt wieder über den Weg laufen. Zuerst war ich mir unsicher: Ist sie es? Dann war ich mir sicher: Das ist sie nicht. Mit zunehmender Dauer wuchs dann wieder meine Sicherheit in die andere Richtung. Es wäre auch ein toller Charaktertest gewesen. Ich hätte ihn allerdings nicht bestanden, denn ich setzte mich ohne Umschweife (aber nicht, ohne mit der Wimper zu zucken) auf den einzigen freien Platz, neben sie. Man muss sie sich als eine Mischung aus Rehaugen, Eleganz und einem leichten Schleier von Traurigkeit vorstellen.
In der Mitte des Tages verbrachte ich Zeit im Institut. Auf dem Weg in die Bibliothek lief ich noch einem Bekannten über den Weg, dessen Namen ich allerdings kenne. Mit dem habe ich mich auch kurz unterhalten. Dann habe ich den ersten von drei Texten durchgearbeitet, die ich für eine der beiden Hausarbeiten benötige. Es war, glaube ich, auch der kürzeste. So oder so, es dürfte nicht weit hergeholt sein, zu behaupten, dass das hier mehr Ferien ähnelt als das zu Hause. Überhaupt, irgendetwas hinschludern, aus dem zumindest hervorgeht, dass ich mich mit der Thematik beschäftigt habe, wenn es auch die gewinnbringende Fragestellung vermissen lässt, sollte doch machbar sein. Problematisch wurde es später, als ich mit dem Text durch und etwas müde war. Da hätte ich eine andere Art von Arbeit gebraucht. Stattdessen wollte ich schnell das Semesterticket kaufen. Schnell. Ich stand beinahe anderthalb Stunden an und musste dabei dem ununterbrochenen Gelaber von zwei Leuten zuhören, die sich hinter mir in der Schlange kennengelernt hatten. In der Sonne, die hier, im Gegensatz zu der Heimat, noch sehr warm ist.
Als wäre das noch nicht genug (der Teufel scheißt auf den größten Haufen, heißt es zu Recht), kam abends die Rundmail von dem Mädchen, das mal wieder 10'000 km weit weg ist. Ich war erfreut darüber, noch auf der Verteilerliste zu sein. Irgendwann bald werde ich ihr antworten, obwohl ich keine Ahnung habe, was es zu sagen gäbe.
Wider Erwarten habe ich mir auch schon Gedanken über den Zettel gemacht, mit dem ich mir jemanden suche, der mit mir Gitarre spielen will. Es gibt da sogar eine Internetbörse zu, habe ich festgestellt, aber das scheint nicht ganz die richtige Klientel anzusprechen. Dieser Eindruck drängte sich mir nach dem Überfliegen von mehr als 400 Überschriften auf. Überhaupt bin ich mir bewusst, dass meine Erfolgschancen verschwindend gering sind: Gitarrist mit nicht zu hohem Anspruch, wie z.B. Eigenkompositionen oder so, Fan der Band, muss den Aushang auch sehen. Die Schnittmenge ist gering. Aber, und jetzt kommt sozusagen mein Catchphrase: Wer wagt, gewinnt.
Nachdem ich es heute Abend trotz der Busse (es werden eher mehr Hindernisse als weniger...) nach Hause geschafft hatte, durfte ich mich noch als Fremdenführer für einen dicken, alten Araber verdingen, der keine Ahnung hatte, wo er hinmusste und mein Handy brauchte. Ich wäre wahrscheinlich kein so netter Mensch, hätte mir jemand beigebracht, Nein zu sagen oder Gegenleistungen zu verlangen, aber was will man machen.
3.9.12 23:34


Verfolgerwahn

Das war sicher ein Wink des Schicksals. In jedem Falle aber anormal. Wäre allerdings auch eine sehr nützliche Fähigkeit. Ich ging zur Bushaltestelle, wer stand da? Andere Zeit als gestern, vollkommen andere Zeit als im letzten Semester, wo der Donnerstag für sie reserviert war. Es konnte keiner ahnen, dass das passieren würde.
Viel wahrscheinlicher als die Variante, dass sie den ganzen Morgen auf mich gewartet hat, ist, dass sie jetzt ein bisschen Angst vor mir hat und denkt, ich würde ihr nachstellen. Dabei habe ich sie doch kaum angeschaut. Wie gerne hätte ich sie angeschaut. Ich gewöhne mich schnell an so etwas. Wäre sie einfach jeden Morgen da, wäre das ein kleiner Baustein für eine erträgliche Situation. Eine leichter Anstupser, der mich an ein Gefühl erinnert, das ich so vermisse. Aller guten Dinge wären sogar drei. Aber die Chance, dass sie morgen auch wieder da ist, ist verschwindend gering. Und dann wird sie mir fehlen.
Am Nachmittag war ich produktiv und habe jetzt den zweiten und mit Abstand längsten Text durch. Ich habe sogar schon eine Ahnung, über was man sich auslassen könnte, um Seiten zu füllen. Fehlt noch der dritte, ob ich den morgen aber schaffe ist fraglich, schließlich haben wir zum zweiten schon was im Unterricht gemacht gehabt.
Das mit der Einschreibung sollte problemlos gehen, sobald ich noch eine Unterschrift ergattert habe. Das hätte ich gerne mal abgehakt. Und was man tun muss, um in der Institutsbibliothek arbeiten zu können, habe ich auch gefragt. Zwar sind alle, die das entscheiden, im Urlaub, aber bald wieder da. Ich bin irgendwie erstaunlich produktiv.
Weil ich neben Musik-Aficionado im Nebenberuf noch Heiratsschwindler Jäger und Sammler bin, werde ich mich das neue Mono-Album auf Vinyl kaufen. Kostet nur ein kleines bisschen mehr, ich werde wahrscheinlich immer noch enttäucht davon sein, aber es ist Vinyl. Und warum nicht gleich noch das letzte Asobi-Seksu-Album dazu? Als LP, versteht sich. Immer raus damit.
Und morgen gehe ich, Ferien sei Dank, meinem normalen Sportkurs, dem ich seit sage und schreibe 6 oder so Semestern treu bin, fremd. Mit irgendeinem anderen. Einfach so und fast ohne Angst vor dem Neuen und Unbekannten zu haben.
Merkt man, dass es mir lange nicht so schlecht geht wie erwartet?
4.9.12 23:37


Was vorgestern noch an vergleichsweise positiver Stimmung da war, ist inzwischen einer namenlosen Schwere gewichen. Man könnte fast argwöhnen, es läge wirklich daran, dass ich ohne Begleitung Bus fahren muss.
Mein Arbeitstempo schwankt je nach Tagesform. Ich habe heute allerdings angefangen, einfach mal eine Analyse für einen der Texte zu schreiben. Damit bringe ich mich vielleicht dazu, mir Gedanken zu machen, worauf ich am Ende hinauswill.
Das Sportprogramm gestern Abend war ein ganz anderes Kaliber als mein normales. Ein wenig Muskelkater habe ich immer noch.
Danach konnte ich sehr lange nicht einschlafen, was ein weiterer Faktor für den Kollaps meiner Laune gewesen sein könnte.
"Narziss und Goldmund" ist mehr "Hermann Hesse nach Zahlen", als mir bisher lieb ist. Aber hinten in dem Band sind auch ein paar krasse Gedichte, so in der Art von "Lebenmüssen und Sterbendürfen". Eigentlich kann ich mit Gedichten selten viel anfangen, aber die Radikalität reisst viel raus.
6.9.12 23:06


In meiner grenzenlosen Genialität fuhr ich heute in die Stadt, stellte fest, dass Samstag war und fuhr wieder nach Hause. Denn in den Ferien hat die Institutsbibliothek am Samstag natürlich geschlossen. Das wusste ich, dachte ich aber gar nicht dran.
Ich ahnte schon zwei Dinge: Dass das Paket sicher in der Zeit gekommen war, in der ich nicht zu Hause war (check), und dass es zu Hause anspruchsvoll werden würde, viel auf die Reihe zu bekommen (check). Jetzt habe ich zwei neue Schallplatten, und Schallplatten sind cool. ("Attending morning meetings for vinyl junkies" ist aber doch noch nicht) Auf der einen ist sogar gute Musik drauf, sagt mein erster Eindruck. Bis jetzt habe ich ziemlich wenig für die Hausarbeiten gemacht. Eher ein bisschen mehr Hesse gelesen, der sich im Laufe der Seiten dazu aufraffen konnte, etwas zu servieren, das nicht diesen leichten Recycling-Beigeschmack hatte.
Bei diesen erfolglosen Versuchen, mich zum arbeiten zu zwingen, wird die abgrundtiefe Leere plötzlich sehr deutlich.
Ich denke die letzten Tage oft an sie. Vor allem aber will ich nicht wahrhaben, dass sie nicht da ist. Ich warte fast noch darauf, dass sie mir irgendwo über den Weg läuft.
Aber das wird nicht passieren.
8.9.12 21:09


Seit heute hängt der erste Zettel für meine Gitarristen-Suche aus. Nicht gerade mit vor Stolz geschwellter Brust hängt er am Laternenpfahl, sondern eher wie ein nasser Sack. Damit ist es ein in sich stimmiges Konzept. Der Hauptteil (viele werden das wohl auch nicht...) soll erst raus in die weite Welt, wenn das Semester anfängt und wieder Leben in der Stadt ist. Der hier ist so früh dran, weil ein Konzert stattfindet, bei dem sich Klientelüberschneidungen ergeben könnten.
Die letzten Tage war der Fortschritt eher gemächlich. Und die Zeit läuft, eine von drei Wochen liegt hinter mir. Immerhin habe ich schon einen Grundstock für eine der Arbeiten. Und ein Schlafrhythmusproblem. Einen Tag geht es gut, da stehe ich recht früh auf. Dann bin ich abends aber trotzdem nicht müde, zögere das Schlafen raus, bleibe am nächsten Morgen länger liegen und das rächt sich dann abends, wenn ich nicht einschlafen kann. Nach einer kurzen Nacht fängt dann alles wieder von vorne an.
Und dann fehlt mir noch der morgige Tag. Ich bin seit dem frühen Abend in der Heimat, weil morgen wieder mal helfende Hände gebracht werden. Am Anfang sah es noch gut aus, die Stimmung war entspannt. Aber schon beim Abendessen ging es los. Wie nur die Tochter des Cousins meiner Mutter ihr auf dem Familiengeburtstag den ganzen Abend den Rücken zuwenden konnte. Mein Vater warf kleinlaut ein (dass er sich überhaupt da einmischt, verwundert), dass das bei zwölfjährigen Mädchen eben manchmal so sei. Das ließ meine Schwester dann wieder nicht gelten und verwies auf unseren Cousin, der sich auch oft seltsam benehme. Schön, dass wir alle so gute Menschen sind.
Morgen Abend fahre ich dann auch direkt wieder.

Ich hätte mir damals im März nie die Haare für die Bewerbungsfotos schneiden lassen sollen. Jetzt sehe ich z.B. Fotos von Weihnachten und denke, da war ich schon fast so weit wie es jetzt wieder bin. Reine Zeitverschwendung.
Wenn ich mir die Einträge von 2006, besonders vom Sommer, durchlese und die Zeit dann quasi im Zeitraffer vor mir sehe (Ob die Einträge so viel taugen, dass das auch ohne das eigene Erleben klappt, bezweifele ich.), werden die Muster sichtbar. Wie sich ganz langsam eine "psychopathische Verzweiflung" herausschält, der Abgrung bodenloser wird und die Kälte beißender.
10.9.12 22:15


Mantra

Hoffnungslosigkeit ist nur ein Mangel an Vorstellungskraft.
11.9.12 23:06


Während ich fleißig in der Bibliothek saß, kam ein Bekannter des Weges und meinte, ein anderer Bekannter käme aus dem Ausland zurück und ein paar Leute würden ihn willkommen heißen. Wahrscheinlich am nächsten Tag. Da war ich dabei.
Abends war ich zu Hause und wollte bald los zum Sport, da kam der Anruf, es wäre doch an dem Tag. Ich hasse Spontanität. Zuerst kam die Abwehrreaktion gegen Überrumpelung in Form von diesem Gefühl der Unruhe und des Getriebenseins. Dann kam das ewige Scheitern, begrenzte Zeiträume sinnvoll zu nutzen. Man könnte in den zwei Stunden noch etwas machen. Man könnte aber auch den Bildschirm anstarren. Dann bin ich los.
Ich saß an der Grenze zwischen den alten und den jüngeren Freunden. Neben dem Gastgeber. Also mittendrin. Nützte nur nichts. Links von mir ein Gespräch, rechts von mir eins. Ich sitze viel schweigend da. Irgendwann taue ich langsam auf, bin aber auch bei der zweiten Fluchtwelle dabei. Es war eigentlich genau der richtige Zeitpunkt. Und es war eigentlich auch ein netter Abend.
Wie oft nach einem Bier schlafe ich wie ein Stein und wache früh und vergleichsweise munter auf. Heute habe ich die Rohform der ersten Hausarbeit abgeschlossen. Ein bisschen Gelaber Argumentation will ich noch einfügen, dann ist noch alles unformatiert und ohne richtige Fußnoten, aber der Text steht soweit und ist auch umfangreich genug. Glaube ich. Wie erfolgreich ich sein könnte, wäre ich vollkommen von anderen Menschen unabhängig und müsste mich nie verkaufen. Jetzt verstehe ich, warum mein Vater Bauer geblieben ist.
Vier Personen hätten Interesse darin gezeigt, in der Bibliothek zu arbeiten. Drei Stellen wären zu besetzen, hat er gesagt. Das ist doch direkt schon wieder viel zu viel Konkurrenz.
13.9.12 23:00


Sedidativ

Schon Nietzsche hat sich gefragt: "Kann ein Esel tragisch sein? - Daß man unter einer Last zugrunde geht, die man weder tragen noch abwerfen kann? ... Der Fall des Philosophen." Den Teil mit dem Philosophen kann man einfach streichen und sich dann eine schlagfertige Antwort überlegen. Und warum benutzt der überhaupt so viele Gedankenstriche und Punktpunktpunkts?
Ich befürchte, dass ich in den nächsten beiden Wochen auch ab und zu mal abends oder (oh Schreck) morgens etwas tun muss, will ich die Hausarbeiten rechtzeitig fertig bekommen.
Seit ich am Dienstag zu jemandem sagt, der nach meinen Bewerbungen fragte, dass ich dann gar nicht mehr hier wäre, hat diese verpasste Möglichkeit des Nicht-mehr-hier-seins eine sehr plastische Qualität angenommen.
Wahrscheinlich liegt es an dem vorhandenen Stress und der latenten Unterernährung, dass alles keinerlei Effekt auf mich hat. Das Fehlen bestimmter Personen zum Beispiel.

Shut up be happy stop whining please Die ersten fünf Minuten vor allem.
15.9.12 21:21


Bisher läuft es mit den Hausarbeiten erstaunlich gut. Am Wochenende habe ich angefangen, die erste zu formatieren und bin dadurch schon jetzt bei einer tragbaren Seitenanzahl gelandet. An einer Stelle fehlt noch ein wenig Gesülze Analyse und es hat sich Krimskrams angehäuft, den ich nachschlagen und belegen muss, aber was davon nicht schnell geht, wird einfach gestrichen. Bei der anderen habe ich den qualvollen ersten Teil hinter mich gebracht: ein historischer Abriss, für den ich mich mit bis zu fünf, mindestens aber zwei Büchern umgeben habe, in denen nie etwas Brauchbares stand. Z.B. genaue Jahreszahlen. Vielleicht geht es aber jetzt etwas schneller. Zumal mir eingefallen ist, dass ich bei der Übersetzung, die ja an sich soweit fertig ist, noch Fußnoten einfügen muss. Es wird ziemliche Millimeterarbeit mit dem Abgabetermin, ich sehe es kommen. Vier Wochen waren knapp geplant. Deswegen wird es eng, obwohl es gut läuft.
Seit heute bin ich im nächsthöheren Studiengang eingeschrieben. Damit habe ich den bürokratischen Aufwand endlich hinter mir.
Gleich will ich dem Mädchen in der Ferne eine Email schreiben. Und dabei versuchen, mich kurz zu fassen, weil ich immer so viel schreibe. Und dann kann ich mich vielleicht sogar auf die Antwort freuen. Das wäre doch was.
17.9.12 23:03


 [eine Seite weiter]



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung