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Vergiftet

Ein recht eindeutiges Zeichen für Quartale, in denen ich einfach mit dem falschen Fuß aufgestanden bin ist, wenn ich überhaupt keine Zeit habe, ohne sagen zu können, wo sie hin ist. Nach inzwischen schon sieben Wochen, die das Semester alt ist, bin ich auf dem Klavier nicht eine einzige Note weitergekommen. Mein Delay steht auf dem Gitarren-Verstärker. Da stelle ich es hin, wenn ich putze. Es war in dieser Zeit noch nicht so häufig auf dem Boden, wo es hingehört. Mein Stundenplan besteht im Grunde nur aus Löchern, aber die Aufgaben mache ich in den allermeisten Fällen kurz vor Fristende. Wenn man sich mal dransetzt, was ich heute mal getan habe, geht es eigentlich relativ flott. Wenn man sich konzentriert dransetzt und weder Youtube noch die Süddeutsche auf dem Bildschirm hat, ginge es wohl noch schneller.
So kann ich den inneren Zustand wohl noch am ehesten darstellen, durch äußere Zustände. Es mit Worten zu versuchen überstiege mein Ausdrucksvermögen.
Obwohl dieser Tage, aus naheliegenden Gründen, ein Gefühl wie im Lager vor einer Entscheidungssschlacht in der Luft liegt. Ich hab zwar Sunzi nicht gelesen, aber dafür Mao. Und der hat immerhin China erobert. Was wahrscheinlich viel weniger Überwindung kosten würde. Heute sah ich sie in der Bibliothek sitzen. Sie redete mit Leuten, hatte Besuch bei sich sitzen und ich hatte kaum noch Zeit bis zum Unterricht, also stand ich einfach 2 Meter von ihr entfernt, grüßte und ließ es dabei bleiben. Nach dem Kurs war sie wohl noch wegen einer Veranstaltung im Institut, auf jeden Fall glaubte ich ihre Stimme zu hören. Da ich sie nicht sah und sowieso pünktlich zum Sport kommen wollte, ging ich einfach weiter. Hier gibt es nichts zu sehen. Einfach weiter. Ich wünschte, ich würde mich meiner selbst nicht so schämen. Das, nebenbei, wäre dann auch die doppelte Aufgabe für die entsprechende Person: Mich nicht wie Dreck behandeln (was machbar sein sollte) und dafür sorgen, dass ich mich nicht selbst wie Dreck behandele (was äußerst anspruchsvoll ist).
Und nun zu meinem Lieblingsteil jedes Eintrages: Der Liste der Leute, die heute mein Leben verändert haben. In der Meute, die in den Bus wollte, stellte sich ein Mädchen ganz nah neben mich. Wäre es eine männliche Person gewesen, würde hier wohl das Wort "anrempeln" stehen, oder eigentlich würde dann gar nichts hier stehen. Im Anschlussbus streifte mein Arm ab und zu einen anderen. Das steht hier bewusst im Aktiv.
Das rennt allerdings auch nur wie ein Himmelfahrtskommando gegen die Verzweiflung an, die am Ende auch noch gestärkt daraus hervorgeht.
1.6.12 01:03


Flasche leer

Am Sonntag ist eine Ess-Veranstaltung des Instituts, für die ich mich in der Hoffnung angemeldet habe, das Mädchen, dem ich mich mal so nahe gefühlt habe, dort zu treffen. Ich sehe es jetzt schon vor mir, wie ich mich ihr aufdränge, während sie sich auch mal gerne mit anderen Leuten unterhalten würde. So sie denn Präsenz zeigt.
Das kann nur schiefgehen.
Morgen Abend wollen ein paar Leute weggehen. Ich gehe einfach mal ohne jede Erwartung mit.
Ich fühle mich so unglaublich abgestumpft. Und ständig stürzt der Tastaturtreiber ab, und dann kann ich die praktischen Funktionstasten nicht mehr benutzen. Warum stehe ich morgens überhaupt noch auf?
2.6.12 00:39


Keine Erwartungen zu haben scheint wirklich der falsche Weg zu sein, weil es trotzdem noch unterboten werden wird. Die Details sind unwichtig bis nicht mehr ganz legal, aber so viel sei gesagt: Erst kilometerweit zu einer Kneipe laufen, weil Gruppenzwang angewandt wurde und ich nicht standhaft genug war, nur um direkt wieder umzukehren und dann nach Hause zu fahren ist einsame Klasse. Im Bus nach Hause Bekannte zu treffen, unter ihnen der Typ, die dann mit Jugendlichen aneinandergeraten, wenn auch nur verbal, erinnert mich an die schönen Zeiten, in denen ich einfach am Wochenende das Haus nicht verlassen habe.
Heute war das chinesische Mittagessen. Ich war viel zu früh da, weil die Busse Sonntags schwer einzuschätzen sind (und ich den Fahrplan nicht im Kopf habe...). Als erstes kam das Mädchen, das bei so Sachen immer ganz vorne beim Organisieren mit dabei ist. Nun war ich ja nach dem vorherigen Abend und langer Abstinenz von ihr guter Hoffnung, dass ich mich über ihre Nähe freuen würde. Ich habe sogar ein wenig Vorfreude auf die Umarmung empfunden. Sie schien so weit weg und daher begehrenswert und ich war so am Boden und im Glauben, so leicht zu erfreuen zu sein.
Aber wäre es so einfach, würde es wahrscheinlich nicht in einer Tour bergab gehen. Gefühlt hat die Umarmung zum Beispiel gar nicht stattgefunden. Nicht als Geste, nicht als Ausdruck körperlicher Nähe. Dann saß ich zwar am Tisch neben ihr, aber es fiel mir so unendlich schwer, ein Gespräch anzufangen. Dazu kam eben noch, dass wieder neben ihr eine andere Organisatorin saß, daher also Absprachen gemacht werden mussten, wenn auch nur kleine, und auf der anderen Seite neben mir eine fast schon geschlossene Gesellschaft saß. Der beste Platz ist immer neben dem schönsten Mädchen. Im Grunde habe ich dann die meiste Zeit geschwiegen.
Im Laufe der Zeit erfuhr ich, dass sie fast die ganze nächste Woche nicht da sein wird. Vielleicht freue ich mich ja danach genug, sie zu sehen, um auch mit ihr reden zu können.
Ich habe ein neues Lieblingslied. Der Titel bedeutet tatsächlich das, was ich zuerst dachte: Regen zur richtigen Zeit. Man könnte fast meinen, ich verstünde langsam irgendwas von dieser Sprache.
3.6.12 23:10


Was ich wirklich sehr gerne wüsste ist, wie sich das für sie darstellt. Sie kennt mich inzwischen schon einige Zeit, und, Heisenbergsche Unschärferelation, wenn sie da war und nicht im Ausland, waren das auch vergleichsweise eträgliche Perioden. Ende des letzten Semester hätte ich wahrscheinlich sogar von mir behauptet, vorsichtig optimistisch in die Zukunft zu schauen, und streckenweise beinahe glücklich zu sein. In schwachen Momenten. Dann war ich auch kommunikativ, habe Freude an irgendetwas gezeigt und ihr damit auch welche gemacht. In letzter Zeit scheint meine Präsenz allerdings fast ausschließlich körperlicher Natur zu sein, weil ich mich offensichtlich nicht mehr auf Nähe einlassen kann. Nicht mal mehr auf ihre, an der mir bisher nichts Negatives aufgefallen wäre, wie Erzwungenheit oder irgendeinen Druck auf mich. Oder einfach nackte Angst meinerseits. Was sonst schnell genug vorkommt. Wobei ich mir in der letzten Zeit gar nicht mehr so sicher bin, ob ich ihren Anteil daran einfach nicht klar genug sehe, weil meiner ein so unübersehbares Hindernis ist. Dass uns, so oder so, auf einmal wieder die Mittagspause zu kurz vorkommt, erscheint schlicht undenkbar. Dass sie also merkt, dass irgendetwas nicht stimmt, kann eigentlich als sicher gelten. Zumal sie ja schon beim ersten Treffen nach den Ferien die sichtbaren Zeichen der Erschöpfung angesprochen hat und ich später einen sehr vorsichtigen Vorstoß getan habe, ihre Vermutung zu bestätigen. Die Frage, die bleibt, ist: Sieht sie, wie ich vor ihren Augen auseinanderfalle?
Und kann unsere Freundschaft auf der nächsthöheren Ebene funktionieren, auf der solche persönliche Dinge zur Sprache kommen? Oder kann sie nur noch auf dieser Ebene fortbestehen?
4.6.12 23:59


Die bisher erfolgreichste Möglichkeit, es irgendwie erträglich zu machen, ist schieres Nichtstun. Gestern Abend war das einzige, was ich halbwegs tun musste, eine einzige Übung für Koreanisch zu machen. Also 7 Sätze. Also kaum mehr als 5 Minuten. Und das deswegen halbwegs, weil der einzige Grund, es gestern zu machen der war, dass ich es dann heute meiner Tandempartnerin zur Kontrolle vorlegen konnte. Nicht mal mein Kumpelcousin hatte Zeit, mit dem ich sonst Command&Conquer spiele. Also habe ich, in irgendeiner Reihenfolge, Serien geschaut, gelesen, eine Runde gezockt und Solitär gespielt. Einfach wonach mir der Sinn stand und mit dem beruhigenden Wissen, erst für nächsten Dienstag wieder Leistung bringen zu müssen.
Als ich dem Mädchen, das sich halbwegs für sowas interessiert, vor langer Zeit mal gesagt habe, dass ich mich von Feiertag zu Feiertag hangele, ahnte sie vermutlich das Ausmaß nicht.
Heute Abend werde ich das wieder anwenden. Morgen wird aber leider wieder der Druck anfangen, wenn die Tage bis Dienstag dahinzuschmelzen beginnen und nach Dienstag kommt ja fast übergangslos der Donnerstag, der auch Vorbereitung erfordert, wenn auch nicht so viel, und dann fühle ich mich wieder unendlich gehetzt. Aber heute noch nicht!
6.6.12 21:04


Hoffnungsschimmer

Je weiter sie weg ist, umso einfacher kann ich mir vorstellen, dass ihre Nähe Linderung bringt. Parallel zu der Tatsache, dass ich immer vergesse, warum ich mich von Menschen fernhalte, wenn ich es nur lange genug durchgehalten habe.
Sie sagte, sie würde sich melden. Eine nette Geste, die die Asymmetrie verschiebt, oder verdeckt.
8.6.12 21:02


Als ich gestern etwas erledigen geschickt wurde, nahm ich meine Schwester mit, um sie vor dem Laden abzusetzen, damit sie, während ich weiterfuhr, die Einkäufe erledigen konnte. Wir fuhren, aus verschiedenen Gründen, über einen Wirtschaftsweg, wo eigentlich keine Autos langfahren dürfen und wo es unübersichtlich ist. Sie meinte, sie habe immer Angst, dass jemand hier "mit 200 Sachen angeschossen" käme. Ich glaube zu wissen, was sie damit sagen wollte, auch wenn ich mir unsicher bin, ob sie es selbst wusste. Die Wortwahl wies in jedem Fall auf eine infantile Grundlage hin. Ich lese derzeit Freud. Merkt man das?
Vor langer Zeit, sie war vermutlich noch nicht eingeschult und ich gerade so, fuhren wir mit unserer Mutter diesen Weg entlang, als ein Traktor rückwärts aus einem der Wege heraus stieß und das Auto rammte. Unpraktische Situation, wenn soetwas irgendwo passiert, wo man gar nicht sein dürfte. Mutter bekam draufhin noch im Auto eine Art Nervenzusammenbruch, fing an zu weinen und sagte den Satz, der für immer mein Verständnis von "Familie" prägte: "Die fressen mich daheim." Meine Schwester tätschelte, wenn ich mich recht erinnere, noch ihre Schulter, während ich von dem ganzen erdrückt in meinem Sitz kauerte. Es ging ja nicht um, oder meine Schwester. Sondern um etwas, das nur noch in dieser Form und nur noch diesen Personen gegenüber kommuniziert werden konnte, die das dann wortlos herunterschlucken würden.
Natürlich erwähnte ich ihr gegenüber nichts dergleichen.


Ich habe das Gefühl, einfach jeden Mist mitgenommen zu haben, den die Unibürokratie zu bieten hat. Obwohl das sicher start übertrieben ist. Auf jeden Fall muss man sich seit neuestem online für Prüfungen anmelden, ich bin aber dieses Semester in Pseudo-Fächern eingeschrieben, kann das also nicht tun. Zum Glück ist die neue (also, seit mehr als einem Jahr neue) Sekretärin nett und unkompliziert, vielleicht komme ich also noch irgendwie da raus.
10.6.12 23:03


0,2

Sie wird morgen wieder an der Ausleihe sitzen und ich werde wieder panisch in die Bibliothek laufen, um im folgenden Kurs vorbereitet auszusehen. Sie wird sagen, dass es ihr leid tut, dass sie sich noch nicht gemeldet hat, und ich werde sagen, das sei nicht schlimm. Würde ich das nicht sagen, sondern zugeben, wie schlimm es in Wirklichkeit ist, wäre es hinterher schwierig zu verheimlichen, wie besitzergreifend ich bin und dass ich sie narzisstisch besetzt habe. Das Warten findet nur dunkel, formenlos im Hintergrund statt, aber seine Effekte sind hochgradig plastisch.
Und ich kann ihr das nicht mal übelnehmen, weil ich mir einrede, dass ich ihr dankbar sein sollte, dass sie überhaupt so lange durchgehalten hat. Ich bin mal wieder der festen Überzeugung, ihr irgendetwas, möglichst viel, über meinen Zustand mitzuteilen, bin mir aber gleichzeitig sicher, dass ich das immer noch nicht schaffen werde.
Man sollte auch bemerken, dass sich die Bezeichnung an irgendeinem Punkt geändert hat. Früher hieß es lange Zeit und miestens "das Mädchen, das", jetzt ist es "sie". Neben der Tatsache, dass sich dahinter bisher fast immer eine Person verbarg, die ich aus der Ferne anhimmelte, ohne wirklich viel mit ihr zu tun zu haben, ist das außerdem eine sehr auszeichnende Bezeichnung. Sie. Das ist die Eine. Dabei war doch der springende Punkt, über den ich mich z.B. Ende des letzten Semesters freuen konnte, dass ich sie eben nicht so betrachtet habe, sondern dass sie mir die Kraft gab, ihr zu entwachsen, mich frei, selbstsicher genug zu fühlen, andere Kontakte aufzubauen. Nach aktuellem Stand ist sie nun mal immer noch in einer Beziehung. Von den ganzen anderen Hürden mal abgesehen.
12.6.12 00:25


Entgleiten

In einer Sache lag ich falsch. Sie erwähnte nicht mal, dass sie es war, die sich melden wollte, als ich vor ihr stand und einen Gesprächsversuch aus dem Hut zauberte. Dass ich annehme, dass das Taktik ist, die durch eine wachsende Frustration mit meinem Verhalten motiviert ist, brauche ich wohl fast gar nicht mehr erwähnen. Ich habe sie dann gefragt, wann und ob sie Zeit hat. Hatte sie. Aber das ist nicht mehr der Punkt. Jetzt fühle ich mich noch schlechter, weil ich das Gefühl habe, ihr hinterher zu laufen und aufdringlich zu sein.
Ich lege mir mehrmals täglich eine Antwort parat, sollte sie mich fragen, wie es mir geht. Sie fängt an mit: "Es fällt mir schwer darüber zu reden. Das dürftest du gemerkt haben." Mehr muss ich mir auch eigentlich gar nicht zurecht legen. Wenn ich mich erst Mal so weit unter Zugzwang gesetzt habe, kann ich nicht mehr zurück. Keine Ahnung, ob das irgendetwas helfen würde.
Heute war Filmabend am Institut. Ich ging hin, sie war nicht da, der Film so mäßig, verstanden habe ich mal wieder nichts (Kommen sie aus einem Fernseher, verstehe ich irgendwie die grundlegendsten Sätze nicht mehr.) und am liebsten wäre ich nach 10 Minuten weggelaufen. Aber es waren sowieso so wenig Leute da.
Für morgen hatte mich jemand gefragt, ob ich zum Fußball schauen mitkommen wolle. Mit der Person habe ich derzeit weniger zu tun, und so richtig viel haben wir sowieso noch nie zusammen gemacht, aber eigentlich verstehen wir uns. Also habe ich aus genau diesem Grund zugesagt. Außerdem hatte ich eine ähnliche Gruppe erwartet wie bei den letzten Kneipenbesuchen. Jetzt hat ein anderer etwas vorgeschlagen, wo mehrere tausend Leute sein sollen, und da macht die Bekanntschaft mit. Und wahrscheinlich noch viele andere Leute aus dem Dunstkreis des Instituts. Das wäre an sich noch nicht tragisch, ich könnte einfach zu Hause bleiben. Allerdings sträubt sich irgendetwas in mir dagegen. So als müsste ich immer noch den Schein wahren, mit einer positiven Einstellung an die Dinge heranzugehen. Selbst wenn ich vollkommen lustlos hingehe, gehe ich hin, und keiner kann mir vorwerfen, mich selbst versauern zu lassen.
Zuletzt habe ich heute mein Abschlusszeugnis in die Hand gedrückt bekommen. Als würde das noch irgendjemanden interessieren. Ist sowieso nur Bachelor. Damit bin ich für eine Fernsehsendung bei RTL qualifiziert, bei der hunderte aufgetakelter Frauen um meine Gunst ringen und am Ende alle weglaufen.
Sollte ich nicht eigentlich das Gefühl haben, etwas erreicht zu haben?
12.6.12 23:15


Fundamental Flaw

Auf manche Leute ist Verlass. Der Fußball-Kontaktmann setzte sich im Laufe des gestrigen Nachmittages mit mir in Verbindung und schlug vor, eine kleine Runde bei ihm zu Hause zu machen, statt einer großen irgendwo anders. Da war ich sofort dabei. Sie war dann wirklich sehr klein, er, seine Freundin, noch einer und ich. Das hat mir, würde ich sagen, den Abend gerettet. Nur war ich dann am Sonntag mache, wird sich zeigen müssen.
Heute traf ich mich dann mit dem Mädchen, das immer die Trümpfe in der Hand hat. Ich habe auf die Frage nach meinem Befinden mit einem Laut geantwortet, der einem "Naaah" ähnelte. Damit setzte ich nicht mich selbst unter Druck, sondern zwang sie, nachzufragen. Souveräne Handhabung, zu jedem Zeitpunkt. Und davon kommt noch mehr. Nachdem ich dann in wenigen Sätzen umrissen hatte, dass ich seit längerem grundlos niedergeschlagen bin, tippte sie auf einen Mangel an Sonnenschein. Als ich einmal vor nicht allzu langer Zeit Xuxici gegenüber (ja, der sporadische Kontakt hält sich über die Jahre und die Kontinente, wird aber auch immer sporadischer) Andeutungen gemacht hatte, die ich als Alleinsein zusammenfasste, meinte sie, dass ich einfach forcierter unter Leute gehen sollte. Beides verkennt das Problem grundsätzlich. Das sind Vorschläge die man noch lebenstüchtigen Leuten geben kann, und da sind sie unter Umständen sogar hilfreich und richtig.
Man kann hier ganz deutlich die Umrisse der nächsten Grenze erkennen. Da ich in beiden Fällen davor zurückgeschreckt bin, das ganze Ausmaß der Katastrophe darzulegen, weiß also immer noch niemand so ganz genau, wie es mir geht. Und ich befürchte, dass es sich hier um Wissen handelt, das man aufzwingen muss.
Als ich dann, um auf den heutigen Tag zurückzukommen, die Gegenfrage stellte, überlegte das Mädchen mit dem Ass im Ärmel kurz und eröffnete mir dann, dass sie ihre Beziehung beendet hat. Das ist zwar kein Wettbewerb. Aber sie hat ihn trotzdem gewonnen.
Da waren wir dann plötzlich auf der Stufe, von der ich dachte, dass auf ihr wieder ein "wir" möglich wäre. Am Anfang sah es noch gut aus. Sie erzählte ein wenig, als würde sie die nie gestellte Frage "Und wie geht es dir damit?" beantworten. Dann war ich an der Reihe, und auch da wurden die Brüche noch nicht sichtbar, denn ich stellte eine angemessene Frage. Aber je weiter es fortschritt, desto weiter kam ich vom rechten Weg ab. Als sie nicht ohne bittere Ironie sagte, dass sie ja einen Haufen Arbeit für die Uni vor sich habe, sponn ich den Gedanken weiter und kam schnell zur totalen Verdrängung. (I) Ihr vorschreiben, wie sie sich zu fühlen hat. (II) Vor den Gefühlen ausweichen und von ihnen ablenken. Ich erinnere mich, dass es noch kurz so weiter ging, aber die grundlegendsten Selbstschutzmechanismen funktionieren wider Erwarten noch, ich kann also keine Beispiele mehr geben. Ich würde fast sagen, ich kann nicht anders. Ich komme mit meinen eigenen Emotionen kaum klar, mit denen anderer bin ich dann total überfordert. Also eine weitere Sache, für die ich absolut nicht geeignet bin (lange lange Liste): emotionalen Beistand leisten.
Aktuell stellt sich die Lage also folgendermaßen dar: Durch die mehrfache Belastung an der persönlichen und gleichzeitig der universitären Front fehlen ihr sicher die Ressourcen, mich zu ertragen. Zumal meine Unfähigkeit zu mehr als oberflächlicher Kommunikation immer deutlicher wird, und gebe ich mir noch so viel Mühe. Auch von meiner Seite wachsen die Hürden, da sich mein Zustand partout nicht bessert und ich meine Teilnahmslosigkeit kaum noch übertünchen kann. Und dann dauert das Semester nur mehr sieben Wochen, nach deren Ablauf ich in die Ernteferien fahre, nach denen sie wiederum landesflüchtig wird, für ein Jahr, mal wieder.
Das Gute am Schlechten (schaut her, was für ein Optimist ich bin) ist ja, dass ich ganz offensichtlich keine Stelle finde, also noch hier bleiben und den nächsten Abschluss machen werde und warten kann, bis sie zurückkommt, wovon nach derzeitigem Stand auszugehen ist. Sie könnte ja beispielsweise auch die Uni wechseln. Es wäre also kein Abschied für immer. Natürlich würde ich trotzdem daran zerbrechen.
Abgesehen davon, dass wir beide relativ viel geschwiegen haben, ein Kleintierkadaver in der Pfütze vor der Bank, auf der wir saßen, Gestank verbreitete und dem ganzen Kram, den ich schon ausführlich beschrieben habe, verlief das Treffen eigentlich recht positiv. Ich verspürte danach so eine Art Freude. Für kurze Zeit. Es reichte bis nach Hause, wo ich mir nach langer Zeit die schon fast vergessene Mondscheinsonate zusammenreimte und ein wenig Gitarre spielte. Beides habe ich schon lange nicht mehr getan. Man beachte den Zusammenhang, dann erinnert man sich vielleicht, warum ich mal angefangen habe.
Sie hat irgendwann noch Geburtstag. Ein anderer Punkt auf der langen Liste: Geschenke kaufen.
15.6.12 00:20


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