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Echo my silence

Das Netz zieht sich enger. Das kann man am gestrigen Eintrag wahrscheinlich auch ziemlich gut ablesen: Ich habe nurmehr die Wahl der Qual. Verstecke ich mich vor allen anderen, verstecke ich mich gleichzeitig auch vor mir selbst, und wo das hinführt, haben die letzten drei Monate deutlich gezeigt. Andernfalls konfrontiere ich mich mit meiner Bedürftigkeit und Isolation, und beide sind kaum noch zu ertragen. Ich brauche all diese Figuren, die ich um mich herum aufstelle, aber damit zerreisse ich mich gleichzeitig selbst mit Hilfe der Vorstellung einer Möglichkeit, die ich nie erreichen werde, und dem Versuch, das Verlangen zu verstecken.
Das letzte Wochenende liegt Jahre zurück.

Wahrscheinlich einem masochistischen Instinkt nachgebend habe ich heute gelesen, was einen erwartet, wenn man einmal durchs Raster gefallen ist. Gegen die Evolution kommt man nicht an. Zumal, wenn sie in Frauenhand liegt.
1.7.12 13:33


Sie sagte, sie hätte morgen keine Zeit und würde sich melden, wenn das wieder anders wäre. Abschlussarbeit und so.
Dabei habe ich noch nicht mal nachgerechnet, wie viele Wochen jetzt noch bleiben, bis sie mal wieder für ein Jahr aus meinem Leben verschwindet.
Das Semester ist bald vorbei, nichts, aber auch gar nichts auf die Reihe bekommen.
3.7.12 21:02


Bei der guten Sorte von Berührungen fühlt es sich manchmal so an, als würde ich auf der gegenüberliegenden Seite aus meinem Körper herausgeschoben werden. Das bräuchte ich jetzt. Das würde mich von der Pflicht entbinden, mich selbst zu ertragen.
Jetzt kommt ja auch noch die Zeit, wo ich, während ich nichtstuend herumsitze, ein schlechtes Gewissen haben muss, weil die Hausarbeiten anstehen. Und ich sitze ziemlich viel nichtstuend herum.
4.7.12 21:27


Verdrehte Welt

Innerhalb der letzten fünf Wochen hat mir ein Deutscher in Belgien ein Kompliment über mein Taktloss-Shirt gemacht und ein ein Typ in einem Club meine Frisur gelobt.
Von Mädchen höre ich in schöner Regelmäßigkeit Sätze à la "Ja, für dich ist das einfach" oder "Du brauchst sowieso kein Wörterbuch.", und das nicht in einem sarkastischen Ton.
Andersherum wäre mir ehrlich gesagt lieber, aber ich scheine die falschen Signale auszusenden. Wobei "unnahbar" so ganz verkehrt auch nicht ist.
Einzig das Mädchen, mit dem ich mich in den letzten vier Wochen ganze zwei Mal getroffen habe (und das eine mal war ihr Geburtstag mit vielen anderen Leuten, das zählt nur halb), weiß manchmal Positives über mein Äußeres zu berichten. Wobei die Situation ("Du sitzt hier mit zwei schönenn Mädchen und einem hübschen jungen Mann" zu jemand anderem) nur bedingt Rückschlüsse auf den Wahrheitsgehalt zulässt, aber ich höre den Unterschied sowieso selten, bei ihr noch weniger. Und überhaupt. Und der quirlige taiwanesische Flummi mit dem 讓=浪-Problem im Donnerstagsunterricht fasst mir manchmal an den Arm. Heute auch wieder. Ich habe schon wieder vergessen, unter welchem Vorwand. Auch weiß ich nicht, warum sie sich zuerst neben mich setzte, und dann doch wieder woandershin. Wenn ich ihre Aufmerksamkeit will, muss ich es nur erheiternd finden, wie ihre Aussprache in ihrer Muttersprache korrigiert wird.
Professoren, zuletzt, sagen während des Unterrichts leise zu mir "Sie machen das gut, das habe ich bei Ihrer letzten Übersetzung schon bemerkt." oder schauen mich auffordernd an, wenn eine Übersetzungsfrage im Raum steht, um mir Gelegenheit zu geben, mich zu produzieren. Ich wüsste gerne, wie ich das mache. In jedem Fall ist jedoch die Deckungsgleichheit offensichtlich, die zwischen der Anerkennung durch Leute vom Fach und der vollständigen Ignoranz dieses Themas zu Hause besteht.
Und sowieso reden alle von meiner doch sicher vorhandenen taiwanesischen Freundin.

Falls irgendjemand schon immer mal wissen wollte, wie hier Eigen- und Fremdwahrnehmung auseinanderklaffen.
Und manchmal geht es doch nur um Ausschnitte und sommerlich-luftige Kleidung.
Als wir noch kein Wort miteinander gewechselt hatten, sah sie aus, als würde sie von innen leuchten. Jetzt, da wir uns morgen treffen werden, wenn auch nur als Tandempartner, nach meiner bisherigen Erfahrung so ziemlich die minimalst-mögliche Verbindung, hat sich das geändert: sie heute anzuschauen war erdrückend. "Hey, das wollte ich schon immer haben! Um es wegzuwerfen." Und das hat gewaltige destruktive Implikationen für das letzte bisschen morsche Konstrukt, an dem meine Hoffnung hängt.
6.7.12 01:16


Wenn ich jetzt noch irgendetwas zu gestern sagen könnte...
Ich glaube, ich habe versucht, die vor mir sitzende Person so gut es geht zu ignorieren. Nicht konkret, natürlich. Sondern indem ich die Mauern höher und die Vorhänge zu gezogen habe. Das äußerst sich vor allem darin, dass ich die meiste Zeit links und rechts und oben an ihr vorbeigeschaut habe. Schmirgelpapierpräsenz. Keine Ahnung, vor was ich mich schützen musste.

Lange Pausen scheinen vorteilhaft für meine gitarristischen Fähigkeiten zu sein. Nachdem ich im Ausland nur mit einer Akustikgitarre eingesperrt war und, wenn ich mich recht entsinne, relativ wenig gespielt habe, habe ich mit Solos angefangen. Nach den letzten, eher mauen Monaten, in denen ich so ziemlich gar nichts neues gelernt habe, habe ich heute Nachmittag, da ich in der Heimat bin und trotzdem Zeit hatte, meine alte E-Gitarre, die hier Staub fängt (oder auf Notfälle wartet), in die Hand genommen. Plötzlich hatte ich die drei Akkorde von "Mazzy Star-Fade into you" gefunden. In den letzten Tagen habe ich die Melodie am Anfang meines neuen Lieblingsliedes herausgewurschtelt. Und dann noch das bisschen Gitarrenmelodie von "The Cure-A Forest". Das finde ich gut, dass das langsam klappt. Nützlich wie Sau.
7.7.12 21:40


Absolute Zero

Die Entwicklung begann schon am Freitag, wenn auch so langsam und zaghaft, dass ich es selbst kaum mitbekommen habe. Es wurde ein kleines bisschen weniger unerträglich. Als wäre ich an dem Punkt angekommen, an dem ich nichts mehr zu verlieren habe, weil das Mädchen, das mich letztes Semester gerettet und mir dieses Semester zum Verhängnis wurde, sich offenbar so weit von mir entfernt hat, dass ich mir keine Gedanken mehr darüber machen muss, eine Freundschaft zu retten. Wie als hätten sich die Ketten gelöst, mit der ich mich selbst gefesselt habe. Die Ketten, auf die ich ihren Namen geschrieben habe. So lag ich da, gebrochen, aber frei.
Dann kam der Sonntag. In meiner grenzenlosen Freiheit kam nicht besseres in den Sinn, als den vorher schon gemachten Termin wahrzunehmen, bei dem ich sie sicher treffen würde: die Veranstaltung, bei der Chinesen und Deutsche zusammengekarrt werden, um sich auszutauschen. Wir hatten nicht viel miteinander zu tun, saßen an entgegengesetzten Enden des Tisches, ein Umstand, den ich gerne geändert hatte. Bis zu dem einen Punkt.
Nach dem drei Mal wiederholten Gesprächspartner-wechsel-dich-Spiel, das es unterschiedlich gut mit mir gemeint hatte, war kurz Zeit, Luft zu holen. Und dann geschah etwas wirklich Beeindruckendes: Ohne, dass es mich viel Überwindung gekostet hätte, fragte ich die Chinesin, die neben mir saß und mit der ich ganz zu Anfang gesprochen hatte, was für ein Buch sie da habe. Und als wären wir nie unterbrochen worden, setzte sich das Gespräch fort.
Sie spielt Klavier.
Ziemlich am Ende, kurz bevor mein Gefühl mir wortlos sagte, dass der Bus kurz nach mir an der Haltestelle ankommen würde, würde ich jetzt gehen, fragte sie, was ich heute sonst noch vorhätte. Das könnte Höflichkeit gewesen sein, oder aber ein Wink mit dem Telefonmast. Später, am Abend, bekam ich beim sozialen Netzwerk eine tatsächlich nicht ganz unerwartete Freundschaftsanfrage. Ich fragte, ob sie etwa auch das Gefühl habe, dass noch nicht alles gesagt worden sei. Was natürlich dreist sondergleichen war. Ihre Antwort könnte alles bedeuten.
Ich frage mich ernsthaft, sehr sehr ernsthaft, ob das nicht eine gute Gelegenheit wäre, sich öffentlich über die Vorteile eines Treffens gegenüber dem Internetchat zu äußern.

Das hielt, ganz folgerichtig, meine Stimmung nicht davon ab, heute direkt wieder zu kollabieren.
9.7.12 23:58


Kartographie (Berge & Täler)

Mein ernsthaftes Nachdenken fing an zu stagnieren, als plötzlich die Nachrichten von der neuen Bekanntschaft ausblieben. So schnell kann das gehen. Zwischen Mut und Dummheit besteht immer noch ein feststellbarer Unterschied, also liegt das Vorhaben erst mal auf Eis.
An der anderen Front rede ich noch mit dem Mädchen, das sich von mir abgesetzt hat, und spiele den Nicht-Nachtragenden. Ich erwähne nicht mal mehr die Bedingung, an die sie eine Wiederaufnahme der Gespräche geknüpft hat. Das heißt, ich frage natürlich, ob sie Fortschritte bei der Schreibarbeit macht, aber ich nehme die dann zur Kenntnis, ohne auf irgendetwas zu drängen. Mit mir bricht man gerne den Kontakt ab.
Ich weigere mich einzusehen, dass es vorher wunderbar klappt und dann einfach so fast bruchlos gar nicht mehr. Dann denke ich meistens an diesen Tag im späten Oktober zurück, als sie mir nach zwei Wochen Getrenntsein beinahe wortwörtlich um den Hals fiel. Nicht, dass ich das sonst nicht tun würde. Und dann frage ich mich, ob wir uns beide nicht einfach etwas mehr am Riemen hätten reißen müssen. Aber die Frage führt zu nichts. Ich hätte schlecht einfach damit aufhören können, traurig zu sein. Und sie hätte kaum mal eben damit aufhören können, von einer zerbrechenden Beziehung und Abschlussstress gehetzt zu werden.
Es entbehrt alles nicht einer gewissen Tragik. Und mit der darf ich mich jetzt ein Jahr lang auseinandersetzen.

"Die Blechtrommel" war gut, aber nicht überragend. Obwohl sie gegen Ende noch eine ziemlich beeindruckende Kür aufs Parkett gelegt hat. Aus Protest gegen die intrinsische Unmöglichkeit der Verneinung des Willens durch das, was nichts als Wille ist, lese ich jetzt das Safranski-Buch über Schopenhauer und finde mich auch sofort in einer ziemlich kaputten Welt wieder.
11.7.12 23:10


Davonkommen

Es war zugegebenermaßen der schönstmögliche Grund, zu verschlafen. Nachdem sie, ihre Freundin und ich abgeklärt hatten, dass ich nicht auf ihre Freundin stehe (ich rückte als letzter damit heraus, sicher wollte mein Traum-Ich sich alle Türen offen halten), küssten wir uns. Ich erinnere mich an das Gefühl, als sich meine Finger in ihren Haaren verfingen.
Ich finde es wirklich schade, dass mein Gehirn sowas nicht öfter aufführt. Ich würde sogar Eintritt bezahlen.
Ob es allerdings ausgerechnet heute das Verschlafen wert war, ist die große Frage. Schließlich ist Donnerstag, und an diesem Tag fährt die Gymnasiastin Bus, und das scheint eines der wenigen Vergnügen zu sein, die mir noch geblieben sind. Die Hölle, die hinter diesem dünnen Wortschleier liegt, lässt sich kaum ermessen. Diesen Bus habe ich nicht mehr bekommen, dafür den direkt danach, weswegen ich gerade so pünktlich zum Unterricht kam. Dabei hatte ich mir extra vorgenommen, dreist zu sein. Damit diese Woche wenigstens eine Sache passiert, über die ich mich hätte freuen können. Natürlich hätte ich am Ende sowieso wieder weiche Knie und Muffensausen bekommen und sie in Ruhe gelassen und mich irgendwo anders hin gesetzt. Wie positiv das Verschlafen plötzlich erscheint.

Hier ist noch einer, der vielleicht das Verständnis erleichtert. Eine neue Erkenntnis ist es allerdings nicht: Meine primäre Erfahrung ist offenbar, dass meine Existenz weibliche Personen belastet. Nicht nur, dass ich das nie wieder zulassen darf, ich muss es auch noch wiedergutmachen. Meine hier in manchen Phasen stärker durchscheinende Faszination für alles, was ein bisschen schön und viel traurig aus der Wäsche guckt muss hier ihren Ursprung haben. Nach dem Bewusstsein oder viel mehr der Angst, nicht zum Wiederholungstäter werden zu dürfen, muss man nicht lange Spuren, das hinterlässt seine Spuren überall.
13.7.12 01:01


Das war mal eine äußerst freudige Überraschung: Das Mädchen auf den Bildern schrieb mich an und fragte, wie es mir ergeht. Man lernt das wertzuschätzen, wenn man weiß, dass wir im Juni letzten Jahres Kontakt hatten, dann wieder im März, und beides ging von mir aus. Und es hielt nie lange.
Es gewinnt zusätzliches Gewicht, wenn man z.B. in Betracht zieht, wie ich gestern, an einem Wochentag, knallhart bis ein Uhr im Bett liegen geblieben bin. Ich war schon lange vorher wach, aber es gab einfach keinen Grund, aufzustehen. Dabei hätte es einen gegeben, und der hieß Univorbereitung.
Wie durch Zufall habe ich gestern auch ein Bild von ihr gesehen, und seitdem erscheint mir die Bezeichnung "Banshee" ungemein zutreffend. Zuerst lag es wohl an den wehende schwarzen Haaren, aber die Verbindung zu Tod und Trauer fügt sich aus irgendeinem Grund auch nahtlos ins Bild.
14.7.12 23:59


Abtreten

In meinen Träumen nehmen Mädchen, die nicht spezifisch irgendwie aussehen, meine Hand in ihre Hand (und die ist warm, so warm...) oder tanzen mit mir. Es sind in aller Regel nur die einzelnen Szenen, beinahe Momentaufnahmen.
Die Häufung am Ende der letzten Woche bis ins Wochenende hinein ist bemerkenswert, für die gleiche Menge brauche ich sonst Wochen.
Zu hohe Ansprüche stelle ich ja offensichtlich nicht. Und "Zum leben zu wenig, zum sterben zu viel" ist eine sehr sehr dehnbare Zone.
Ich darf gar nicht daran denken, wie oft ich noch vor einem halben Jahr umarmt wurde.

Auf die eine oder andere Art sind bald Ferien. Bedenkt man, wie selten ich mich dieses Semester mit dem Mädchen getroffen habe, auf deren Nähe ich in den vorherigen Ferien all meine Hoffnung gesetzt hatte, wird offensichtlich, wie wenig das ändern sollte. Ich weiß jetzt, welches Buch ich ihr zum Abschied schenke. Da ich soetwas zum ersten Mal tue, bin ich der festen Überzeugung, dass es in jeder Hinsicht grandios scheitern wird. Als Lektüreempfehlung und noch viel mehr als Geste. Hoffentlich nimmt sie mir das nicht übel.
Ich wünschte, sie würde auf mich zukommen, anstatt dass ich sie zu meinem Glück zwingen muss. Das letzte Treffen war Mitte Juni.
Ebenfalls mit den Ferien zusammenhängend bemühe ich mich um die Einschreibung in den nächsthöheren Studiengang. Dass ich mich mit dem Motivationsschreiben so gequält habe war vollkommen unnötig, da die betreffende Person mir die Bescheinigung gab, ohne mehr als einen Blick auf das Vorhandensein geworfen zu haben.
Überhaupt, das Staunen: Das war das Semester? Wenn man sich so gut es geht davon emotional distanziert, zieht die Uni vorbei, ohne dass irgendjemand bemerken würde, dass sie angefangen hat.

Und natürlich bisher keine Reaktion auf meine Antwort. Wobei zugegebenermaßen nicht alle Leute die gleiche Tendenz haben, sich hinter dem Computerbildschirm zu verstecken. Da gibt es auch andere lauschige Plätze.
16.7.12 23:49


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