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Haidompteur

Langsam hört es auf, lustig zu sein. Ich entdecke eine neue Band, fange an sie zu hören, erkläre sie zu meiner Lieblingsband und sofort springt diese Band über den Hai. Ash, Lagwagon, Millencolin, Deftones. Weite Teile meines Musikkonsums in den letzten Jahren. Wobei die beiden letzteren erst noch ein Album lang gute Miene zum bösen Spiel gemacht und sich erst danach abgeschossen haben. Und Mono sind ja Japaner, die bekanntermaßen gut im Nachmachen sind. Ebenfalls stereotyp ist, dass sie es besser nachmachen als der Erfinder es gemacht hat. Bis heute war ich ja in meinen Erwartungen schwankend: Der Albumtitel ("For my parents") kam als ganz dicker Minuspunkt, das erste Appetithäppchen hatte keinen sonderlich die Vorfreude steigernden Effekt, ohne aber komplett für die Katz zu sein, und die Tracklist mit fünf Titeln ließ immerhin die Radikalität langer Kompositionen erwarten. Aber dann kam das Video mit dem nächsten neuen Track. Musik, die Emotionen auslöst, ist ja fast immer gut. Nur dann nicht, wenn man die Emotion als "Angst, dass gleich Rednex anfangen von Vögeln zu singen" bezeichnen kann. Meine Erwartungen wurden ja schon mit uninspirierten Alben niedergeprügelt, und die Deftones haben auch den Trick mit dem watteweichen Weichzeichner schon mit Erfolg an mir getestet. Aber das, das schießt den Vogel (hihi) ab.
Wo ich schon beim Thema bin: Die beiden neuen Lieder, die die Deftones live haben durchblicken lassen, könnten zumindest dieser Geschichte noch eine positive Wendung geben, sofern sie denn halbwegs repräsentativ für das kommende Album sind. Irgendwie scheinen sie mir nämlich den Weg weiterzugehen, den sie begonnen haben, bevor sie sich so verlaufen haben und dabei die vorhanden guten Ansätze vom letzten Album mitnehmen. Abwarten.
Man sieht: Niemandem vertrauen.
Ansonsten ist zwischen der Ernte-Arbeit ab und zu mal eine Stunde Pause am Nachmittag, die ich dazu nutze, Gitarre zu spielen. Habe ich tatsächlich viel zu lange nicht mehr gemacht.
2.8.12 22:15


Die Ferienstimmung ist dieses Jahr früh dran. Gestern Abend war es schon sehr nah an unerträglich, aber noch auf dem Niveau, dass zehn Stunden Schlaf helfen konnten. Mir steht noch einiges bevor.
Irgendwo las ich etwas vom Chandos-Brief, erinnerte mich daran, dass es mal Thema in Deutsch in der Oberstufe war und ich nichts mit dieser Art Sprachskepsis anfangen konnte und wollte schauen, wie sich das verhielt, damals. Also habe ich meine alten Klausuren geholt (die liegen fast griffbereit da, wo sie liegen...) und nachgeschaut. Wie sich das für einen guten Schüler gehört, hatte ich die Unwissenheit so kaschiert, dass sie mir selbst nicht mehr aufgefallen ist. Das ist aber nicht mal der Punkt. Viel mehr hatte ich nach dem Überfliegen von zwei, drei Arbeiten und den Lehrerkommentaren das Bedürfnis, meinem 17 Jahre alten Selbst auf die Schulter zu klopfen: Gedanken immer nur anreißen, nie ausführen und erwarten, dass die dann schon erkennen, dass ich das weiß und verstanden habe, hat Stil und spart Zeit. Es von den Lehrern vorgehalten bekommen und es trotzdem nicht anders machen erst recht.
Ich stelle viel oft vor, wie es gewesen wäre, wären das Mädchen, das zwar noch nicht sehr weit weg aber trotzdem schon außer Reichweite ist, und ich zusammengekommen. Daran schließt sich die dringende Frage an, wieso es mir dann hätte besser gehen sollen. Und direkt daran die Frage, was genau das Problem ist. Ratlosigkeit.
Und fast genau so oft denke ich an die Banshee. Ich hatte bei ihr irgendwie das Gefühl, dass sie mich emotional verstehen würde, wenn. Im Gegensatz zu dem Mädchen, das entweder gut zu mir oder weg war, bei der die Sache tendentiell eher auf einer intellektuellen Ebene zusammenpasst.
Die Lösung ist klar: Kreuzung. Meine besten Noten in der Mittelstufe hatte ich wahrscheinlich in Vererbungslehre, weil man dafür nichts lernen musste, das trifft sich doch.
4.8.12 21:36


Das, was mich von Anderen trennt ist gleichzeitig das, was mich von mir selbst trennt. Schaffe ich es, die Einsamkeit und das Alleinsein zu durchbrechen, fällt die andere Hürde gleich mit. Zumindest ist das meine Hoffnung. Aus dieser Perspektive sollte man also meinen Wunsch nach Nähe primär betrachten. Warum ich nicht andersherum denke ist offensichtlich: Es existiert keinerlei intrinsische Motivation, meinen Zustand mehr als passiv hinzunehmen. Es gibt keine Basis, auf der sich Widerstand aufbauen könnte. Das müsste von Außen kommen.

Man denkt ja in der Regel, in der Stadt enden Leben, enden die gescheiterten Existenzen, und auf dem Dorf herrscht Idylle und enge zwischenmenschliche Strukturen. So betrachtet übersieht man sehr sehr viel. Das Innenleben, die Vergangenheit dieser (zumeist wahrscheinlich) lebenslang alleinstehenden Männer, die in großen Häusern wohnen, kennenzulernen ist eine utopische fixe Idee. Ich kenne sie nur als mehr oder weniger alte Männer ohne Vergangenheit. Ihre Lebensumgebung erforschen zu können, diese beinahe leer stehenden Häuser und Zimmer, ist fast genau so unwahrscheinlich, aber immerhin noch denkbar. Das korrespondiert mit der einzig brauchbaren Idee für eine Geschichte, die ich je hatte: Das opferlose Eindringen in die Häuser alter Menschen, während sie zum Beispiel Urlaub machen, als ein Einfühlen in eine fremde Lebenswelt. Als eine Suche nach Geborgenheit. Natürlich mit einer weiblichen und einer männlichen Hauptperson. Die weibliche geformt nach dem Vorbild einer Blog-Bekanntschaft, die schon vor mehr als 3 Jahren untergetaucht ist. Das alles unter dem Motto: Wohin gehen wir? Immer nach Hause. Wenn das jetzt jemand klaut und ein Buch daraus macht, dann kaufe ich mir das sicher.

Als mein Kumpelcousin gestern von drei Tagen auf dem lokalen Festival heimkam, waren seine ersten Worte: "Heute LAN?" Das ist die Hingabe an die Sache, die ich mir wünsche. In diesem seltsamen Zwischenraum, zwischen dem Alleinsein und einer Art Gemeinschaft, hinter dem Monitor versteckt und von der Pflicht entbunden, irgendjemandem in die Augen zu schauen oder mit irgendjemanden zu reden, finde ich noch die letzten Reste von so etwas wie Freude außerhalb meiner Vorstellungswelten.
Heute den ganzen Tag auf dem Traktor, morgen Eier verkaufen, übermorgen wieder Traktor, und so weiter. Endlosschleife. Ich habe neulich versucht, den leichtesten Teil für eine der beiden Hausarbeiten anzufangen, eine stupide Übersetzung, aber jede einzelne Zeile zu lesen (!) erforderte mehr Selbstdisziplin und Zwang, als ich aufbringen konnte, weil es beinahe körperlich schmerzte.
6.8.12 22:21


Irgendeinem Impuls nachgebend bin ich heute Nachmittag, da ich mal Zeit hatte, auf die Baustelle gegangen, auf der mein Kumpelcousin schuftet, um das Haus, in dem seine Schwester wohnen wird, von Grund auf zu renovieren. Somit ist das ja auch für mich eine Art Familienangelegenheit. Produktive Arbeit, bei der man hinterher Ergebnisse sieht, und sei es nur das Fehlen von Fenstern, ist eigentlich immer gut. Ohne Fenster wäre das Leben sowieso lebenswerter, konnte ich feststellen.
In dieser produktiven Stimmung habe ich mich heute Abend mal an die C&C-Map gesetzt, die ich schon so lange machen wollte. Anstatt einfach nur sinnlos den Bildschirm anzustarren und Freecell zu spielen.
Es ist ziemlich bedrückend.
8.8.12 23:07


Unverhohlen

Vermutlich war der vorerst finale Knackpunkt ihr Geburtstag . Der Tag, und das ist das Problem, an dem sie "mein wahres Gesicht" sah. Es war kein zufälliges Scheitern, es war keine Folge einer Laune (Obwohl ich bereit bin, zuzugestehen, dass es in einer weniger unerträglichen Phase möglicherweise etwas besser gelaufen wäre.), sondern der vollständige Ausdruck meiner Art zu sein.
An ihrem Geburstag und keine zwei Wochen nach dem Ende ihrer Beziehung hätte man von Leuten, die gerne als "Freund" betrachtet werden würden, erwarten können, dass sie ihr Verhalten an dem Ziel ausrichten, ihr einen gelungen Abend zu machen. Dazu hätte gehört, bei der Gruppe zu bleiben. Das scheiterte daran, dass ich mich auf der Tanzfläche fühle wie ein Wanderer im Nebel: Keine Ahnung, wo vorne und hinten ist, wenn ich irgendetwas richtig mache, ist es Glückssache. Ich kann, bei ausreichendem Alkoholpegel, so tun als würde ich versuchen zu tanzen, aber jedwede Art von Kommunikation mit mir ist abgebrochen. Verbal wegen der Lautstärke, nonverbal wegen des erwähnten Nebels. Einer Gruppe zugehörig bin ich dann kaum noch. Ich hätte mich weiter statt auf irgendwelche unbekannten Mädchen, die ich am Ende sowieso nicht anspreche (und das ist ja das Bittere), auf die Hauptperson des Abends konzentrieren sollen. Das scheiterte an meiner Unfähigkeit, langfristig zu denken: Ich wollte mich hier und jetzt gut fühlen, wo ich die seltene Gelegenheit ungenutzt liegen lassen konnte, anstatt zu verzichten und später vielleicht etwas davon zu haben. Ich kann mich selbst noch damit entschuldigen, dass ich schon auf den Felgen gefahren bin und kaum noch warten konnte. Aber das ist dann letzten Endes eben genau das Problem. Die mangelnde Kraft, Zwischenmenschliches anständig zu bewältigen und das Misstrauen, das mir jedwede Art von positivem Effekt, der aus meinem "Opfer" enstehen könnte, hochgradig unwahrscheinlich erscheinen lässt. Wäre ich gut gewesen, hätte ich auch irgendeine Möglichkeit gefunden, ihr diese aufdringlichen Typen vom Hals zu schaffen, ohne eine Szene daraus zu machen oder es so wirken zu lassen, als würde mit verfrühter Eifersucht anfangen. Aber das ist schlicht utopisch. Und dann hätte ich sie nicht alleine nach Hause radeln lassen sollen. Mit mehreren Wochen Abstand betrachtet und so dargestellt wirkt es immer sinnloser, was ich stattdessen getan habe. Und so dargestellt muss es fast wie ein Wunder erscheinen, dass wir uns danach überhaupt noch getroffen haben, und war es nur ein einziges Mal.
9.8.12 23:49


Vorstöße

Eigentlich wollte ich, in meiner Verzweiflung, Kontakt mit der Banshee erzwingen, aber dann hatte sie unerwartet Geburtstag und dieser Flut von Nachrichten noch meine hinzuzufügen würde bedeuten, mein Glück zu strapazieren. Also habe ich nur einen kurzen aber elaborierten Geburtstagsgruß hinterlassen. Und in die bisher gewechselten Nachrichten reingeschaut. Weniger inhaltlich, es fiel mir schwer, das noch mal zu lesen: Ich rede sehr affektiert und mache erst kurz vor dem Süßholzraspeln Halt. Sehr kurz. Mehr zeitlich, wann ich ihr geschrieben habe. Und zwar genau dann, wenn das Mädchen, das solche ausgeklügelten Ablenkungssysteme unnötig gemacht hat, nicht da war. Und jetzt schäme ich mich für mein Verhalten. So sehr, dass der Plan erst mal auf Eis liegt. Aber das ist kein Problem, wollte ich doch sowieso warten, bis der Geburtstagsrummel endgültig abgeflaut ist und wieder Stille aufgebrochen werden kann. Aber auch etwas anderes wurde deutlich, nämlich dass die Internetkommunikation mit ihr schwierig ist. Zumindest für mich. Ich habe nichts und jedes Wort von ihr bedeutet mir alles. Und wenn sie dieses Lied da im Radio hört, kann sie bei "at least I got my friends" mitsingen und es so meinen. So stelle ich sie mir zumindest vor. Und wenn ich es da übertreibe mit dem aufdringlich sein, könnte das unbeabsichtigte Effekte haben.
Seltsam auch die eine Nachricht, die sie mir von sich aus geschrieben hat. Sowohl vom Zeitpunkt als auch inhaltlich. In dem vorherigen kurzen Austausch hatte ich ihr unter die Nase gerieben, dass ich mich für etwas Hongkong beworben hatte (die Packenbewerbung, zwei Dutzend Firmen, bei denen ich eine klassische Ausbildung hätte machen können). Vier Monate später taucht sie dann aus dem Nichts auf und fragt mich explizit nach dem Stand bei Arbeit bzw. Arbeitssuche.
An der Masse an Wörtern, die ich dazu in die Welt setzen kann, kann man den Umfang dieser Traumwelt ermessen.

Auch sonst habe ich große Pläne. Vielleicht parallel zu dem Versuch von vor zwei Jahren, das Fehlen des Mädchens, das eindeutig zu viel in der Welt herumjettet, zu kompensieren, indem ich mir Unmengen Arbeit aufbürde. Solange es währt, erdrückt das die Schwere unter sich, aber sobald es aufhört, ist es drei Mal so unerträglich. Neben dem Versuch, ein Stipendium für einige Zeit im Ausland zu bekommen, würde ich gerne in der Institutsbibliothek arbeiten. Nur mich zu überwinden und den Schritt zu tun ist gar nicht so einfach. Ich wollte schon Ende des letzten Semesters mal einfach so nachfragen, habe mich aber nicht getraut. Da muss ich dann später noch über meinen Schatten springen.
Eine Stufe utopischer würde ich gerne den schon länger gehegten Plan in die Tat umsetzen, jemanden zu suchen, der mit mir Mono-Songs (und vielleicht noch anderen Krempel) nachspielt. Ich denke da gar nicht an etwas Band-ähnliches, sondern begehe meinen alten Fehler, gehe von mir selbst aus und denke mir, dass es irgendwo doch jemanden geben muss, der zu Hause sitzt, das alleine nachspielt und sich ständig denkt "Hier die zweite Gitarre und das würde sich so gut anhören.". Das würde praktisch Aushänge an den unmöglichsten Stellen bedeuten, weil ich keine Ahnung habe, wo ich suchen sollte. Nachdem das Musizieren mit dem Typ mangels Kompatibilität eingeschlafen ist, müssen offenbar radikalere Methoden her. Er wollte jammen, ich bin zu unfähig dafür. Und stupides Nachspielen ist ihm zu eintönig. Von unseren ziemlich verschiedenen Musikgeschmäckern mal ganz zu schweigen. Dass es auf die Art zu etwas führt, bezweifele ich ja, aber das wäre nicht der Grund, weswegen ich es nicht tue. Es wäre vielmehr meine öffentliche Bloßstellung, sei sie auch noch so anonym.
Zum Glück hat mein Vater heute Abend so lange gemäht, denn so habe ich, glaube ich zumindest, eine Sternschnuppe gesehen. Ein Flugzeug war es sicher nicht, blieben noch UFO und streng geheimes Flugobjekt. Außerdem war der Abendhimmel wunderschön.
Meine Haare sehen schon wieder so aus, als wollten sie lang werden. Brav.
11.8.12 23:59


Vernichtungsschlag

Ich mag es nicht, wenn ich mich irre. Und in letzter Zeit irre ich mich viel zu oft. Und dann auch noch so richtig. Statt "At least I got my friends" singt sie wohl eher "So happy together". Mit den vielen bababas, die sie dann womöglich auch so meint. Es war die dezentest-mögliche Art, es der Welt unter die Nase zu reiben, aber ein Foto von einer weiblichen Hand in einer männlichen in einer Collage von Fotos eines Abendessens ist wenig missverständlich.
Das sollte mir nicht egal sein. Das sollte mich viel mehr für sie freuen. Stattdessen habe ich mich aber im ersten Moment auf die immer noch vorhandene Möglichkeit einer Missverständlichkeit gestürzt, nur um danach Stück für Stück von der Desillusionierung (im wahrsten Wortsinne) erdrückt zu werden.
Und man sollte hier nicht denken: "Irgendein Mädchen, dass er kaum kannte, hat einen Freund, wo ist das Problem?" Es sei denn, natürlich, man meint die Frage ernst und nicht rhetorisch. Man stellt sich diesen Schlag schnell als zu leicht vor. Das Problem ist, dass ich, im Gegensatz zur spärlichen Kommunikation, in Gedanken eigentlich durchgehend bei ihr war. Die letzten zweieinhalb Jahre. Auf, und das muss hier betont werden, zwei Treffen aufbauend, eins zufällig, eins nicht. Was das "nicht zufällig" genau bedeutet, darüber bin ich mir auch nicht so sicher. Und das sagt schon sehr sehr viel über diese Zeitspanne aus, schließlich habe ich mich nicht zu meinem dekadenten Vergnügen in diesen Tagträumen ergangen, sondern zu einem bitter notwendigen Vergnügen.
Ich kann nicht genau sagen, was das jetzt für einen Unterschied machen soll, hat es doch alles mit der Realität ziemlich wenig zu tun. Ich bin mir nur gerade sehr sicher, dass es einen Unterschied macht.
Vielleicht schaffe ich es ja mit der Zeit, die Traumwelt um diese Information herum aufzubauen. Bis man sie am Ende gar nicht mehr sieht.
Aber was soll das für ein Zustand sein...?
12.8.12 23:33


Es wird immer ermüdender, einfach nur die Tage durchzustehen. Durch das Eierverkaufen komme ich zwangsläufig in die Welt, wo Mädchen herumlaufen und mich mit ihrer schieren Präsenz erdrücken. Einfach weil sie das immer tun. Durch die Ernte muss ich ständig vor 11 Uhr aufstehen und laufe den ganzen Tag durch die Gegend. Wegen der Organisation der Saufparty am Wochenende ist der Kumpelcousin im Stress und hat keine Zeit fürs Zocken. Davon, dass ich mir nicht zum Spaß den September freihalte, sondern um Hausarbeiten zu schreiben, kann man offenbar auch nicht ausgehen, sondern muss nachfragen, ob ich nicht vielleicht doch ein paar Tage abzweigen kann.
Und dann noch diese allgemein um sich greifende Hoffnungs- und Ausweglosigkeit.
14.8.12 22:35


Sein

Ich bin nicht - ich werde geseint.
Und genau deshalb ist es so wichtig, die Anerkennung als vollwertiges Individuum zu finden. Kafka wusste schon, warum er Heiraten als das Höchste empfand, das ein Mensch erreichen kann.
Das also suche ich. Das und Schmerzfreiheit durch Wärme und Zärtlichkeit. Hat mir die Zahnarzthelferin heute Morgen nonverbal erklärt. Sie war in einer wunderbaren Position, das auch zu demonstrieren, stand aber tatenlos dabei, während ich zum Blut spucken gebracht wurde.
Ich glaube, dass Jean-Paul "après-ski" Sartre (das versteht natürlich niemand, ist aber so) das Geseint-werden gemeint hat, als er den Blick untersucht hat, mit dem Andere uns betrachten.
15.8.12 22:29


Die Ernte ist vorbei. Vielleicht endet damit der schlimmste Stress. Morgen Abend ist zwar noch die Saufparty im Dorf, für die ich mich bereit erklärt habe, zu helfen, aber es ist ja nur eine Schicht. Das hat sogar den Vorteil, mich von der Pflicht zu befreien, wirklich da zu sein. Ich verstecke mich hinter der Theke, schleppe Kisten und spüle Gläser. Und wenn ich fertig bin, lasse ich den Abend ausklingen und bin weg. Nicht zuletzt weil alle, die ich kenne, mehr hinter als vor der Theke sein werden. Wenn ich dann noch etwas ausgegeben bekomme, weil ich heute einen Kühlwagen mit dem Traktor holen fuhr, komme ich sogar sehr billig davon.
Die Vorfreude des Herrn k. auf das Wochenende.
Ich bin wahrscheinlich kein schlechterer Mensch als die meisten. Gleich ihnen habe ich mich mit dem Vorgefunden arrangiert und bin den Weg des geringsten Widerstandes gegangen.
Nur ist es unschön zu beobachten, wie das Vorgefundene auch seine Wirkung auf meine Schwester nicht verfehlt und sie zum unvermeidlichen Ziel führt: Verbitterung. Im Gegensatz zu mir hat sie zwar noch Leute, mit denen sie in Urlaub fährt und einen Arbeitsplatz, aber es ist dennnoch nicht zu übersehen.

Man kann wahrscheinlich fast alles schaffen, was man will. Ich will nicht mehr.
17.8.12 21:48


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