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Bruchstelle

Mehr und mehr scheint es, als wäre das, was ich mal für ein tragfähiges Konstrukt hielt, morsch geworden. Möglicherweise ist es aber auch nur für mich nicht mehr stabil genug, seit irgendwann im Mai oder Juni dieses Jahres meine Beine nachgegeben haben, weil sie nicht mehr die Kraft hatten, mich zu tragen. Weil ich nicht mehr die Kraft dazu hatte.
Ich bin in der Post-Abitur-Zeit eigentlich ganz erträglich damit gefahren, mich mit einer Mischung aus Uni, Gitarre und Zocken zu beschäftigen. Abgesehen von einem kurzen Intermezzo von kaum mehr als einer Woche habe ich in den letzten 4 Monaten gar kein Counter Strike mehr gespielt. Nach den Sommerferien fiel mir Gitarre spielen immer schwerer, weil es aus irgendeinem Grund nicht mehr so viel Freude macht, wie es sollte. Ich habe immer noch die dunkle Ahnung, ein Plateau erreicht zu haben, auf das mich mein bescheidenes Talent noch führen konnte, aber jetzt kaum mehr von da wegzukommen. Und Uni... ich kann nicht sagen, dass ich mit meiner Fächerwahl hadere. Höchstens, dass es mich frustriert, noch lange nicht alles so gut zu können, wie ich das gerne hätte. Ich hätte es allerdings auch gerne extrem unrealistisch. Es ist viel mehr, dass meine Bereitschaft, Arbeit in irgendetwas zu investieren, stetig abgenommen hat. Ganz einfach, weil sowieso alles nutzlos ist. Ich müsste mich anstrengen, aber es würde mich trotzdem nicht glücklich machen. Logischerweise. Als würde man verbluten und panisch Aspirin nehmen.


Heute am Schwarzen Brett für Leute, die mich wirklich verstehen wollen:
Als gestern Abend meine Stimmung einknickte und ich das Mädchen gebraucht hätte, das ich erst nächste Woche wiedersehen werde, war sie wenig überraschend nicht zur Stelle. Solche Kleinigkeiten hielten mich aber nicht davon ab, ihr das zum Vorwurf zu machen.
Als ich heute versuchte, Freude aus der Tatsache zu quetschen, dass wir so viel miteinander zu tun haben, stellte ich mir den Neid vor, den jemand anderes oder ich empfinden würde, würde er uns zusammen sehen.
1.12.11 23:47


Sachen machen

Gestern hat der Typ wieder eine Party-LAN auf die Beine gestellt. Das bedeutete, dass wir erst ein bisschen gezockt haben, uns dann den TV Total Erstwählercheck in größerem Umfang anschauten (Wenn ich nur daran denke, tut mir mein Kopf immer noch ein bisschen weh ("SPD? Sozialpädagogische... irgendwas mit Deutschland?"). Schön war auch, dass die richtige Lösung dem Zuschauer immer mitgeteilt wurde, damit er sich besser in Sicherheit wähnen kann.), und danach in die Stadt gingen, wo wir den Kommilitonen trafen. Erst musste er wieder versuchen, einen Spielautomaten mittels Black Jack um größere Summen zu erleichtern. Dann zogen wir durch die Bars. In der letzten stand ich an der Ecke eines großen Tisches, um den sich viele Leute gruppiert hatten. Unter anderem, auch an dieser Ecke, ein Mädchen, das sich so weit zurücklehnte, dass ihr Rücken fast meinen berührte. Eine klitzekleine Positionsveränderung konnte diesen Missstand beheben. Ihr war es entweder egal, oder sie bemerkte es gar nicht oder sonstwas, aber sie wich nicht einen Zentimeter zurück, eher im Gegenteil. Ich habe keine Ahnung, wie lange ich mich an ihren warmen Rücken anlehnen konnte. Irgendwo zwischen Minuten und wundervollen Äonen.
Es ist natürlich... unelegant, dass ich mir so etwas immer erschleichen muss, und das, ohne dabei das letzte bisschen Selbstachtung preiszugeben. Aber so lange ich niemanden habe, der mich 5 bis 14 Stunden täglich in seinen Armen vor der bösen Realität abschirmt und beschützt, kann ich entweder kaputt gehen, oder Grenzen übertreten.
Der gefährlichste Teil ist bei so etwas immer die Busfahrt nach Hause, weil in diesem ausgemergelten Zustand jedes Mädchen ein Stolperstein ist, über den man in den allertiefsten Abgrund fallen kann. Die Voraussetzungen dazu waren auch ohne Frage da. Keine 5 Schritten den Gang entlang blockierten viele Fahrräder den Weg, und eine Besitzerin stand daneben. Noch schlimmer: Beim Gestikulieren schlug ich mir am Lenker leicht die Hand an, und sie beschwerte sich mit diesem unaggressiven "Eeey", wie es nur Mädchen hinbekommen. Das war schon fast Kontakt. Und obwohl sie die ganze Fahrt still in sich hineinlächelnd neben mir stand, habe ich es irgendwie geschafft, die meiste Zeit nicht hinzuschauen. In der letzten Bar muss ich so eine Art Willensstärke gefunden haben.
Das Weiterzocken danach war fest eingeplant, aber da ich zu dem Zeitpunkt schon kurz vorm Einschlafen war, spielte ich auch dementsprechend wie mit einem Ping von 500.
3.12.11 22:44


Pionierarbeit

Überrascht werden macht Spaß. Da der gemeinsame Unterricht am Dienstag ausfällt, fragte sie gestern Abend per SMS, ob das Treffen davon unbeeindruckt stattfinden solle. Wäre ja noch schöner, wenn nicht. Meinte ich. Gesetzt, dass sie auf die Aufregung des Zuspätkommens verzichten könne. Ich habe mir vorgenommen, ab jetzt nicht mehr ständig darauf anzuspielen. Es wird jedoch nicht so einfach, weil diese Erinnerung mit "Gemeinsam" überschrieben ist, in riesigen Neon-Lettern. Daraufhin sie, ganz galant: Wird mir fehlen, aber mit dir Mittag essen ist auch ok.
Normalerweise verstecke ich mich das ganze Wochenende zu Hause. Normalerweise ergreift niemand die Initiative und nimmt Kontakt auf. Und selbst wenn, läuft es selten darauf hinaus, meine Vorfreude auf irgendetwas zu steigern. Und endet noch viel seltener mit solchen Sätzen.
Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, als würde sie erfolgreich versuchen, alles im Umgang mit mir richtig zu machen, was alle anderen all die Jahre vorher falsch gemacht haben. Wenn sie noch ein bisschen so weiter macht, hat sie am Ende noch einen richtigen Menschen aus mir gemacht, so mit Selbstachtung und dem ganzen Kram.
Ich wäre gerne mal an einem Ort, wo Menschen zu "Race: Out" von Battles tanzen. Danach ist mir irgendwie gerade.
4.12.11 22:19


Heckenschere

Nur eine Sache könnte sie noch abstellen. Heute ging ich nach Japanisch nicht ins Institut, aber auf dem Heimweg daran vorbei. Das genügte, sie kam mir entgegen, und mit ihr die anderen Studentin aus dem 3-Leute-Kurs. Im Laufe des gar nicht mal so kurzen Gespräches, das die beiden führten während ich dabei stand, sagte die andere Studentin: "Morgen sehen wir uns ja nicht." Worauf ich in meiner schier grenzenlosen Subtilität erwiderte: "Mit Ausnahmen." Und dabei einen vielsagenden Blick in die entsprechende Richtung warf. Vielleicht war es ihre Art, darauf zu reagieren, dass sie die andere Studentin auch noch einlud. Vielleicht dachte sie, damit allen Beteiligten etwas Gutes zu tun. Oder sie wollte von Anfang an das, was sie erreicht hat.
Sowas hat sie nämlich schon mal gemacht, und zwar ganz am Anfang, als sie mir gerade vorgeschlagen hatte, die VWL-Übung zusammen vorzubereiten, und ich noch an Hintergedanken ihrerseits glauben wollte. Nachdem sie mir irgendwann eröffnete, noch jemand anderes gefragt zu haben (der glücklicherweise nie kam), kamen berechtigte erste Zweifel auf.
Würde man versuchen, dahinter einen Plan zu sehen, käme man nicht umhin, über die gnadenlose Eleganz zu staunen, mit der sie meine wild wuchernden Hoffnungen zurecht stutzt. Und das, ohne das Treffen morgen irgendwie zu beeinflussen, da die andere Studentin rumdruckste, dass sie keine Zeit hat. Hätte ich so viel Verstand, wie ich Glück habe, würde ich mir eine Zeitmaschine bauen.
Eigentlich wähnte ich meine Stimmung auch schon reif dafür, mir Die Doofen anzuhören, stattdessen musste aber mal wieder Doppelkopf ran. Zwei Ordner zu weit rechts.
Daneben steht morgen ein Termin beim Prof an, dem ich eine erste (tatsächlich noch sehr ungekochte) Rohfassung der bisherigen paar Seiten meiner Arbeit geschickt habe. Man darf gespannt sein, wie er darauf reagiert. Und zu guter letzt ist morgen Abend schon wieder Filmabend. Ich werde hingehen, mir aber vorher versuchen einzureden, dass das nichts mit ihr zu tun hat.


Ich weiß jetzt, wie ich gesehen werden will.
5.12.11 22:54


Lichtflut und das bisschen Schatten

Sie kam zu spät. Laut ihrem Selbstbild ist das nichts Ungewöhnliches, laut meinem Bild von ihr schon. Wahrscheinlich hat die chinesische Pünktlichkeit auf sie abgefärbt. Bevor wir all das diskutieren konnten, hatte sie mich (natürlich) schon umarmt. Zuerst musste sie zum Bankautomaten, und das war ein weiter Weg. Was ja nicht negativ war. An der Stelle schien es ihr ziemlich wenig auszumachen, ständig mit ihrem Arm gegen meinen zu stoßen. Aber womöglich war der Wunsch hier Vater des Gedankens. Dann den gleichen Weg wieder zurück, weil wir uns ganz in der Nähe des Restaurants getroffen hatten. Schließlich hatte jeder sein Essen und wir setzten uns hin.
Sie ging in hohem Maße unverkrampft und locker mit mir um. Zwei Mal musste sie laut loslachen. An Stellen, an denen ich das nie erwartet hätte. Es schien auch nicht direkt mit mir zusammenzuhängen, sondern eher mit Dingen in ihrem Kopf, an die sie dadurch erinnert wurde, aber das ändert nichts daran, dass Lachen ein Ausdruck von Ungezwungenheit ist. Als wir fertig gegessen hatten, kam auch keiner auf die Idee, Tschüß zu sagen. Sie wollte noch einen Kaffee holen und dann in die Richtung weiter, ich begleitete sie. Danach wollte ich zurück ins Institut, also in die entgegengesetzte Richtung, sie kam mit, um noch etwas zu erledigen. Sagte sie. Es muss da gewesen sein, dass sie plötzlich 2 kleine Schokosachen aus ihrer Tasche holte und mir einen schönen Nikolaustag wünschte. Das traf mich natürlich unvorbereitet. Und irritierend ist es auch, aber dafür lohnt es sich eigentlich, die gute alte Kategorie "Mädchen machen halt ab und an seltsame Sachen" mal wieder zu entstauben. Danach trennten sich unsere Weg dann wirklich. Fürs erste.
Und ich hatte schon überlegt, abzusagen, weil ich Montagabend plötzlich vollkommen im Eimer war, mit Halskratzen, Gliederschmerzen und Kopfweh. Zum Glück dachte ich mir: Lachen ist die beste Medizin. Mir kam außerdem der Gedanke, den sich langsam einbürgernden Rhythmus dieser Treffen von zweiwöchentlich auf wöchentlich zu erhöhen. Aber das braucht Bedenkzeit.
Ich setzte mich also an einen PC und versuchte an meiner Arbeit weiterzuschreiben, aber das kam nicht weit. Nachdem ich genügend Zeit totgeschlagen hatte, ging ich los, weil ich einen Termin beim Prof hatte, um mal meine angedachte Konzeption zu besprechen. Außerdem hatte ich ihm die paar Seiten Baustelle geschickt, die ich bisher habe. Ich sagte, was ich noch machen wollte außer dem, was ich schon angefangen habe, er meinte, ja, machen Sie einfach so weiter, und dann wird das schon. Das sagt sich so leicht.
Es lohnte sich, danach nach Hause und zum Filmabend wieder zurück zu fahren. Dieses Mal war recht wenig Andrang, aber sie kann dem ja schlecht fernbleiben, wenn sie es mitorganisiert. So sonderlich viel zu bereden hatten wir da aber auch nicht mehr, zumal sie noch nach Sachen schauen musste, und dann ging auch schon der Film los. Die meiste Zeit habe ich akustisch rein gar nichts verstanden. Und der vom letzten Mal war sowieso besser. Und danach verabschiedeten wir uns.
Heute trafen sich nicht unbeträchtliche Teile des Japanisch-Kurses auf dem Weihnachtsmarkt auf einen Glühwein. Es war sogar ganz unterhaltsam. Daria kam jedoch nicht.
Im Anschluss ging ich in den Plattenladen, stöberte ein bisschen und bestellte mir "Just for a Day" von Slowdive auf Vinyl. Es ist teuer, muss aber sein. Wenn ich dem Album schon kein Denkmal bauen kann, bleibt mir nichts anderes übrig, als meine Verehrung so auszudrücken.
Kaum aus der Tür raus kam sie mir entgegen, neben ihr irgendein Kerl, der mit ihr redete. Ich grüßte, sie grüßte. Das einzige, was mich davon trennt, krankhaft eifersüchtig zu sein, ist die meiste Zeit das Fehlen einer Person, auf die sich das beziehen könnte. Ich nehme dieses Brett von einem gestrigen Tag und versuche, den grünen Dämon damit totzuschlagen, aber er wehrt sich.
Und an dem Punkt habe ich noch nicht mal über meine zwei Arten von Maßstäben nachgedacht: für mich und für alle anderen.
7.12.11 23:15


Über sich hinaus

Sie scheint das Beste (oder zumindest das bisschen Gute) aus mir herauszukitzeln. (Was nicht im Widerspruch dazu steht, dass im Laufe des Kontaktes auch weniger schöne Seiten an mir zum Vorschein kommen.) Anstatt den Kopf in den Sand zu stecken, mache ich einen Schritt nach vorne: Ich werde vorschlagen, dass wir uns nächste Woche noch mal treffen. Und wenn ich den Vorsatz durchhalte, werde ich die Nachricht auch nicht mit "Oder lieber erst übernächste Woche?" beenden. Ich traue ihr zu, ein "Geht leider nicht" über die Lippen zu bringen, falls ich zu weit gegangen bin. Und, viel wichtiger, ich traue mir zu, es auch hinnehmen zu können. Ohne größeren Schaden.
Natürlich bin ich jetzt in etwas geraten, was sicher ein infiniter Regress ist. Die erste Stufe habe ich schon hinter mir: der Gedanke, dass sie mich gerade so toleriert. Mit zusammengebissenen Zähnen. (Mit zusammengebissenen Zähnen kann man nicht lachen.) Die derzeitige Stufe ist: ich bin schon ziemlich dreist, die ganze Hand zu nehmen, kaum dass man mir den kleinen Finger reicht. Ich will eigentlich auch gar nicht wissen, was danach kommen soll.
Wenn ich gerade mal nicht "I'm glad lots of people died" oder "Neger bums mich" denke, geht mir der Anfang von Rilkes Duineser Elegien nicht aus dem Kopf. "Denn das Schöne ist nichts als des Schrecklichen Anfang, den wir noch grade ertragen, und wir bewundern es so, weil es gelassen verschmäht, uns zu zerstören."
8.12.11 23:20


Einheitliche Thematik

Wer gedacht hat, dass es in diesem Eintrag mal nicht um das Mädchen geht, das am Samstagabend so schnell auf SMS antwortet, dass man argwöhnen könnte, sie hätte sich darüber gefreut, hat sich getäuscht. Ich war übrigens einer davon. Aber dann überkam mich der Eifer. Mittwoch wird es sein.
Dass ich Jahresbestlisten diverser Musikseiten durchblättere und in verschiedenen Reihenfolgen die Sätze "Kenn ich nicht", "Interessiert mich nicht" und "Ist mir egal" in ständiger Wiederholung denke, ist beim besten Willen keine Neuigkeit. Aber dass ich darüber nachdenke, wie sich mein Musikgeschmack übers Jahr entwickelt hat und mich am Ende fragen muss, ob überhaupt irgendwas Neues passiert ist, kommt nicht so häufig vor. Ich habe, daran ersieht man es ziemlich gut, bei weitem nicht so viele CDs gekauft wie sonst. Vielleicht rettet ja eine Kurzschlussentscheidung die Ehre: Statt am Freitagmorgen Zeilen zu fabrizieren, habe ich meine mp3-Kopfhörer ausgepackt, an den PC in der Bibliothek angeschlossen und mich im Internet bedient. Einer der ganz ollen Kamellen, die mir einfielen, war das Cocteau Twins-Cover der Deftones. Mit dem Original bin ich nie ganz warm geworden, und das war an dem Tag nur insofern anders, als ich mir einfach mal ein paar andere Lieder angehört habe. "Zack" hat's gemacht.
Noch einer mit Musik. Nachdem mir aufgefallen war, dass der eine Teil aus Monos "L'america" eine ähnliche Spieltechnik verwendet wie ein Teil eines der Soli aus "Sultans of Swing", traute ich mir zu, das herauszufinden. Die erste Minute des Liedes ist extrem minimalistisch, 4 Töne in 8 Takten, das hatte ich bald. Wo ich schon mal dabei war und einen Lauf hatte, traf ich noch zufällig die Rhythmusgitarre auf dem Griffbrett, und nach einigem Knobeln hatte ich auch, was ich wollte. Und das sind mehr als 8 Töne. Man könnte fast sagen, ich bin stolz auf mich. Gut, so ab 2 Minuten 30 kommen dann viel zu viele Noten viel zu schnell hintereinander, da hab ich bis jetzt nicht mal einen Fuß in der Tür. Aber überhaupt so weit zu kommen hätte ich meinen Ohren vorher nie zugetraut.
10.12.11 23:08


Vaya sorpresa

Nachdem irgendein Bus, den mein Kumpelcousin braucht, seit etwa einem Monat nicht mehr fährt, ist er wohl öfters auf mich angewiesen. Auf jeden Fall fuhr er gestern wieder mit runter. Und der Typ auch. Viel zu bereden zwischen uns dreien gab es wieder mal nicht. An einer Stelle fragte der Typ nur, welche CD das sei. Es war Mono. Da fiel ihm ein, dass ich vor einem halben Jahr auf einem Konzert war und er fragte mich nach meiner kritischen Meinung dazu.
Das wird im Laufe des Eintrages noch wichtig.
Mein Wecker klingelte heute um halb 9, aber trotzdem habe ich es geschafft, erst an die Uni zu kommen, als es schon schwer auf 1 zuging. Da brauchte ich auch nicht mehr mit der geplanten Liste anfangen. Immerhin habe ich mir ein paar Bücher besorgt. Man kann also nicht sagen, ich hätte gar nichts gemacht. Und dann war schon Zeit für Japanisch. Also, die Hausaufgaben, die ich vor dem Raum sitzend machte. Nach ein paar im Anschluss gelesenen Seiten war es dann wirklich Zeit. Im Laufe der Stunde sollten wir mit dem Banknachbarn eine Frage-und-Antwort-Übung machen, die letzte Frage fragte nach dem Alter. Daria, ganz unprätentiös, benutzte nicht die Ausweichantwort in Klammern ("Geheimnis!"). Was ich dann hörte, hätte ich mich überraschen sollen. Tat es aber irgendwie nicht. Heute schien kein Tag zu sein, an dem man mich überraschen konnte. Sie ist nämlich ein gutes Stück älter als ich. In dem Ausmaß, dass ich mir das mit der Bezeichnung "das interessante Mädchen" noch mal ganz genau überlegen sollte. Was diese Information sonst tut, weiß ich noch nicht, aber fürs erste wirft sie ein diffuses neues Licht auf den Komplex ich, geistige Reife und die Unfähigkeit, Alter einzuschätzen.
Nach der Stunde ging ich ins Institut, um heute wenigstens irgendetwas Produktives gemacht zu haben. Da ich allerdings für nächste Stunde die Kanji erklären soll, musste ich erst ein Stockwerk tiefer, ins Feindesland. In der Tür sprach mich plötzlich ein mir unbekanntes Mädchen an: "Du warst doch mal auf dem Mono-Konzert?!" Auch da wäre Überraschung eine vernünftige Reaktion gewesen. Ich tauschte mich kurz mit ihr aus, dann musste sie weiter.
Inzwischen habe ich ein bisschen was für die Arbeit gemacht, aber das führte nur dazu, dass mein Text anfängt, mich zu langweilen. Immer neue Gedankensprünge, immer neue wenig fundierte Aussagen, immer neue Paraphrasen des Originaltextes. (Irgendwann werde ich mich dazu durchringen können, der ganzen Welt mitzuteilen, was mein Thema ist. Spätestens am Abend nach der Abgabe.)
Für morgen versuche ich etwas ganz Verrücktes: Ich mache die Hausaufgaben für die Nachmittagsstunde nicht, damit ich gezwungen bin, aufzustehen.
Ich freue mich darauf, sie morgen zu sehen. Wie ich mich in letzter Zeit erstaunlich oft über irgendetwas freue.
12.12.11 22:41


Wellenbrecher

Blogeinträge sind Pflänzchen, die am besten in dunklen und einsamen Ecken gedeihen. Was Wunder, dass die meisten Blogs einschlafen, sobald ihre Besitzer in eine Beziehung hineinstolpern.
Heute bekam ich eine Ahnung, wie das im Einzelfall sein mag. Nur eine Ahnung. So wie meine Stimmung gestern Abend eingebrochen ist und heute Morgen immer noch über den Boden schleifte und nicht hochkam, hätte es einen längeren Eintrag darüber gegeben, wie sie zwar gestern im Unterricht neben mir saß, aber dennoch keine tragfähige Verbindung entstand. Gestern war es schwer, die Illusion aufrecht zu erhalten.
In eben diesem Eintrag stehen noch zwei andere Vorhersagen, die sich als absolut falsch erwiesen haben.
So richtig pünktlich war sie auch heute nicht. Aber als sie mich zum Abschied umarmt hat, war ich wohl endlich dazu bereit, die Umarmung auch zuzulassen. Zwischen der Freude und dem Zulassen ist immer noch ein breiter Graben. Man kann sich über eine Umarmung freuen, aber gleichzeitig den Geist so verschließen, dass man kaum mehr wahrnimmt, was passiert. Weil die schiere Menge an Gefühlen womöglich zu viel wäre. Heute konnte ich mich bis zu einem gewissen Grad darauf einlassen.
Die einzige Frage, die der heutige Tag aufwirft, ist, ob ich für nächste Woche die Initiative ergreifen sollte, oder ob es besser wäre, zu warten. Lisez: Nach allem fällt es mir immer noch schwer zu glauben, dass sie nicht mal eine Woche Ruhe von mir braucht.
Da es wirklich nur eine Ahnung war, ist immer noch ein Eintrag daraus geworden.
14.12.11 22:18


Müllpresse

Heute Morgen setzte sich im Bus ein Mädchen zu nah an mich heran. Nicht neben mir, sondern vor mir, ihre Schulter in meine Richtung zeigend. Das hat mich für den Rest des Tages fertig gemacht. Ich habe die ganze Zeit versucht "Sie schaut mich nicht an. Sie schaut mich nicht an. Sie schaut mich nicht an. Sie schaut in Fahrtrichtung und sieht mich nicht. Sie schaut mich nicht an." zu denken. Wahrscheinlich tat sie das sowieso nicht, aber selbst diese Gewissheit hätte mir zu dem Zeitpunkt wenig geholfen. Später stieg eine Kindergartengruppe ein, aber das hat vermutlich trotz der Tatsache, dass sie abgelenkt war, alles nur noch schlimmer gemacht, weil sie so viel Freude daran hatte, die Kleinen festzuhalten, wenn der Bus losfuhr.
Müsste ich versuchen, es zu beschreiben (und zu dem Zeitpunkt war alles andere einfacher, als mich auf soetwas zu konzentrieren), würde ich sagen, dass ich zwischen Angst und Verlangen zerrieben wurde. Als sich die beiden in etwa gleich schweren Blöcke gegeneinander drückten.
In einer idealen Welt wäre ich danach dem Mädchen über den Weg gelaufen, das ich nächste Woche dank allen möglichen Veranstaltungen öfters mal sehen könnte, und sie würde mich in den Arm und mir sagen, dass ich keine Angst haben muss, und dass sie mir nichts tun kann.
Hallo, grundlegende Instabilität.
17.12.11 01:27


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