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Wenn ich morgens in aller Herrgottsfrühe zu meiner Mitfahrgelegenheit latsche, sieht der Mond in dem Licht kurz vor Sonnenaufgang aus wie Yavin 4. Ich sollte irgendwann mal ausrechnen, wie viel Geld ich mit der Mitfahrgelegenheit spare, das macht mich sicher glücklich.
Gestern war mein Betreuer da und hat mir meine Aufgabe dargelegt: Recherchieren, welche Schritte notwendig sind, wenn die Firma einen Standort in China hochziehen will. Ich arbeite nur die Präliminarien dazu ab, trage also kaum echte Verantwortung. Gut so. Andererseits ist das schon anspruchsvoll genug, da ich überhaupt keine Ahnung von der Materie habe und mich deshalb bisher nur durch Gesetzestexte und grobe Leitfäden vom IHK wurschtele. Ich muss noch mal mit ihm reden. Ein anderer Mitarbeiter hatte noch eine richtige Praktikantenaufgabe für mich, virtuelles Aktensortieren. Aber ich war wohl zu schnell und heute schon fertig. Außerdem sollte ich noch auf eine sowieso wenig erfolgsversprechende Anfrage in deren Muttersprache antworten, nur um dafür mal ein Gefühl zu bekommen. Leider kann mein PC die Sprache nicht, also warte ich auf die IT-Abteilung.
Gestern war ich damit gut beschäftigt, heute wurde es im Laufe des Nachmittags immer zäher. Ich stelle mir dann vor, ich würde dort ab jetzt 40 Jahre lang fünf Mal die Woche hinfahren. Und lese weite Teile von Zeitungen online.
Als ich Feierabend machte, achtete ich zum ersten Mal auf eine Vitrine, in der Auszeichnungen und Urkunden standen. Meine Mitfahrgelegenheit, über die ich auch Kontakt zu der Firma aufgenommen habe, und der Personalchef haben zusammen an einem Duo-Marathon teilgenommen.
Erkenntnis.
Dabei kennt der mich kaum. Und jetzt sitze ich ungewollt da rum und kann nicht mal irgendwas tun, um mich zu rechtfertigen, weil es für mich einfach nichts zu tun gibt.

Gestern Abend habe ich wieder eine Mail nach ganz weit weg geschrieben. Jetzt kann ich mich wieder auf ihre Antwort freuen. Heute Abend wollte ich CS spielen, um mich zu erfreuen, aber der Server war so leer.
2.3.11 21:24


Der Morgen ging noch recht flott über die Bühne, ich hab irgendwie eine produktive Aktivität gefunden, der ich nachgehen konnte.
Um die Mittagszeit kam ein Mädchen ins Büro und fragte, ob jemand was für die Post hätte. Das kam heute zum ersten Mal vor. Da hätte ich eigentlich schon ahnen können, was passieren wird. Allerdings ist es zu entschuldigen, wenn ich nicht so weit gedacht habe.
Der Nachmittag zog sich aber schon ziemlich hin. Irgendwann kam der Kerl vom Personalbüro wegen dem Vertrag, und irgendein Licht blinkte in mir, als ich ihn sah. Als er mich dann später fragte, ob ich auf dem Gymnasium war und erklärte, in der Mittelstufe in einer Parallelklasse gewesen zu sein, dämmerte es sehr sehr langsam. Er arbeitet auch noch nicht so lange da. Dass er sich aber an mich erinnert und mich zuordnen konnte, das war wirklich verwunderlich. Ich bezweifele ja, dass wir uns jemals auch nur Hallo gesagt haben.
Nach Dienstschluss ging ich wie üblich in die Lobby, um auf meine Mitfahrgelegenheit zu warten. Gerade als ich eintrat, sah ich durch eine Zimmerpflanze, wer am Empfang saß, verlor den Boden unter den Füßen, wurde angelächelt und kam im hohen Bogen wieder auf dem Boden der Realität an. Wie immer setzte ich mich mit dem Gesicht zum Ausgang. Ich hatte enorme Schwierigkeiten, mich nicht die ganze Zeit umzudrehen. Im Gegensatz zu sonst ging ich nicht zum Empfang und nahm mir die dort ausgelegte Tageszeitung als Lektüre.
3.3.11 22:43


Steuerzahler melkt Staat

Eine weitere meiner hanebüchenen Thesen ist ja, dass es egal ist, was man macht, denn solange man etwas macht, kommt am Ende etwas dabei raus. Oder überspitzt gefragt: Was ging je schlecht aus?
Vor einiger Zeit parkte sich ja eine Baustelle um mein Auto, die Polizei kam, aber alles ging glimpflich aus und ich musste nur meinen Wohnsitz registrieren. Das nervte mich. Außerdem bin jetzt Protest-Nichtwähler geworden, da ich zum Termin nicht an meinem sogenannten "Hauptwohnsitz" bin. Und der Brief von der GEZ ist sowieso schon lange gekommen.
Aber. Im nächsten Semester bekommt man das Semesterticket erstattet, also über 130€, wenn man nach dem 1.1. seinen Hauptwohnsitz verlegt hat. Und da ich vermutlich nicht mal mehr so extrem lange da wohnen werde, ist das ein Gewinngeschäft, da die GEZ-Gebühr, der ich dank großer Fenster nicht entkomme, nicht diese Höhe erreichen wird. Da hat sich die Stadt selbst in Knie geschossen und das freut mich.

Eigentlich hatte ich erwartet, um 2 Uhr Feierabend zu haben, aber es ging stur weiter bis halb 5. Das fand ich nicht lustig. Immerhin hat mein Betreuer mit mir über meine bisherigen Ergebnisse geredet, das für ganz annehmbar befunden und, noch wichtiger, mir aufgezeigt, was noch zu konkretisieren ist. Also hatte ich wenigstens ein bisschen was zu tun.
Das Mädchen ist mir natürlich nicht über den Weg gelaufen.
In letzter Zeit habe ich so eine präsente Ahnung von der Unmöglichkeit geistiger Nähe, was aber irgendwie nur dazu führt, dass ich die sowieso schon idealisierte weil unerreichbare und doch schon gestreifte körperliche Nähe noch stärker idealisiere.
Manchmal denke ich an das Mädchen, das sich vor einem Monat im Restaurant so nah neben mich gestellt hat, dass sich unsere Schultern berührt haben.
4.3.11 23:10


Der Vorteil von Arbeiten gegenüber Studieren ist, dass man sich zu Hause zu keinem Zeitpunkt über irgendwas Sorgen machen muss und in der Folge exzessiv Counter Strike spielen kann. Außerdem habe ich mich über Spaceballs, den Film der mit jedem Mal schauen nur noch lustiger wird, und Gitarre spielen an sich gefreut. Das war's aber auch schon. Ausschlafen zu können, darüber habe ich ich mich wohl auch noch gefreut.
Gestern habe ich mir Einträge vom letzten Semester durchgelesen, und jetzt vermisse ich sie noch mehr. Das war aber irgendwie auch Sinn der Sache.
6.3.11 23:08


Kontrast

Gestern habe ich sie 3 Mal gesehen. Das war mit Sicherheit der schönste Tag im ganzen März, und allzu viel Konkurrenz aus Februar und Januar hat er auch nicht zu befürchten.
Dieser kurze aber revitalisierende Energieschub, den das ausgelöst, hat mir gezeigt, was fehlt. Und dass ich mich offensichtlich schon sehr lange nicht mehr lebendig in irgendeiner Form gefühlt habe. Und zwar so lange, dass es mir nicht mal aufgefallen ist.
Gestern waren wenigstens noch ein paar Leute da, heute war gefühlt der ganze Betrieb leer. Besonders das Büro, in dem ich sitze. Und ich hatte nichts zu tun. Absolut gar nichts. Da ich alles Interessante aus den Onlineausgaben deutscher Zeitungen rausgezogen habe, kamen heute amerikanische dazu. Amy Chua ist zum Beispiel so ein spannendes Thema, an dem man viel ablesen kann. Dass und wie man sowas in Schutz nehmen kann, zum Beispiel.
Noch dazu lag heute eine schwere Melancholie über allem.
8.3.11 21:32


Ein seltsamer Tag in vielerlei Hinsicht.
Morgens, nicht lange nach Dienstbeginn, sollte ich zu meiner Kontaktperson kommen, der 1500 Briefe einzupacken hatte. Ich traf alles etwas unvorbereitet an, jemand führte mich in das Büro, in dem sie saß, und befahl mir, mich irgendwo hinzustzen. Sie saß mit dem Rücken zu mir am PC und ich betrachtete eingehend die Wand links von uns, es könnte sich ja etwas im Monitor spiegeln. Dann wurden 2 andere Praktikanten und ich in einen Raum gesteckt und die Arbeit ging los. Der eine kommt von den Philippinen, schaut viele taiwanesische Serien und hat auf die Art versucht, Kontakt aufzubauen. Irgendwie haben wir auch sonst geredet, aber er hat das Thema sehr oft aufgebracht. Leider hatte ich damals eben keinen Fernseher. Und mit dem Interesse verhielt es sich ähnlich. Die andere hat uns gefühlt ihre ganze Lebensgeschichte erzählt. Aber der Punkt ist, wenn man mal mit Leuten einer ähnlichen Altersgruppe in der gleichen Situation steckt, unterscheidet sich das von den restlichen Tagen, wo man als Fremdkörper in einem normalen Büro sitzt mit Leuten, die wirklich wissen was sie tun. Und ich habe mich an einem der Umschläge geschnitten, was wirklich weh tat. Zum Glück hat es nicht geblutet.
Es wurde zwar von anderen Praktikanten und Azubis geredet, aber keiner sagte etwas über sie. Als ich den Kerl mittags in die Kantine begleitete, stand sie gerade auf und ging. Leider haben wir die Arbeit auch so geschafft und mussten keine Verstärkung rufen. Als ich später in der Lobby auf meine Mitfahrgelegenheit wartete, ging sie auch gerade. Entweder lächelt sie durchgehend oder [Gedanke, den ich nicht zulassen kann.]
10.3.11 23:56


Gestern hatte ich eine weitere Besprechung mit meinem Betreuer bezüglich meiner Recherche zum Firmenaufbau in China. Nächste oder übernächste Woche soll ich meine Ergebnisse mal einem aus der Chefetage vortragen. Oha. Ein weiteres Problem ist, dass er es verständlicherweise gerne so konkret wie möglich hätte, mir dafür aber an allen Ecken die praktische Erfahrung in sowas fehlt, ganz abgesehen davon, dass die unkonkreten Dinge wie Gesetze schon schwer genug zu finden sind.
Manchmal wüsste ich gerne, warum ich das mit diesem Mädchen tun muss.
Aber dann fällt mir die Antwort wieder ein: Weil es ohne das Objekt zum Anhimmeln gar nicht auszuhalten wäre derzeit.
Gestern Abend dann war ich bei meinem Cousin und wir haben LAN gemacht. Keiner hatte irgendwelche Spiele installiert, also waren wir erst mal damit beschäftigt, irgendwas zusammenzukratzen. Aber das hat zur Lustigkeit eigentlich nur beigetragen. So gegen 12 ist er dann auf eine Party gefahren und ich ging nach Hause.
Zwischendrin hat er mir noch empfohlen, mir eine Serie zu ziehen, die mir schon mal jemand empfohlen hat. Sie. Big Bang Theory. Ich erinnere mich, dereinst reingeschaut zu haben, womöglich auch schon vor der Empfehlung, und dass ich dem nichts abgewinnen konnte. Vielleicht, wenn ich es konzentriert schaue, und konzentriert daran denke, mit wem mich das verbindet und mit wem ich dann darüber reden und eine weitere Gemeinsamkeit finden kann, vielleicht klappt es dann.

Die Möglichkeit eines Gaus, egal wo, finde ich beunruhigend. Und an der Stelle hat noch nicht mal meine Ratio eingesetzt und mich daran erinnert, wie viele Leute ich in der Region kenne, die davon weitaus unmittelbarer betroffen sind (direkt vermutlich aber nicht). Und dass sie zwar ganz weit weg von mir ist, aber nicht davon.
12.3.11 22:26


Trugschluss

Ich weiss nicht, ob es Arbeiten an sich ist, die Ferien und die damit einhergehende Isolation, meine Müdigkeit (was man auch unter Punkt 1 als Unterpunkt einsortieren könnte) oder die Tatsache, dass ich sie schon 7 Monate nicht mehr gesehen habe. Wahrscheinlich sowieso eine tödliche Mischung aus allem.
Ich klammere mich an die Hoffnung, dass sie mir bald schreibt und ich mich darüber freue.
Das ist alles, was mir geblieben ist.
13.3.11 22:50


Kraft der Verzweiflung

Irgendwie, und das mag jetzt trivial erscheinen, habe ich es geschafft, Mai zu fragen, ob sie mir das Foto von dem Mädchen das gerade ganz weit weg ist und mir schicken kann.
Das ist schon böse in der Nähe von "Mit irgendjemandem darüber reden", und eigentlich noch krasser, als mir damals an einem Abend im Gespräch mit dem Typ zwei Mal ihr Name nur halb ungewollt rausgerutscht ist, so dass ich jetzt Angst habe, von irgendwoher ein Messer in den Rücken gerammt zu bekommen.
Irgendwie hoffe ich, dass sie es mir einfach wort- und kommentarlos übermittelt. Auch wenn sie sonst ja vieles instinktiv richtig macht, diese Gratwanderung wäre dann doch zu viel verlangt.
Wahrscheinlich macht sie auf dem Foto sowieso ein komisches Gesicht und ich schaue wie immer dumm aus der Wäsche wie ein begossener Pudel.
15.3.11 23:02


Es erstaunt mich, wie faul ich sein kann. Ich habe noch nie in meinem Leben so viel Zeitung gelesen wie jetzt, im Praktikum. Ich sitze dann alleine im Büro für 4 Leute, jemand sucht händeringend nach Aufgaben für mich und mein Betreuer lässt mich frei arbeiten. Diese freie Arbeit bestand ja von Anfang an darin, einen Haufen Texte, vor allem Gesetze, Verordnungen und dergleichen, zu lesen. Am Anfang gab es noch viel in englischer Übersetzung und viel war zielführend, inzwischen ist das nicht mehr so, meine Ergebnisse haben schon einen gewissen Stand erreicht, jetzt ist das wenigste in verständlichen Sprachen geschrieben. Morgens, wenn die Kraft noch ausreicht, setze ich mich dann halbherzig daran und ändere dann noch ein, zwei Zeilen meiner Präsentation ab oder füge zwei bis drei hinzu. Dann mache ich ausgedehnte Mittagspause, und wenn händeringend Aufgaben für mich gefunden wurden, erledige ich die auch. Aber Datenbankeintragungen sind auch kräftezehrend weil vollkommen stumpfsinnig, das kann ich nicht ewig machen. Heute immerhin kam eine nette Aufgabe: eine englische Präsentation ins Deutsche übersetzen. Aber wie gesagt. Viel Zeit verbringe ich auf den Seiten von Zeitungen. Man könnte es Arbeitsverweigerung nennen.
Weder Mai noch das Mädchen in ganz weit weg haben von sich hören lassen. Bei der einen wird es langsam mal Zeit, wegen der anderen sterbe ich jeden Tag tausend Tode, wenn ich mein Postfach öffne, weil mir ihre Reaktion Angst macht.
Unberührt davon habe ich vorgestern von der Ablenkung von der Ablenkung geträumt. Sie hat sich neben mich gesetzt und mich ganz nah herangezogen. Seit ich nicht mehr von Hinrichtung und Verfolgung träume, ist es das eine Muster, das sich ständig wiederholt.
17.3.11 22:57


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