fleurchen

thatgirlthere

dig.out.yr.soul

Play all day


(Tellerrand)




  Startseite
  Über...
  Archiv
  Groschenroman
  Retrospektive
  Disclaimer
  Packungsbeilage
  Gästebuch
  Kontakt
 




http://myblog.de/kaputo

Gratis bloggen bei
myblog.de





Monolith

Um halb 6 losfahren klang wie eine gute Idee. Dann würde ich pünktlich ankommen und auch sicher einen guten Platz finden.
Dann kam ich auf die Autobahn: Stau. Ich fuhr weiter: Stau. Dann kam die Baustelle, danach ging es befreiend schnell. Aber dann kam die nächste Baustelle, also: Stau. Und so weiter. Es ist schwer zu eruieren, wann das Gestocke in das Gegurke überging. Auf jeden Fall nahm ich eine nicht geplante Abfahrt von der Autobahn, weil ich ein Schild las und so bei mir dachte: "Hey, der Ortsteil kommt in meiner selbstgemachten Wegbeschreibung vor!" Naja, ja, aber irgendwie auch nicht so wie geplant. Das war aber auch vollkommen egal, weil ich dem Moloch schon viel zu nahe war und alles stillstand. An einer besonders beeindruckenden Stelle, es war in etwa die Zeit, die ich für den Einlass hielt, es wurde also langsam knapp, stand ich auf einer vollkommen verstopften Straße irgendwo im Grünen und fragte mich, wo ich eigentlich gelandet sei. Ich habe es dann in die Stadt geschafft und bin verwirrt durch die Gegend gefahren, aber da führte natürlich zu nichts. Also in ein Parkhaus, aussteigen, an den Bushaltestellen die Linienkarten absuchen. Half nichts. Leute fragen: "Weiter Weg von hier..." Da dachte ich mir dann: "Man, ist das ein Abenteuer. Ich hasse Abenteuer." Raus aus dem Parkhaus, weiterfahren. Irgendwo in einer Seitenstraße halten, noch mal Linienkarte konsultieren, ich nähere mich der Sache an. Also weiterfahren, in irgendeiner anderen beliebigen Seitenstraße halten, Leute fragen. "Ist noch n Stück, aber die Richtung da." Laufen. Hoffentlich weiß ich nachher noch, wo mein Auto steht. Noch mal Leute fragen: "Geradeaus. Einfach geradeaus." Geradeaus gehen, Leute treffen. Mit englischem Akzent: "Weißt du, wo hier ein Döner ist"? Dabei mit der Hand die Rauchbewegung machen. Warum labern mich immer Leute wegen Drogen an? Dann einer der beiden: "Du suchst Mono, oder?" Gedankenleser? "Da hoch, bei der Haltestelle." Weiterlaufen, Krach hören, Schild lesen: Beginn 9 Uhr (statt 20:30 wie das Ticket sagte). Da war es circa 21:03 Uhr. 3,5 Stunden für ungefähr 130 km. Uff.
Es wäre wirklich schade gewesen, hätte ich den Vor-Solokünstler verpasst. Der nette Mann saß 30 Minuten da, mit seiner Gitarre und vielen Effektgeräten, baute eine riesige Klanglandschaft auf und pinselte etwas Melodie darauf. Ambient-Noise, könnte man sagen. Wirklich gut, gerade für eine Vorband, an die ich wie immer exakt keine Erwartungen hatte. Das ganze so lange zu machen, ohne die aufgebaute Spannung in irgendeiner Form aufzulösen ist auch ein Ansatz, aber nicht unbedingt meiner, aber das wäre eigentlich der einzige Kritikpunkt. Dann war kurze Umbaupause. Zu der Zeit stand ich schon wirklich direkt vor der Bühne, stellte einmal sogar meinen Fuß darauf, um mir auf mein Knie gestützt die Effektgeräte genauer zu betrachten. Und fragte mich, wie da 4 Gestalten drauf passen sollen. Spoiler: Es ist machbar. Das ging so einfach, weil der kleine Raum recht leer war. Irgendwann in der nicht langen Pause, der Länge in etwa der Zeit entsprach, die der Mitarbeiter benötigte, alle Instrumente anzuschließen und zu testen, wurde auch die Setlist vor meine Füße geklebt. Da wiederum offenbarte sich etwas, was kein bisschen zum Lachen ist. Da stand "Moonlight", aber folgendermaßen: Moonlight. Und darunter "Everlasting Fires". D.h. ein nicht existierendes Stück, eigentlich geht um "Light". In meinem Kopf spielte ich verschiedene Szenarien durch: Die ganze Zeit mit dem Finger auf die durchgestrichenen Buchstaben klopfen. Der Band ganz dezent mitteilen, dass das so nicht geht, möglichst auf Japanisch. Auf die Bühne springen und es selbst anstimmen.
Als die Band die Bühne betrat, hatte ich mich noch nicht entschieden, wie ich es letzten Endes angehen würde. Ich entschloss mich also, fürs erste dem Konzert zu folgen, behielt das alles aber immer im Hinterkopf. Keine kluge Idee, sich quasi auf die Enttäuschung einzuschwören.
Und das Konzert war der Knaller. Zum einen stand ich ja quasi mitten in der Band, konnte also jede Bewegung beobachten (an Effektgeräten drehen, in geübter Reihenfolge 3 innerhalb weniger Augenblicke aktiveren, draufhauen, nochmal draufhauen weils nicht reagiert hat, und sowieso jeden Fingersatz). Sonst ist man auf Konzerten den Musikern ja selten nah, aber da war eigentlich nur ein guter Meter Abstand. Da ich mitgedacht und Ohrstöpsel mitgebracht hatte, konnte ich dem Sound auch etwas auf die Sprünge helfen, das nützt wirklich viel.
Hilfreich war auch, dass bevor es losging plötzlich ein hübsches Mädchen wie bestellt neben mir stand. Manchmal änderte sie auch die Position, um bessere Fotos zu machen. Aber mittendrin stand sie längere Zeit so neben mir, dass ihre Schulter fast gegen meinen Oberkörper stieß. Wenn ich nicht ganz genau hinschaue und in der Musik versinke, ist es leicht, mir dann vorzustellen, sie würde sich an mich anlehnen. Vom Gesicht her sah sie irgendwie aus wie Lena vom Grand Prix, und meine Uhr, der äußerste Punkte meines Körpers, stieß ständig gegen sie. Ich könnte schwören, während ich auf den Boden oder Bühnenboden geschaut habe, hat sie mich ein oder zwei Mal von der Seite betrachtet. Ich werde sie nie wiedersehen und sie nie vergessen.
Irgendwann musste es kommen, das letzte Lied, Nicht-Moonlight. Immerhin bekam es, sonst nicht so mein Favorit, ein neues Intro spendiert, das unerwartet kam und gut war. Das absurd laute Geschrammel am Ende erlaubte mir, meine Enttäuschung direkt damit zu betäuben, wofür ich dann die Ohrstöpsel rausnahm. Dann ging das Licht an, das Mädchen verschwand, ich schlenderte am Merchandise-Stand vorbei, freute mich für den Vor-Solokünstler, der Tonträger an den Mann brachte, und beschloss zu gehen. Nach wenigen Hundert Metern gab ich dem Drang nach und setzte mich auf eine Mauer am Gehweg. Die einzige Bezeichnung, die mir für das Konzert einfällt, ist "emotionally draining". Traurige Tabula Rasa. Gedankenbetäubend, Gefühle freilegend. Dem musste ich zu dem Zeitpunkt nachgeben und den Straßenbahnen beim Fahren zuschauen.
Dann ging ich mein Auto suchen, fand es, wenn auch nicht so reibungslos wie erhofft, und fuhr nach Hause. Die Fahrt dürfte anderthalb Stunden gedauert haben und ging bedeutend flüssiger von der Hand als die Hinfahrt. Wenn auch die eigentlich schöne südwestdeutsche Hügellandschaft nicht mehr zu sehen war. Berg und Tal hatten auf der Hinfahrt den schönen Effekt, dass man an manchen Stellen kilometerlange Reihen von Autos betrachten konnte.
Ich schlief so gut, dass ich im Grunde um 8 Uhr schon so wach war, dass ich hätte aufstehen können, schaffte es aber, es noch bis 11 Uhr herauszuzögern. Dass ich das letzte Mal freiwillig um 11 aufgestanden bin, muss ziemlich lange her sein. Und hätte ich öfters mal komplett freie Tage wie heute, würde ich vielleicht auch was geschafft bekommen, weil ich halbwegs erholt wäre. Morgen ist noch ein bisschen Uni, aber am Wochenende habe ich wieder viel Zeit und mache hoffentlich weitere Fortschritte mit meiner Übersetzung, damit die endlich ihrem Abschluss näher kommt.
Auf jeden Fall wird das das erste komplett freie und damit zwingend auch entspannte Wochenende seit fast einem Monat.
3.6.11 00:36


Untergang

Im Wirtschaftsseminar, zu dem ich trotz Verschlafen noch gerade rechtzeitig kam, war zufällig der Platz zwischen dem Bekannten und dem Mädchen frei. Kennt man ja, nichts neues, ist man gewöhnt. Ungewohnt war ihre Reaktion, als Blätter ausgeteilt wurden, der Dozent nicht genug hatte und jeweils zwischen dem Bekannten und mir sowie ihr und mir eins lag: Sie lächelte. Kurz dem Lachen kam sie erst zum Stehen, so breit lächelte sie. Das habe ich zu dem Zeitpunkt nicht verstanden, und jetzt verstehe ich es immer noch nicht. Es ist auch schwer, mir eine alternative Kette von Ereignissen vorzustellen, die auf verschlungenen Pfaden zu genau dem gleichen Ergebnis gekommen wäre. Heißt das jetzt, dass sie mich angelächelt hat? Ich wollte weder den Bekannten noch sie vor den Kopf stoßen, also habe ich abwechselnd in beide Richtungen geschaut. Aber im Endeffekt mehr in die falsche Richtung, weil da eben zufällig auch vorne war. Irgendwann schien ihr das ganze zu blöd zu werden und sie hat den Zettel an sich genommen.
Hier kommt die Quizfrage: Was ist da eigentlich passiert?
Der gestrige Tag war unglaublich erholsam, und so war ich heute (trotz Verschlafen) ganz munter und fast gut gelaunt.
Das hat sich inzwischen geändert. Möglicherweise half es nicht, dass es schon 6 war, als ich nach Hause kam, weil ich mich noch mit meiner neuen Tandempartnerin getroffen habe, die mit bemerkenswerter Leichtigkeit neue Gesprächsthemen aus dem Ärmel schütteln kann. Und obwohl zwei leere Tage vor mir liegen und ich ohne länger danach zu suchen keinerlei Verlangen nach Kontakt empfinde. Eher fühle ich mich in einem Wirbel gefangen, der sich immer schneller dreht (vorgestern laufe ich dem Mädchen nach, heute dem, am Montag einem anderen...) und mich unweigerlich unten ausspucken wird, wenn er mit mir fertig ist.
Sobald ich mich von Solitär loseisen kann, bin ich nicht mehr aufzuhalten. Ich sollte öfter Leute nach dem Weg fragen, eigentlich macht das Spaß. Müsste ich dafür nicht vor die Tür gehen, und noch dazu an mir unbekannte Orte, damit es glaubwürdig wirkt.
3.6.11 20:59


Turbulenzen

Eigentlich ist Wochenende, es sollte also gar nichts zu erzählen geben.
Freitagabend gab meine Glühbirne den Geist auf. Das war wichtig. Denn nur aus diesem Grund bin ich Samstag nach dem Aufstehen die wenigen Meter zum Elektrogeschäft gelaufen, um mir eine neue zu holen. Leider macht der Laden samstags um 1 zu, da war ich noch nicht mal aus dem Bett. Ich schaute, als ich zurückkam, in den Briefkasten und fand einen Umschlag, wie ihn Xuxici verwendet. Das war indes seltsam, hatte ich ihr doch gerade erst geantwortet. Es stellte sich heraus, dass es ein etwas anderer Brief war als sonst. Einer von der Sorte, wo man direkt sieht dass das, was da steht, nicht gleich dem ist, was die Schreibende eigentlich sagen wollte. Die logische Fortsetzung von etwas, das in etwa mit "Es ist mitten in der Nacht, ich fühle mich etwas unglücklich und habe deinen Brief noch mal gelesen und mich darüber gefreut." beginnt, ist nicht "Mein Computer ist kaputtgegangen." Ganz und gar nicht.
Meine Standardreaktion auf Leute, die sich mir zu plötzlich zu sehr nähern, war wie immer Angst. Angst, die jedoch beinahe ertrank in Fluten von Empathie, Machtlosigkeit und einem Beigeschmack Freude.

Ich hielt den Samstagnachmittag fälschlicherweise für halbwegs kühl und riss das Fenster auf. Das sollte sich noch rächen. Erstmal arbeitete ich aber ein paar Hausaufgaben ab, dann spielte ich zwei Stunden Gitarre. Irgendwie ging der Tag vorbei, die Nacht kam, ich schaute einen Film, danach wollte ich schlafen. Ging nicht. Um viertel vor 4, nachdem viele Erinnerungen an Taiwan hochgekommen waren (Den ganzen Tag nichts tun, in der Hitze eingehen, nicht schlafen können. Schöne Zeiten, zwei Jahre her.), entschloss ich mich zu einem Spaziergang. Zum Glück ging ich in kurzer Hose und T-Shirt. Als ich nach knappen 90 Minunten zurückkam, konnte ich auch schlafen.
Heute habe ich kurzentschlossen direkt die Rolläden unten gelassen, mich kurz verabscheut, weil ich so viel Zeit mit rumsitzen und Solitär spielen verschwende und dann wieder zwei Stunden Gitarre gespielt. Jetzt spüre ich meine Fingerkuppen.
5.6.11 21:00


Ich fuhr auf einer Schiene in einem kleinen Wagen um die Bänke eines riesigen Hörsaals herum, immer im Kreis. Immer wieder kam ich bei ihr vorbei. Einmal wandte sie mir den Kopf zu, sie hatte ihre Haare blond gefärbt, was einen seltsamen Kontrast zu ihrer bronzefarbenen Haut ergab, und sie sagte zu mir: "Du bist wie Musik."

Wenn ich vor die Tür gehe, funktioniere ich wunderbar und rede mit Leuten, aber eigentlich ist mir alles egal und geht mich nichts an. Wenn ich dann wieder zu Hause bin, legt sich die Schwere auf meine Schultern. Eine schöne Konstante in meinem Leben.
Dabei habe ich doch viel abgearbeitet am Wochenende und muss daher jetzt kaum noch was dringend erledigen. Leider ist das immer noch kein ferienähnlicher Zustand. Dafür ist aber der nächste Montag ein Feiertag, Dienstag fällt mein einziger Kurs aus, Mittwoch hab ich den Nachmittag frei und für Freitag muss ich keinen Text schreiben. Ich glaube, die nächste Woche wird toll. Ich bin so ferienreif. Immer noch, schon wieder, es ist als wäre das ein permanenter Dauerzustand, der nie aufhört.
Da ich nachtragend bin, habe ich mir Setlists von anderen Mono-Konzerten angeschaut und bin jetzt der festen Überzeugung, die denkbar schlechteste Wahl getroffen zu haben. Leider wäre alles andere doppelt so weit weg gewesen.

Ich wünschte, irgendjemand würde mir das Gefühl geben, wichtig zu sein. Ich wünschte, niemand würde jemals merken, dass ich nur die Bestätigung von ihm brauche.
7.6.11 22:41


Nadel & Heuhaufen

Soziale Netzwerke sind noch um einiges besser als niedrigschwellige Kommunikationsangebote. Unter den Leuten, die ihren Besuch des Mono-Konzerts publik gemacht haben, war das Mädchen, das neben mir stand. So weit, so nutzlos. Bis auf das Foto, natürlich.
Nur laufe ich seit dieser Entdeckung mit weit aufgerissenen Augen durch die Stadt und traue mich kaum noch, auf den Boden zu schauen, denn sie hat einen für beide Seiten fatalen Fehler gemacht. Ihr sonst so hermetisch abgeriegeltes Profil lässt im Grunde nur durchblicken, welche Universität sie mit ihrer Präsenz ziert: eben die, die verhindert, dass ich den ganzen Tag in meinem Zimmer sitzen kann.
Seitdem laufen in meinem Kopf parallel zwei Gedankenstränge: 1. Was wäre wenn? 2. Vor- und Nachteile einer Kontaktaufnahme.
Punkt 1 bedarf kaum einer weiteren Erläuterung. Punkt 2 fängt folgendermaßen an: Wenn ich sie anschreibe, bin ich sowieso schon mal der Held. Wenn sie nicht reagiert, würde ich das schade finden, aber wohl kaum weiter tragisch. Wenn sie reagiert, stehe ich an einer neuen Gabelung, und der gangbarere Weg ist der gute alte, dass sich alles im Sand verläuft. Kennt man ja. Das ist aus meiner Perspektive, ihre ist um einiges einfacher darzustellen: Wenn ich sie anschreibe, bin ich ein gruseliger Stalker. Denn sowieso und auf jeden Fall hat sie einen Freund und 20 solcher stiller Verehrer. Selbst wenn sie einsam ist, ist das immer noch Kontakt mit mir vorzuziehen. Würde ich nicht anders machen.
Aber unter solchen Bedingungen kann ich nicht arbeiten.
9.6.11 23:54


Dass das Mädchen aus dem Wirtschaftsseminar neben mir sitzt, ist fast schon zur Gewohnheit geworden. Sofern sie denn kommt. Das heisst aber noch lange nicht, dass ich mich auch nur ein bisschen daran gewöhnt hätte. Genauer gesagt macht es mich extrem nervös. Positiv aufgeregt. Unruhig.
Ich laufe wieder, und das schnell genug, offensichtlich. Nur darf ich nicht langsamer werden oder gar stehen bleiben, sonst holt es mich ein.
Und das Ziel scheint nicht die Rückkehr des Mädchens, das gerade weit weg ist, zu sein. Nach dem Januar-Ereignis (sie und Freund) und nachlassender Email-Frequenz sind meine Gefühle freiwillig nach und nach in die Gefriertruhe umgezogen. Es ist kaum mehr als ein Monat, bis sie wieder heimischen Boden unter den Füßen hat, und meine Vorfreude hält sich in Grenzen.
Obwohl sich die akuten Auswirkungen eines Wiedersehens kaum vorhersagen lassen.
10.6.11 22:29


Obwohl morgen ja ein Feiertag ist, bin ich heute schon wieder in meine eigene Wohnung gefahren. Die offizielle Begründung ist, dass ich was für die Uni tun will. Aber es kommt auch dazu, dass ich meine Ruhe haben will. Gestern Abend fragte meine Mutter mich dann folgerichtig, ob sie mir lästig seien. In einem Ton, der die wahren Intentionen gut verbarg. Ich habe nicht darauf reagiert.
Es ist so bezeichnend. Sie hat keine Szene gemacht, nichts. Aber trotzdem scheint es ihr offensichtlich nicht recht zu sein, dass ihr 23 Jahre alter Sohn, der sowieso jedes 2. Wochenende nach Hause kommen muss, und gerne mal dazwischen auch wenn Arbeit anfällt, nicht jede freie Minute daheim verbringt.
Weil ich es ihr nicht ins Gesicht sagen kann, sage ich es hier: Hätte ich irgendeine Form von sozialem Leben, wäre das dadurch äußerst eingeschränkt. Die meisten Leute fahren viel viel seltener nach Hause. Ab und zu muss man für die Uni auch mal was tun (ich habe bisher noch nie eine Hausarbeit in den Semesterferien schreiben müssen und war immer zu Hause zur Hand), zumal im 7. Semester. (Eigentlich darf ich das nicht mal sagen, weil ich faul bin. Andere Leute müssen jobben. Eigentlich habe ich gar kein Recht, mich überhaupt zu beschweren, weil ich käuflich bin.)
Sie verrät sich jedes Mal, wenn sie sagt: "Wenn die Leute dich so sehen, denken die, was der für eine Mutter haben muss."
Ich ende als Rektor Skinner.
12.6.11 22:17


Nicht gerührt

Sonst ist es ja die Schwere, die mir zu schaffen macht. Aber seit gestern ist es anders, mehr eine Trostlosigkeit, oder Abscheu. In Verbindung mit allgemeiner Schwäche.
Weil ich die letzten 3 Tage vollkommen frei hatte, habe ich ausgeschlafen. Gestern und heute war ich schon ziemlich früh das erste Mal wach, blieb aber bis 12 liegen. Das war jeweils der Höhepunkt des Tages. Gestern habe ich ein bisschen was für die Uni gemacht und den Rest des Tages entweder mit Lesen oder Gitarre spielen verbracht. Letzteres funktionierte aber mal wieder gar nicht. Abends wollte ich zocken, aber das war dann ein vollkommenes Desaster. Ich scheine keinerlei Kontrolle mehr über meine Feinmotorik zu haben.
Heute stand ich auf, aß etwas, und ging in die Bibliothek, um an meiner Hausarbeit weiterzumachen. Das klappte soweit ganz gut, jetzt muss ich es nur noch ausarbeiten. Mittendrin erschien Mai wie aus dem Nichts, sah mich, kam zu mir, berührte kurz meinen Arm und fragte, wie es mir geht. Ich antwortete, aber noch bevor ich mich vollständig ausgegraben hatte, aus meiner in mir selbst versunken Schweigsamkeit, war sie schon wieder verschwunden. Mir kam es vor, als würde ich in Zeitlupe leben, während sie mich wie ein Kolibri umschwirrt.
Als ich mich für fertig erklärt hatte, ging ich ein Mousepad kaufen, nachdem die Hauptfunktion meines alten darin bestand, Gummiteile der sich auflösenden Unterseite an den Tisch zu kleben. Das Ding gab es damals, vor rund 7 Jahren, zu meinem Mainboard, glaube ich, kostenlos dazu. Es ist noch nicht ganz so lange in Benutzung, aber was machen in diesen Dimensionen schon ein, zwei Jahre. Natürlich führte mich mein erster Gang zur Musikabteilung im Laden. Als ich bei den Schallplatten stand und sie durchkramte, in der Hoffnung, irgendetwas zu finden, was mich interessieren könnte, stellte sich plötzlich ein Mädchen neben mich und machte mir Angst. Einfach indem sie dastand und auch Platten guckte. An Tagen wie heute hinterlässt ein laues Frühlingslüftchen die gleichen verheerenden Schäden wie ein durchschnittlicher Orkan. Danach ging ich, weil ich sowieso in die Richtung musste, noch in einen richtigen CD-Laden, einfach so, fand aber nichts. Aus Protest, und weil ich mich glücklich konsumieren wollte, kaufte ich vollkommen blind ein Album einer vollkommen unbekannten Band mit einem schönen Cover. In der Stadt schienen mehr verunstaltete Monster herumzulaufen als Menschen.
Vorhin wollte ich dann wieder zocken, aber es war genauso schlimm wie gestern. Als ich vorher noch ein bisschen Gitarre gespielt habe war es kaum anders.
Vielleicht ist es die nagende Schuld.
14.6.11 22:00


Obwohl ich des öfteren einen Anflug von Motivation habe, dessen Grundlage der Gedanke ist, dass mir die blutige Nase, die ich mir bei einer Abfuhr holen werde, auch nicht mehr weh tun kann als der ganze andere Rest derzeit, sträubt sich doch der weitaus größere Teil immer noch, die Kontaktaufnahme zu riskieren. Das Kriterium ist schließlich: Würde sie sich freuen? Und da sieht es wenig rosig aus. Woher ich das weiß? Ich würde mich freuen -> mal minus eins = Ergebnis.
Stattdessen stelle ich mir Sachen vor. Die Vorstellung, dass wir uns schon mal über den Weg gelaufen sind, finde ich irgendwie romantisch. Ich habe auch irgendwann mal einen Film gesehen, wo sich zwei Leute in einer Stadt gesucht haben, und dann wurde ständig gezeigt, wie knapp sie sich verpasst haben. Solche Montagen erscheinen dann in meinem Kopf. Und kennt ihr den Witz mit dem Kuckuck und dem Hai, die sich begegnen? Das wäre doch der ideale Einstieg.
Eine andere Sache, die ich in den letzten 3 Tagen ausgiebig gemacht habe, ist Gitarre spielen. Nach kaum einem Monat sind meine Saiten schon wieder ziemlich im Eimer, also scheint das derzeit eine meiner Lieblingsbeschäftigungen zu sein. Auf jeden Fall hat es heute halbwegs hingehauen. Genau wie zocken heute Abend, aber egal. Der Punkt ist, dass ich mich fragen muss, ob ich an einem Punkt bin, wo Liebhaberei nicht mehr ausreicht um weitere Fortschritte zu machen, sondern Talent gefragt wäre. Es ist weniger rational begründbar, womöglich sind die Soli aus "Stairway to Heaven" und "Afraid to shoot Strangers" ja wirklich anspruchsvoll, das ist absolut kein abwegiger Gedanke. Vielleicht braucht das Zeit. Aber vielleicht bin ich auch an einem toten Punkt angelangt.
Es kann allerdings auch sein, dass das hier schlechte Tage sind, um solche Fragen zu diskutieren. Ich weiß nicht, ob mir irgendjemand einen Stock in die Speichen geworfen hat, so nach dem Motto "Freie Tage? Das kriegen wir ungenießbar gemacht!", oder ob das eine normale Reaktion auf den Abfall des Stresses ist. Vielleicht sind es auch Entzugserscheinungen, weil der Stress mich ablenkt. So oder so sträubt sich mein Körper.
Ein bisschen produktiv war ich trotzdem. Meine Hausarbeit nimmt weiter Form an, und ich habe gestern Abend meine beiden ersten Bewerbungen für Praktika verschickt. Der Anfang ist gemacht. Ich darf mich also jetzt auf eine Flut von Absagen gefasst machen.
Der Blindkauf ging leider in die Hose, es handelt sich um etwas, das wie eine uninspirierte Version der frühen Led Zeppelin klingt. Hätte ja klappen können.
Nach langer Wartezeit kam jedoch die Antwort des Mädchens auf den Bildern. Ich bin mir unsicher, ob ihre Wortkargheit dadurch wettgemacht wird, dass sie die Formulierung "wenn wir uns mal wieder sehen" ziemlich offensiv benutzt. Vielleicht kann sie gut Leuten genau das sagen, was sie hören wollen. Vielleicht denkt sie das auch. Immerhin hat sie mir gezeigt, dass ich es manchmal hinbekommen kann, den Kontakt aufrecht zu erhalten.
15.6.11 23:24


Manchmal wäre es schön, schöne Mädchen nicht zwanghaft anstarren zu müssen. Oder sich nicht zu Tode zu erschrecken, wenn sich eine auf dem Stuhl neben meinem streckt, dabei etwas in meine Richtung kommt und es aus den Augenwinklen so aussieht, als würde sie sich an mich anlehnen. Oder körperlich nicht vollkommen im Eimer zu sein, ohne zu wissen, warum.
Die passende Musik, ihr verpixeltes Foto anzuschauen und mit meiner Entscheidung, keinen Kontakt aufzunehmen, zu hadern, ist "Shine on you Crazy Diamond (Part I)" mit seinem zarten, ruhigen, elegischen Aufblühen. Die passende Textzeile liefert der zweite Teil: "Nobody knows where you are, how near or how far."
Gestern lief ich einem ehemaligen Mitschüler aus meiner Stufe über den Weg, was höchstens ein Mal pro Semester passiert. Ich hoffte insgeheim, dass das der Anfang eines Laufes sein würde, Leute auf der Straße zu treffen. Dem war natürlich nicht so.
17.6.11 23:17


 [eine Seite weiter]



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung