fleurchen

thatgirlthere

dig.out.yr.soul

Play all day


(Tellerrand)




  Startseite
  Über...
  Archiv
  Groschenroman
  Retrospektive
  Disclaimer
  Packungsbeilage
  Gästebuch
  Kontakt
 




http://myblog.de/kaputo

Gratis bloggen bei
myblog.de





Wider Erwarten war ich gestern Abend weg. Eigentlich hatte ich geplant, früh ins Bett zu gehen und noch später aufzustehen, aber dann traf ich einen Bekannten in der Bibliothek, der mich für den Abend einlud.
Vorher traf ich mich noch mit meiner Japanisch-Tandempartnerin. (Wo ich gerade davon rede, meine taiwanesische Tandempartnerin ist schon länger in der Heimat.) Es pendelt sich langsam ein. Meine Versuche, frei zu reden, gehen zwar immer noch alles andere als flüssig von der Hand, aber so irgendwie schaffe ich es doch, mich verständlich zu machen. Leider denke ich mir viel zu oft "Das hab ich schon mal gelernt, hab aber keine Ahnung mehr, wie das geht."
Dann war noch ein Kurs, und dann war schon Abend. Wir waren in der gleichen Konstellation wie am vorletzten Wochenende, nur mit einem mehr, und wollten auf die in der Gegend berühmte Feier auf dem Berg gehen. Schon die Proviantbesorgung war kompliziert, weil alle Läden vollkommen überlaufen waren. Dann kraxelten wir los. Um nach kaum mehr als 100 Metern Rast zu machen. Wir setzten uns auf eine Treppe, packten Baguette und Bier aus und beobachteten den ununterbrochenen Strom von Menschen. In einer der Gruppen erkannte ich ein Gesicht. Ich kann nicht ausschließen, dass ich mich irre, eher im Gegenteil, wenn man bedenkt, wie oft ich Leute verwechsele, aber ich bin mir relativ sicher, dass es sich um das Mädchen handelte, das mir vor ziemlich genau elf Monaten auf dem Konzert über den Weg gelaufen war. Das mit dem "nie wiedersehen" hatte sich übrigens schon vorher erledigt, als sie mir ich glaube Ende der vorletzten Woche auf der Straße entgegenkam. Das mit dem "nie vergessen" hat sich zumindest bisher bewahrheitet. Und dementsprechend setzte es mir zu, warf mich noch ein Stückchen weiter in mich selbst zurück. Ich glaube nicht, dass sie mich bemerkt hat. Es ist für mich jedes Mal aufs Neue überraschend, wie wenig die meisten Leute mitzubekommen scheinen, da wird es gestern kaum anders gewesen sein. Ganz zu schweigen von dem minimalen Berührungspunkt, an den sie sich erinnern müsste. Einziges Schlupfloch: Ein paar Leute aus ihrer Gruppe prosteten uns lautstark zu.
Nach einiger Zeit gingen wir weiter, dieses Mal mehr als 100 Meter, bestiegen einen Turm und machten die nächste Rast dort, weil da ein angenehm kühlender Wind wehte. Es waren zu dem Zeitpunkt, nach 8 Uhr, sicher noch 25°. Und dann vollbeladen einen Berg hochsteigen macht Spaß und bringt Leute ins Schwitzen. Während des letzten und längsten Teils machten wir dann keine Pause mehr. Das war, wie man sieht, alles super geplant. Nur bevor wir dann die eigentliche Anlage betraten, setzten wir uns auf eine Bank, weil noch jemand nachkommen wollte. Der kam nicht, also gingen wir, wieder nach langer Zeit, rein. Jemand rief meinen Namen, einer aus der Gruppe antwortete, ich sei hier, wir kamen zum Rufer, der uns erstmal Vorhaltungen machte, warum wir uns nicht melden würden, und dann erst merkte, dass er einem Schalk zum Opfer gefallen war. Das kennzeichnet ungefähr die Atmosphäre, oder das, was wir daraus machten.
Am Ziel angekommen, bot sich schon ein beeindruckender Anblick, mit den unzählbar vielen Menschen auf den Rängen, die nur von Fackeln erleutet wurden, und dann nachher dem weit entfernten Gewitter am Himmel. Aber viel mit uns anzufangen wussten wir dort nicht. Während wir später am Feuer standen, streifte der Rücken eines Mädchens ständig meinen Arm. Als wir keine Lust mehr hatten, traten wir den langen Rückweg an. Da gab es wieder solche Spirenzchen mit fremden Leuten, die z.B. fragten, wie weit es noch sei und drei verschiedene Antworten erhielten, alle im Brustton der Überzeugung, oder als wir indirekt den Kerl mit der Taschenlampe ansprachen, der direkt vor uns lief, und behaupteten, dass jeder, der Licht hat, auch sicher Recht haben muss, wenn es um die Richtung geht. Nach einem kurzen Besuch in einer Bar war der Abend dann vorbei. Er war etwa am unteren Rand von "mittelmäßig".
Morgen werde ich das Mädchen wiedersehen, dem aufgefallen ist, dass meine Stimmung auch eher mäßig ist. Und es macht mir wirklich Gedanken, wie ich reagieren soll, wenn sie morgen merkt, dass es nicht besser geworden ist. In ihrer Welt ist es vermutlich so, dass man darüber redet, sich dann besser fühlt und das Problem irgendwann keins mehr ist. Ich habe aber nun mal nicht diese Art von Problem. Oder, besser, ich habe so viele davon, dass ich nicht mehr die einzelnen sehe, sondern nur noch die erschlagend große Masse. Ich würde sie aber gerne nicht zurückstoßen, wenn sie schon den Schritt auf mich zu macht. Nur wie? Das ehrlichste wäre wahrscheinlich, einfach wortlos in Tränen auszubrechen.
Die andere Angst ist, dass ich in diesem Zustand nicht sonderlich dafür sein könnte, mit anderen Leuten zusammen zu sein. Wehleidig bin ich, denke ich, nicht. Nur kann sich soetwas auch nonverbal äußern, vor allem in dieser ausdruckslosen, "belegten" Stimme (Man höre sich nur Porcupine Tree - Fadeaway oder Soap&SKin - Wonder an, um zu verstehen.), in dem Schweigen, wenn ich nach Antworten und meiner Stimme suche, in Gestik und Mimik. Zu allem Überfluss kam heute Nachmittag eine SMS von ihr, in der sie fragte, ob wir uns für morgen oder übermorgen verabredet hatten. Es war ihr so unangenehm, dass sie sich auf Chinesisch entschuldigte. Ein alter Guerilla-Trick, mit dem man die größtmögliche Distanz zwischen sich selbst und seinen Worten schafft. Es brach dem ganzen dennoch nicht die Spitze ab.
1.5.12 23:31


Downward Spiral

Von Anfang an lief alles einfach wunderbar.
Ich ging morgens den Arbeitsraum der Bibliothek, und ohne es zu wissen setzte ich mich quer neben sie. Sie kam nämlich erst einige Zeit später zu ihrem Platz zurück. Viel machen konnten wir da natürlich nicht, waren auch beide beschäftigt. Nur dass sie nicht ein einziges Mal in meine Richtung geschaut hat, hat mich gewundert.
Irgendwann kam der Zeitpunkt, an dem ich sie auf mich aufmerksam machen wollte, weil Mittag war. Ich hätte reden können, das hätte wohl kaum jemanden gestört, entschied mich aber dafür, sie über meinen Block schriftlich zu fragen, ob sie Hunger hat. Kam mir zu der Zeit wie eine gute Idee vor.
Und dann habe ich direkt am Anfang eigentlich schon alles versaut. Nämlich als sie fragte "Und, wie geht's?", und ich sagte "Gut.". An der minimalen Veränderung ihrer Stimme in der Antwort auf die Gegenfrage glaubte ich zu erkennen, dass sie sich dachte: "Ja, klar. Sieht man." Oder sowas. Ich bin vollkommen unfähig, überzeugend zu lügen.
Die Wahl des Ortes, an dem wir essen, gestaltet sich in letzter Zeit auch immer schwieriger. Letztes Mal hatte sie sich etwas von zu Hause mitgebracht, dieses Mal hat sie sich gar nicht am Entscheidungsprozess beteiligt, sondern einfach ja gesagt, und dass sie sich woanders was zum mitnehmen holt. Die Illusion, dass daran irgendetwas noch "gemeinsam" ist, lässt sich schwer aufrechterhalten. Es ist vielmehr "nebeneinander".
Das Gespräch hing auch mehr in den Seilen, schleppte sich aber so irgendwie durch. Interessante Randnotiz: Sie war vorgestern auch da, wo ich war, und auf dem Weg nach unten liefen wir uns so gut wie über den Weg. Sie erzählte, dass sie Leute über andere Leute hat reden hören, die sie kannte. Das waren wir. Ich glaubte auch genau zu dem Zeitpunkt, ihre Freundin, die bei ihr war, zu hören. Jemand anderes aus der Gruppe rief daraufhin den Namen, aber es kam keine Antwort. Sie dachten, es wäre jemand anderes gemeint. So nah, und doch so fern. Sie saßen fast direkt unter der Mauer, auf der ich saß.
Irgendwann streifte mich die dunkle Ahnung, dass sie entweder unnormal stark von meiner Stimmung beeinflusst wird, oder dass es möglicherweise nicht alles an mir liegt, sondern andere Gründe hat.
Um am Ende dem Fass noch mal mit aller Gewalt den Boden auszuschlagen, schaffte ich es irgendwie, ihr bei der Umarmung zum Abschied weh zu tun. Die war sowieso eine ziemlich schlecht kaschierte verzweifelte Flucht nach vorne, deshalb hektisch, und dabei muss ich an ihrem (großen) Ohrring gezogen haben.
Hoffentlich traue ich mich beim nächsten Mal noch, ihr unter die Augen zu treten. Aber eigentlich ist es viel wahrscheinlicher, dass ich stolpere und in den riesigen Graben falle, der sich zwischen uns aufgetan hat.


Anfang des letzten Sommersemesters ging es mir sehr ähnlich, wie ich heute nachgelesen habe. Nur mit dem Unterschied, dass es damals einen konkreten Grund hatte: ihre Abwesenheit, die zu der Zeit auch schon ein halbes Jahr anhielt. Und dass es sich jetzt auf der nächsttieferen Ebene abspielt.
Eine Lösung habe ich damals nicht gefunden. Ich habe mich einfach durchgeschleppt, ab und zu war es etwas weniger unerträglich, und dann kam sie wieder.
Dasein tut beinahe körperlich weh.
2.5.12 21:25


17

Da meine Dreistigkeit in letzter Zeit anscheinend stark zugenommen hat, setzte ich mich heute Morgen im Bus mal wieder neben ein hübsches Mädchen. Nicht nah, wohlgemerkt. Nur, nachdem ich meinem mp3-Player in meiner Hosentasche verstaut und meinen Arm in Position gebracht hatte, streifte dieser etwas warmes. Es war ihr Arm. Und der blieb einfach da. Irgendwann zog ich meinen Arm testweise etwas weg, nicht mit sehr viel Elan, sondern einfach den Schuldgefühlen minimal nachgebend, aber das rief keine Reaktion hervor. Und als ich ausgiebig in der Wärme und Illusion von Geborgenheit gebadet hatte, schaute ich sie mir mal an. Den Punkt erreiche ich selten, weil ich sonst immer Angst haben muss, unter dem erwiderten Blick zu kollabieren. In mancher Hinsicht hatte sie etwas von dem Mädchen, das ich gestern wohl in einen ziemlich hohen Orbit abgedrängt habe. Aber sie sah konsequent in alle anderen Richtungen. Zum Beispiel in ihr Vokabelheft, das auf Oberstufe deutete.
Ich kann mich nicht daran erinnern, jemals einen so starken Drang verspürt zu haben, meine Handynummer auf Zetteln in der Weltgeschichte zu verteilen. Das mag für Leute, die in einer Welt romantischer Gesten und lässiger Anmachsprüche leben, extrem lächerlich erscheinen, aber die beziehen in ihrer Kalkulation nicht mit ein, wie sehr ich mich schon damit ausliefern würde.
Leider habe ich nichts dergleichen getan.
Vielleicht nimmt sie jeden Donnerstag den gleichen Bus.

Der Effekt war, dass ich wieder hoffen lernte. Mag es auch eine unerreichbare Hoffnung sein, zumindest ist theoretisch ein Zustand denkbar, in dem es erträglich ist.
Und ich finde es bemerkenswert, dass ich mich mehr daran klammere als an Dinge, die ich beeinflussen könnte. Zumindest theoretisch beeinflussen könnte. Ich müsste eben nur meinen Zustand ausklammern und irgendwoher erfahren, wie man sich freundschaftlich richtig verhält.
Vielleicht ist aber auch alles nicht ganz so tragisch, oder sie nicht so nachtragend. Immerhin grüßte sie mich noch zurück, als ich sie im Vorbeigehen grüßte, während sie mit jemandem redete.
Am Abend hatte ich unerwartet viel Kontakt mit der Bergsteigerin. Jetzt gerade würde ich sagen, dass sie mir aus der Ferne betrachtet schöner vorkam. Allerdings traue ich meiner schwankenden, volatilen Bedürftigkeit gerade gar nicht über den Weg.
Heute kam außerdem noch eine Email, die erste Reaktion auf die wichtige Bewerbung (bei der viele Firmen dranhängen, also ist das nicht unbedingt die letzte gewesen). Zuerst kam allerdings ein Anruf, aber da war mein Handy noch auf lautlos. Wie professionell, einfach mal so zu versuchen, ein Telefonvorstellungsgespräch anzufangen. Vielleicht klappt es ja morgen.
Möglicherweise sollte mich das freuen. Allerdings wurde das, genau wie der theoretisch mögliche erträgliche Zustand, im Laufe der Zeit einfach planiert.
Morgen bin ich beim Typ zum Zocken geladen, und übermorgen ist womöglich ein Geburtstag. Was habe ich nur angerichtet? Montag ist das Referat, wegen dem ich mir selbst die Hölle heiß mache, Dienstag sind drei vorbereitungsintensive Kurse, wo soll ich da die Zeit hernehmen, mich in meinem Zimmer zu verstecken und Solitär zu spielen?
Der Abwärtstrend setzt sich mit ungebrochener Euphorie fort.
4.5.12 00:47


Gelegenheit

Wenn ich mir die Frage stelle, was ich tun könnte, um etwas an der Situation zu ändern, ist es selten so konkret wie jetzt. Dabei heißt "konkret" aber eigentlich nur, dass ich die Wahl zwischen Pest und Cholera habe. Würde ich mich von dem Mädchen, das gerade noch weiter weg erscheint als damals, als sie wirklich weit weg war, mal fernhalten, indem ich z.B. nächste Woche kein Treffen anrege, zu unser beider Schutz, wie ich glaube, denkt sie vermutlich, dass ich mich Stück für Stück von ihr zurückziehe und legt es mir negativ aus. Mache ich (und hier würde ich am liebsten einfügen: wider besseres Wissen) einfach weiter und tue so, als wäre nichts gewesen, gewinnt keiner. Ich verletze mich, und zwar mit ihr, und sie fragt sich, warum das notwendig ist.
Da ich vermutlich nicht schlagartig aufhöre, traurig zu sein, habe ich im Grunde nur diese beiden Optionen.
Es sei denn, natürlich, ich modifizere die Zweite dahingehend, dass ich mich ihr öffne, inwieweit sei erst mal dahingestellt. Die primäre Angst ist nicht, dass ich sie egoistisch mit meinen Problemen belasten würde. Sie hat mich ja irgendwie sogar in diese Richtung gedrängt. Viel mehr ist es das Öffnen an sich, das ich nicht übers Herz bringe. Darüber hinaus gibt es keinen konkreten Grund für meine extreme Niedergeschlagenheit. Und so gut sie mich auch intellektuell verstehen mag, traue ich ihr auf Grund einiger Andeutungen bisher trotzdem nicht zu, mir da folgen zu können.
Bei meinem Nachdenken darüber fragte ich mich selbst, ob Zukunfsangst vielleicht ein Teil des Problemkomplexes ist. Wäre es das, könnte ich das als pars pro toto vorschieben. Mit dieser Unehrlichkeit könnte ich leben. Nur mit der Unehrlichkeit nicht, dass ich nicht daran zerbreche, zu scheitern, sondern daran, dass das Scheitern eine direkte Folge meines ganzen Seins ist. Ich bin immer noch felsenfest davon überzeugt, dass mir nur dann irgendjemand einen Job geben wird, wenn ich ihn überzeugend genug darüber hinweggetäuscht habe, dass allein die Vorstellung, 40 Stunden pro Woche (plus Fahrtzeiten, plus notwendige Ruhezeiten auf Grund der Belastung, plus Überstunden usw. usf.) auf irgendetwas zu verwenden, mir Kopfschmerzen bereitet.

Am Ende des letzten Semesters, nachdem sie mich in ihre WG zum Frühstück eingeladen hatte, stand für mich fest, dass ich ihr den Gefallen erwidere. Das muss vor mehreren Jahren gewesen sein...
5.5.12 21:16


Stückweise kollabieren

Nachdem ich gestern den ganzen Nachmittag und heute ein paar Stunden dran gesessen hatte, konnte ich heute das Referat halten. Ich habe sogar, wider Erwarten, die Zeit ausgefüllt. Nicht unerwartet war, dass ich die meiste Zeit auf mein Blatt geschaut habe. Und wie verständlich ich gesprochen habe, weiß ich nicht. Damit wäre das Thema auf jeden Fall schon mal abgehakt. Wenn ich den morgigen Tag noch überstanden habe, werde ich nur noch Klavier und Gitarre spielen. Weil ich das schon lange nicht mehr getan habe.
Mittendrin lief dieses Mädchen, das mich an der Weihnachtsfeier so durchdringend angeschaut hat, nah an mir vorbei.
Im Treppenhaus auf dem Weg nach Hause stand das Mädchen, das eine weiße Weste trug. Ich hatte meinen schwarzen Hoody an. Und ich dachte immer, solche Symbolismen kämen nur in Träumen vor. Sie war, mal wieder, in ein Gespräch vertieft. Ich grüßte im Vorbeigehen, sie grüßte zurück. Mir war, als huschte ein Andeutung von etwas Unbestimmten über ihr Gesicht.
Vielleicht war es deswegen, dass ich im Bus feuchte Augen bekam (die Stufe, die Weinen am nächsten kommt, und die ich all die Jahre erreichen konnte). Vielleicht lag es aber auch an der Art, wie das Mädchen mir gegenüber ihre Schulter gegen die Scheibe drückte.
Ich weiß nicht, was ich suche, aber offensichtlich weiß ich, wo es zu finden ist.

So langsam läuft die Zeit ab. Da ich mich heute nicht bei ihr gemeldet habe und sie gegen Ende der Woche meistens keine Zeit hat, wird es für ein Treffen diese Woche fast schon zu kurzfristig. Zumindest nach meinem Empfinden.
Scheinbar habe ich die Stufe hinter mir gelassen, auf der ich zurückgewiesen werde, und bin umstandslos zu der Stufe übergegangen, auf der ich mich selbst zurückweise.
7.5.12 23:42


Risse

Nach dem entsprechenden Kurs ging ich mal auf meinen Dozenten und Abschlussarbeits-Betreuer in Personalunion zu. Ganz überraschend konnte er mir meine Note schon fast vier Monate nach der Abgabe mitteilen. Natürlich war sie gut. Klar, ich weiß nicht, wie sehr diese Leute dazu geneigt sind, die ganz guten Noten bei sowas zu verteilen, von daher besteht immer noch die Unsicherheit, trotz allem nur durchschnittlich weggekommen zu sein. Auf jeden Fall dachte ich mir sofort, um wie viel besser alles geworden wäre, hätte ich mich wirklich angestrengt, und nicht immer den Morgen verschlafen und den Nachmittag in irgendwelchen Kursen vertrödelt. Aber das ist eigentlich auch nur Schutz für mein Ego.
Zum Glück ist das Institut so klein. Man läuft im Grunde nur Leuten über den Weg, etwas anderes kann man da kaum machen. Schon auf der Straße davor stand die personifizierte Wärme, die auch schon im gestrigen Eintrag auftauchte und wegen mir auch gerne damit eine lange Serie begonnen haben könnte. Ich glaube, sie sah mich nicht, aber wer tut das schon. Zwei Meter weiter wollte ein Kommilitone gerade in einer Tür verschwinden, und als ich nach meiner Mittagspause in die Bibliothek ging, um das vorletzte Buch vom Referat zurückzugeben, konnte natürlich nur eine Person an der Ausleihe sitzen. Heute sah sie wunderschön aus. Das stand im krassen Gegensatz zu der Art, wie sie mir am katastrophalen letzten Mittwoch vorkam, nämlich steinern, grau und kalt. (So viel zu meiner Oberflächlichkeit.) Ich fühlte mich dazu genötigt, das Gespräch auf der professionellen Ebene zu halten. In meinem Hinterkopf diskutierte ich aus, dass ich eigentlich noch meine Notizen ausdrucken müsste, das mich aber zwingen würde, mehr Zeit in ihrer Nähe zu verbringen, ich also sicher auch freestylen könnte. Da hat, wie man sieht, die Angst gewonnen. Fünf Minuten später, kurz vor Unterrichtsanfang des Kurses davor, nachdem ich keine Zeit mehr haben würde, entschied ich mich um. Wie gerne würde ich jetzt "Zum Glück" sagen. Aber mich fassungslos dabei zu beobachten, wie ich mich verkrampft um Lockerheit bemühe, bis es am Ende auf ein Verhalten hinausläuft, das man am besten mit "überspannt" beschreibt, hat auch keinen Spaß gemacht.
Wenn nicht irgendjemand irgendetwas Verrücktes macht, sehen wir uns diese Woche nur noch en passant. Und nächste Woche darf ich dann versuchen, den Graben zwischen ihr und mir, den ich mit einer schier unglaublichen Menge an Energie (man ahnt, welcher Quantität das entspricht) geschaufelt habe, wieder zu überspringen. Was passiert, wenn das scheitert und nicht mal der Versuch stattfindet, kann man sich auch leicht ausmalen. Was passiert, sollte das gelingen, ist komplexer. Die Frage, um die in meinem Kopf fast alles kreist, ist: Wie würde sie langfristig damit umgehen, dass ich kurz-vor-krank bin? Je nachdem, wie viel ich preisgebe, kommt selbst der beste Wille zur Selbsttäuschung nicht um diese Schlußfolgerung herum.
Ich bin vollkommen damit überfordert.



Der letzte Kurs heute zog sich wie Käse. Es war nicht so sehr, dass er drei Stunden ging, sondern dass es so langsam voran ging, dass man vom Zusehen Schmerzen bekam.
8.5.12 21:39


33

Allein die Tatsache, dass ich gestern Abend meine Handynummer auf einen Zettel geschrieben habe, den ich heute dann auch in die Hosentasche steckte, sollte zu denken geben. Die Frage, ob oder eher wann der Kontakt mit der Realität abreißt, stelle ich mir schon sehr lange. Das hier könnte ein Schritt in diese Richtung sein. Aus einer anderen Perspektive betrachtet ist es allerdings eine fast zwingende Schlussfolgerung, ein vorhersehbarer, ziemlich verzweifelter Versuch, irgendetwas zu tun und nicht kampflos unterzugehen.
Der Bus kam, sie saß drin. Ich traute mich nicht, mich zu ihr zu setzen und setzte mich hinter sie. Je nachdem, wie man die Prioritäten setzt, kann man das jetzt gut oder schlecht finden. Von da an war es müßig, mich zu fragen, wie ich meinen undurchdachten Plan hätte in die Tat umsetzen können. Hätte sie die Übergabe bemerkt, wäre natürlich alles im Eimer, aber genau das zu verhindern wäre sicher schwierig geworden. Und direkte Kontaktaufnahme, das merkte ich schon hinter ihr sitzend, wäre einfach nicht drin gewesen. Da war, glaube ich, weniger ausschlaggebend, dass ich selbst meinen Plan für verrückt halte, sondern eher die normale Angst vor der sicheren Ablehnung und meine schlichten Unwürdigkeit.
Ich würde mich ja schon schuldig fühlen, in Zukunft genau diesen Bus zu nehmen, würde er nicht so perfekt in meinen Stundenplan passen. Ich bin exakt 5 Minuten vor Unterrichtsbeginn da.
Nur ist nächsten Donnerstag Feiertag, und übernächste Woche fällt der entsprechende Kurs aus.

Andererseits kann ich mir in meinem jetzigen Zustand auch nicht vorstellen, was mir das (oder irgendetwas anderes...) überhaupt bringen könnte. Selbst wenn es nicht in einem Fiasko enden würde.
10.5.12 23:38


Faul

Am Mittwoch traf ich mich von 11 bis irgendwas nach 12 mit meiner Tandempartnerin. Danach ging ich nach Hause. Irgendwann gegen halb 6 habe ich es geschafft, mich zum Putzen aufzuraffen. Die Lektüre für den nächsten Tag habe ich erst gegen 11 gemacht, die Koreanisch-Hausaufgaben, die ich mir ebenfalls vorgenommen hatte, am Donnerstag vor der Stunde.
Am Donnerstag hatte ich einen Kurs von 9 bis 11, vertrödelte etwas Zeit in der Studentenbücherei, und ging dann nach Hause, muss gegen halb 1 gewesen sein. Die Koreanisch-Aufgaben habe ich, wie gesagt, in der Zeitspanne nicht geschafft. Und sonst auch nichts. Um halb 6 bin ich wieder aufgebrochen.
Heute, hatte ich mir überlegt, mache ich Sachen für den Dienstag, weil das so viel ist. Am besten würde ich dazu aufstehen, so um 10, in aller Ruhe frühstücken und dann in die Uni gehen, um den meisten Ablenkungen auszuweichen. Im Laufe der Zeit dachte ich mir, ich könnte auch zu Hause arbeiten. Und dann fiel mir ein, dass ich es auch ganz sein lassen könnte. Irgendwann rief mein Kumpelcousin an, er wäre bald am Bahnhof, als machte ich mich auf den Weg, um ihn mit in die Heimat nehmen zu können. Damit ist auch der heutige Tag gelaufen gewesen.
Würde mich jemand fragen, was ich in all diesen Stunden gemacht habe, ich wüsste für die wenigsten eine Antwort. Da man sich für Gitarre und Klavier konzentrieren muss und ich sowieso keine Gefühle zu haben scheine, die man noch irgendwie ausdrücken könnte, waren auch das immer nur kurze Intermezzi. Die meiste Zeit habe ich wohl einfach den Bildschirm angestarrt oder Solitär gespielt.
Das schönste Erlebnis der Woche war, als ich mich endlich gezwungen hatte, mit dem Putzen anzufangen, mich aber erst Mal fünf Minuten apathisch aufs Bett setzte und "Codeine - Ides" laufen ließ. Das war in etwa die Freude, die man daran hat, im Bett zu liegen, wenn man eigentlich aufstehen müsste.
11.5.12 21:28


Diese Woche wird super. Morgen muss ich zwar den Dienstag vorbereiten, und das dürfte dauern, aber eigentlich habe ich nur von 4 bis 6 einen Kurs. Dienstag wird dann natürlich vollgepackt sein, aber danach ist die Woche gelaufen. Unterrichtsmäßig.
Andererseits steht etwas an, was ich kaum anders als als "Entscheidungsschlacht" bezeichnen kann. Ich muss irgendwie versuchen, die Freundschaft zwischen dem Mädchen, das ich jetzt über eine Woche immer nur im Vorbeigehen gesehen habe, und mir zu retten. Für Melodramatik bis hin zu "Wir müssen reden." bin ich immer zu gebrauchen. Für das eigentlich Wichtige eher nicht. Von daher wird das spannend. Ich habe die Situation schon einige Male in meinem Kopf durchgespielt, aber ihr in der Realität zu erklären versuchen, dass mein seltsames Verhalten einen Grund hat, ist noch mal eine ganz andere Sache.
Was ich mit aller Gewalt verdränge ist die Möglichkeit, dass sie gar keine Lust ("Zeit") haben könnte. Weil das einfach nicht passieren darf.
Die Woche wäre noch besser, hätte ich nicht den TÜV meines Autos verpennt. Das fiel aber erst dem Mechaniker auf, bei dem ich wegen etwas war, was er als Marderknabberei identifizierte. Und weil er nun mal der Cousin meines Vaters ist und mein Auto erst TÜV-fertig gemacht werden muss, fahre ich Donnerstagabend schon wieder nach Hause. Sonst wäre ich sicher von Donnerstag bis Sonntag nicht aus dem Haus gegangen. Schade.
Am Mittwoch ist Lagwagon-Tag, aber merken tue ich davon bisher nichts.
In zwei Wochen ist das Codeine-Konzert. Ich überlege, ob ich nicht einen Mini-Urlaub draus machen soll, da 300 km doch weit zu fahren ist.
13.5.12 23:54


Es rettet sich sicher nicht von selbst

Was, wenn ich nicht tun kann, was ich tun muss?
Heute lief sie mir im Institut über den Weg. Natürlich, ich musste ja noch in die Bibliothek und sie saß an der Ausleihe. Sie sagte, sie hätte meine SMS bekommen und hätte morgen auch Zeit.
An ihrem Verhalten merkte ich nichts, an meinem eine subtile Aggressivität. Aber das könnte auch nur Einbildung gewesen sein, so viel haben wir heute ja auch nicht miteinander gesprochen. So oder so ist es immer eine gute Idee, es auf sie abzuwälzen.
Also sehen wir uns morgen.
Je näher das rückt, desto mehr vergesse ich, wieso ich ihr eröffnen wollte, wie es mir geht. Mir fallen plötzlich nur noch Gründe ein, warum ich das nicht sollte. Sie unnötig belasten. Unser Verhältnis unnötig belasten. Die Atmosphäre morgen vergiften. Wehleidig sein und Mitleid haschen. Mich angreifbar machen.
Im Gegensatz zu anderen Mauern verteidigt diese hier sich selbst.
Ich kenne mich gut genug, um zu wissen, dass diese "Entscheidung" nicht final ist. Jetzt gerade erscheint es wie die unmöglichste Sache der Welt, aber morgen könnte ich in einer Kurzschlussreaktion über meinen Schatten springen. Hilfreich wäre es natürlich, würde sie "Na, wie geht's?" fragen und dabei so klingen, als würde sie das auch so meinen.
Aber ich käme mir wahrscheinlich immer noch vor wie der letzte Vollidiot.

Ich kann mir selbst beim Scheitern zuschauen. In Zeitlupe.
15.5.12 23:25


 [eine Seite weiter]



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung