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Eine der lustigen kleinen Gesten am Dienstag war, als sie beschloss, dass wir nicht über einer stumpfen Ecke nebeneinander sitzen sollten. Und ich kann heilfroh sein, dass wir uns zum Essen treffen und sie mit offenen Haaren nicht essen kann. Würde sie die Haare offen tragen, wäre ich nämlich kein besonders aufmerksamer Gesprächspartner, sondern würde einfach nur paralysiert dasitzen und sie anstarren.
Überhaupt. Diese schwankend starke Melancholie ist immer noch weit über "unerträglich".
Gestern, als ich mich mit meiner Tandempartnerin traf, saß sie auch in der Mensa rum, also ging ich sie begrüßen. Sie bot mir direkt an, mich zu ihr zu setzen, aber ich hatte ja Verpflichtungen.
Heute bekamen wir die Japanisch-Klausur zurück. Die Lehrerin hat folgende Fehler mir bei gefunden: Ein "kleines Tsu" fehlt, und statt "zu" habe ich "su" geschrieben. Folgende Fehler hat sie übersehen: "ki" statt "kin". Mir fehlt sowas. So entspricht alles genau meiner Motivation. Es ist keine Herausforderung, ich muss wenig machen, und am Ende sieht es so aus, als hätte ich was geschafft, sonst hätte ich ja keine gute Note bekommen.
26.1.12 23:22


Wonne

Ich weiß gar nicht, was ich noch dazu sagen soll. Wenn es keine Ausreißer in irgendeine Richtung gibt (und für krasse Ausreißer nach oben ist derzeit realistisch betrachtet wenig Platz), ist es wie immer. Wundervoll. Nur mit stark übertriebenen Metaphern wirklich zu fassen.
Und dabei ist es immer so wenig, was nach Außen hin passiert. Es ist einfach die Tatsache, dass sie da ist.
Ein Teil von mir freute sich, weil und wie sie von einem Gespräch mit ihrem Freund erzählte, wo er ein sehr unlogisches Argument brachte, und sie sich dann diese Einschätzung von mir bestätigen ließ. Meist erwähnt sie ihn zum Glück selten.
Ich bin mir vollkommen bewusst, dass ein Teil dieser "Freundschaft" (oder sowas) auf unerwiderten Gefühlen beruht. Aber es ist eben nur ein Teil. Und den lebe ich nicht zügellos aus, indem ich irgendwelche Andeutungen in die entsprechende Richtung mache. Wie weit ihr das bewusst ist, weiß ich nicht, aber ich dränge ihr das Wissen auch nicht auf. Es ist mehr, als würde ich die Gefühle in Kauf nehmen, weil ich ohne sie nur selten Motivation habe, mich für irgendjemanden zu interessieren.
Ich bin fast wie dieser Mensch in dem beliebten Satz, mal minus Eins. Ich laufe am großen Glück vorbei, um das kleine zu finden.
Dennoch wäre es utopisch, zu hoffen, dass die Melancholie nur deswegen verschwindet.
24.1.12 21:42


Die letzten Tage habe ich jeden Abend mit meinem Kumpelcousin über Internet WC3 gezockt, aber drei Irrsinnige haben wir immer noch nicht besiegt. Nur heute zwei Irrsinnige und einen Normalen. Jaja. Zeit haben ist schon was Angenehmes.
Heute war die Japanisch-Klausur. Und die war nicht sehr schwierig.
Ansonsten war nicht viel. Das ändert sich aber vielleicht morgen, wenn ich sie wiedersehe. Nach fast 72 langen Stunden ohne sie.
23.1.12 23:52


Just for a Day / Schwarze Null

Donnerstagabend kam mein Kumpelcousin noch kurz vor 12 an und wollte Warcraft 3 zocken. Dann auf. Da wir drei Irrsinnige Bots noch nicht klein kriegen, meinte er, wir sollten das mal konzentriert angehen und uns eine Taktik überlegen. Er plant außerdem eine LAN, wenn seine Eltern weg sind, und nachdem er später unsere alten Counter Strike-Videos ausgegraben hatte, setzte er sich in den Kopf, auf der LAN ewig viel CS zu spielen und möglichst viel davon aufzunehmen und etwas daraus zusammenzuklatschen.
Ich mag gemeinsame Ziele.
Freitagnachmittag spielte ich etwas Gitarre, sogar mit angeschlossenem Verstärker, und bei "Moonlight" passierte etwas, das schon lange nicht mehr passiert ist. Würde ich es stark beschreiben, würde ich sagen: Ich habe wieder eine Verbindung mit meinen eigenen, verschütteten Gefühlen aufgebaut. Oder etwas schwächer: Es hat eine emotionale Reaktion ausgelöst.
Danach ging ich zum Typ, LAN machen, was tatsächlich Spaß machte. Die nach so etwas zwangsläufig folgende Leere fiel zwar nur unmerklich schwächer aus als sonst, aber das trübte den Eindruck nur ein wenig.
Ich war zwar erst um 3 Uhr zu Hause, stand aber heute (nicht mehr so ganz) pünktlich um kurz vor 9 auf, um zu Kantonesisch zu gehen. Man merkt, dass es schlimm steht, wenn man samstags um halb 10 nach einer kurzen Nacht dasitzt und nicht stöhnt: "Ich könnte im Bett liegen, lerne aber diesen Dialekt, mit dem ich in der echten Welt nicht viel anfangen kann.", und es stattdessen als eine Art Götzendienst betrachtet. Zwei Nachmittage, die mein Leben verändert haben? Zumindest geschätzte sieben Stunden, die einen über Gebühr starken Einfluss ausüben. Und ich kann immer noch nicht sagen, nach all der Zeit immer noch nicht sagen, was es war. Vielleicht kann man es mit Hilfe der Libido erklären, die sich an Ersatzobjekten auslässt. (Ich bin mir nicht sicher, ob ich mehr C. G. Jung lesen sollte, oder weniger.) Und vielleicht wurde sie deshalb so stark, weil hier eine fatale Mischung vorlag: Ein hübsches, beliebtes, warmes und geistig recht reifes Mädchen mit einer zurückgehaltenen, aber doch immer spürbaren Verletzung an irgendeiner Stelle. Außerdem sieht sie gut aus. (Auf die Frage, in welchem Ausmaß ich oberflächlich bin, kenne ich, nebenbei, keine Antwort.) Unter solchen Vorzeichen ist es also das Mindeste, was ich tun kann, wenn ich meine Wochenenden damit verbringe.
Irgendwie habe ich es dann nach dem Kurs geschafft, für die Japanisch-Klausur zu lernen, statt zu schlafen. Nachdem ich so und mit Lesen drei Stunden totgeschlagen hatte, ging ich zu der Veranstaltung. Es war auch ganz erträglich, ohne dass ich viel mit ihr zu tun hatte. Das kam erst am Ende, und da machte sie zwei seltsame Sachen. Ziemlich zeitgleich sogar. Zum einen nahm ich an, dass der Bart den negativen Nebeneffekt haben würde, dass Leute mich nicht mehr für 18, 19 halten. Er hindert sie wohl aber nicht daran, mich für 21 zu halten. Und das Mädchen, das für sowas offensichtlich kein Gedächtnis hat, könnte das irgendwann mal mitbekommen haben. Nun ja. Während der ganzen Sache, und das war das zweite, legte sie ihre Hand auf meinen Arm, schaute mich verwirrt an und sagte, sie wisse nun mal nicht, wie alt ich sei. Diese Unbefangenheit. Es fühlte sich in etwa so an, als würde es leise Goldstaub regnen. Am Ende, das hatte ich genauso vergessen wie ich es beim letzten Mal vergessen habe, in Erwartung einer Umarmung auf sie zuzugehen, regte sie noch ein Mittagessen für nächsten Dienstag an.
Meine Definition davon ist über die Jahre etwas wackelig geworden, aber so ungefähr müssen doch Tage ablaufen, wenn man am Leben teilnimmt. Morgens ein leichter Zwang, damit man wach ist, mittags ein bisschen was Produktives gemacht, am späten Nachmittag Zeit mit anderen Menschen verbracht, ohne dabei den Drang zu verspüren, schreiend wegzulaufen. Vorher aus einem Zustand ungleich vollständiger Leere gekommen (mag er auch leicht angedunkelt gewesen sein), für Nachher ein paar Punkte zum dran festklammern mit auf den Weg bekommen. Um mal eine alte Narrative zu bemühen: Ich würde es gerne so sehen, dass ich langsam aus einem schweren Albtraum erwache. Dabei gaukele ich mir natürlich gerade selbst vor, dass das hier nur der Anfang war und es immer so weitergeht und noch besser wird und überhaupt. Könnte ich das hier oder knapp darunter einpendeln, wäre das aber in jedem Fall sehr viel wert.
21.1.12 21:12


Schlussstrich

Da ich aus der Werbung gelernt habe, dass die Leser Fakten Fakten Fakten wollen, gibt es jetzt genau das. Nur habe ich Angst vor Google, also gibt es das so (sofern das überhaupt hilft): In meiner Arbeit ging es darum, was dieser nette Onkel von diesem noch viel netteren Onkel in Sachen Erziehung gelernt hat. Mir ein Thema zu geben, bei dem es um jemanden geht, der sich eingehend mit Philosophie beschäftigt hat, nur um sich jäh davon abzuwenden, und sich dann später umgebracht hat, war ein feiner Zug vom Professor.
Heute Morgen habe ich sie abgegeben, nur der eigentlich für mich zuständige Teil des Prüfungsamtes war zu, aber das war offensichtlich egal. Danach oblag es mir, die einzelnen Exemplare zu den Gutachtern zu bringen. Mein Hauptbetreuer war nicht da, also habe ich es im Sekretariat abgegeben. Meine Zweitbetreuerin war ganz überrascht, als ich kam. Ich hatte sie ganz am Anfang gefragt, und als ich das ganze dem Prüfungsamt gemeldet habe, bekam sie eine Kopie der Mail, aber sie hatte es trotzdem vergessen. Gut, wenn man die vielbeschäftigte Institutsleiterin ist, passiert das wohl mal. Trotzdem hatte ich den Eindruck, dass sie sich extrem überrumpelt vorkam. Naja, solange das nicht in die Bewertung mit einfliesst, kann ich das hinnehmen.
Ich hätte die Arbeit gerne Lou von Salomé gewidmet, weil es im Kontext gepasst hätte, und noch viel mehr außerhalb des Kontextes, und das hätte keiner verstanden und deswegen wäre es so toll gewesen. Aber ich bin meiner "No Bullshit"-Mentalität treu geblieben.
Im Laufe des Tages flackerten dann öfters mal kurz Gefühle auf, so als hätte es irgendeine Bedeutung, dass ich gerade hier bin und wach, und nicht daheim im Bett. Das war wohl meine Version der Freude über das Erreichte.
Daria fragte mich überraschend offen, wie es mir gehe, ich sagte "Besser", sie fragte, ob ich krank gewesen wäre, und ich erklärte, wie ähnlich Abschlussarbeiten und Krankheiten sich sind. Sie meinte, dann hätte ich ja was zu feiern. Manchmal vermisse ich die Zeiten, als ich noch nicht völlig aus der echten Welt gefallen war. Nicht, dass ich das damals gefeiert hätte (ich habe mit 17 das einzige Mal meinen Geburtstag gefeiert: mit einer LAN-Party), aber der Gedanke wäre damals nicht so vollkommen abwegig erschienen.
Überhaupt. Als ich mich vorgestern mit ihr getroffen habe (wenn ich einen Codenamen für sie bräuchte, läge der schon Erwähnte nahe) und sie davon erzählte, was für Pläne sie schmiedet, und wie viele, wurde mir erst bewusst, wie sehr aus allen meinen Handlungen der Wille spricht, nichts aus meinem Leben zu machen. Man könnte das "nicht" auch an eine andere Stelle setzen, aber so trifft es den Sachverhalt besser.
Für die nächsten Tage steht einiges an, zum Entspannen komme ich eher nicht. Morgen machen der Typ und ich LAN, übermorgen früh ist Kantonesisch, nachmittags hat sie mich zu einer Veranstaltung der Fachschaft eingeladen, wo man mit vielen Chinesen reden soll (Ernsthaft: Hätte sie keinen Freund und wäre sie nicht als Organisatorin daran interessiert, dass Leute kommen, könnte man lustige Sachen denken.), und Montag ist Japanisch-Klausur.
Hoffentlich bessert irgendetwas davon meine doch eher stark angeschlagene Stimmung, die mir wohl nur deshalb nur dann zusetzt, wenn Mädchen Bus fahren oder durch Bibliotheken laufen, weil ich noch voller Adrenalin bin.
19.1.12 23:41


Exorzismus

Gestern war vielleicht ein Tag.
Irgendeine Bewertung unseres Treffens fällt mir nicht leicht, weil ich selbst nicht weiß, wie es war. Vielleicht lag es daran, dass sie ein Referat zu halten, am nächsten Tag eine Klausur zu schreiben und Unanehmlichkeiten mit ihrem Zimmer hatte, während ich nervlich am Ende bin, da in der finalen Phase meiner Arbeit. An einer bezeichnenden Stelle habe ich links an ihr vorbeigeschaut, dann rechts, dann habe ich sie angeschaut, aber sie war gerade am Essen und hatte deshalb die Augen weit aufgerissen, da kam ich mir angestarrt vor und musste wieder wegschauen.
Und im folgenden Unterricht kam sie sich offensichtlich vor, als würde sie für dumm gehalten.
Das klingt jetzt durchgehend negativ, aber eigentlich muss man es so sehen: Wenn all das versucht, die Stimmung zu untergraben, und ich trotzdem nicht von einem Debakel rede, muss es ziemlich gut gelaufen sein.
Danach fiel mir glühend heiß ein, dass ich noch etwas suchen könnte. Ich fand viel mehr, als ich gedacht habe. Dieses verfluchte Bibiliothekssystem, wo alles nach Themen sortiert wird. Das führte dazu, dass ich zwei meiner Aussagen in einem Nebenargument überdenken musste, und an den Stellen, wo ich gehobelt habe, sieht man immer noch die Späne. Beim einen habe, ich weil alles so schnell ging, noch dazu die falsche Seitenzahl notiert, was mir erst heute auffiel, als alles schon zu spät war. Naja, wenn das der einzige Fehler ist.
Neben dem hatte ich dann gestern Abend noch zwei durchgesehene Versionen meiner Arbeit mit Vorschlägen in der Hand. Um 8 fing ich an, zwischen 12 und 1 fügte Word an den unmöglichsten Stellen plötzlich dicke Rahmenlinien ein, die nicht wegzubekommen waren, und um halb 4 war ich im Bett.
Heute Morgen habe ich dann noch was geändert, und danach den ganzen Mist ausgedruckt und zum Binden gegeben. Inzwischen habe ich drei Mal 37 gebundene Seiten in meiner Tasche und festgestellt, dass das Prüfungsamt morgen außerplanmäßig zu hat. Wenn ich mein Zeug nicht irgendwo da abgeben kann, klatscht es, ich will das aus meinem Zimmer haben und nie wieder sehen. Denn freitags ist sowieso zu, also müsste ich bis Montag warten. Und das will ich nicht, das soll einfach nur verschwinden, damit ich wieder in Frieden leben kann.
18.1.12 22:14


Heidegger habe ich seit Samstag durch, und würde sagen, ich habe irgendwo zwischen 25 und 33 Prozent verstanden. Wenn ich dann hoffentlich demnächst mit Sartre anfange und der sich wirklich so stark auf ihn bezieht, wird der Wert sicher noch wachsen, aber eigentlich ist das Schummeln, weil ich mir von Außen helfen lasse.
Als ich heute ins Institut kam, sah ich sie da stehen. Sie redete angeregt mit anderen Leuten und sah mich nicht, und ich trottete auch einer Gruppe hinterher, da konnte ich mir einreden, deswegen nicht zu ihr zu gehen, weil ich mit denen beschäftigt war. Aber eigentlich wollte ich sie nicht stören.
Morgen sehen wir uns aber sowieso, und da werde ich sie nicht ignorieren. Wir haben uns beinahe vier Wochen nicht gesehen, wie kann das nicht schön werden?
Außerdem habe ich ihr und dem Typ (Yeah, ich habe "Freunde") jeweils meine Arbeit geschickt, damit sie Tippfehler und Krempel finden und mir sagen, dass ich alles neuschreiben muss. Deadline für destruktive Kritik ist morgen Abend. Sowieso schwanke ich zwischen den Prädikaten "Guttenberg", "rite" und "die Forschung revolutionierend". Morgen will ich noch eine halbwegs wichtige Sache von zwei, drei Zeilen klären und dann reinschreiben, ansonsten werde ich von mir aus nicht mehr viel ändern, nehme ich an, und Donnerstag abgeben. Uff.
16.1.12 23:54


Einleitung und Schluss zu schreiben zieht sich, weil ich keine Ahnung habe, was ich sagen soll. So ein Gefasel. Ich sollte mich vielleicht dazu entscheiden, genug zu haben und es nur noch zu einem versöhnlichen Abschluss bringen. Wenn man bedenkt, dass Noten eine Funktion der Zeit sind, ist sowieso schon alles entschieden, es sei denn ich würde die ganze nächste Woche daran setzen, alles umzuschreiben. Was ich nicht tun werde. Hoffentlich. Langsam habe ich nämlich wirklich keine Lust mehr. Ich kann mir zum einen das Leben vor oder nach der Abschlussarbeit, wo man plötzlich nichts mehr hat, was einem ständig im Nacken sitzt, nicht mehr vorstellen, und zum anderen das Leben von Leuten, die umfangreichere Arbeiten schreiben müssen. Und überhaupt will ich gar nicht daran denken, wann ich das hätte erreicht haben können, was ich jetzt habe, hätte ich zu irgendeinem Zeitpunkt Motivation gehabt.
Der Effekt der Vorfreude lässt etwas nach, und es sind immer noch mehr als 60 Stunden bis zur tatsächlichen Freude. Verdammt. Außerdem habe ich schon wieder vergessen, wie sie aussieht. Im Gegensatz zu meiner Tandempartnerin erkenne ich sie aber meistens noch. Die sehe ich nämlich bewusst, denke mir dann aber "Ist sie nicht" und schaue weiter. Ich werde wohl darauf vertrauen müssen, dass das auch diesmal klappt.
14.1.12 22:00


Leitfaden

Zuerst war es wichtig, die Funkstille eben nicht auf sich beruhen zu lassen. Dann war es ein äußerst geschickter Zug, auf meine Antwort "Mich mit der Arbeit rumschlagen" zu antworten: "Dann störe ich wohl besser nicht mit einer Essenseinladung?", um es so zu drehen, dass die scheinbare Entscheidungsgewalt plötzlich bei mir liegt. Zu guter Letzt ist die SMS mit dem Inhalt "Ich freu mich drauf", die noch kommt, wenn die Terminvereinbarung und alles eigentlich längst abgeschlossen ist, das krönende Sahnehäubchen. Wenn das ganze dann noch aus heiterem Himmel kommt, verstärkt es den Effekt ungemein.
Hat das jeder mitgeschrieben? So macht man Torten.
In meinem jetzigen Zustand ist der Blick auf die vergangenen Tage hochgradig ernüchternd. Für was genau habe ich gelitten, wenn es so schnell wieder vollkommen verpufft? Würde ich dem einen Sinn aufdrücken wollen, müsste ich sagen, dass das eine zwar notwendige, aber eigentlich grundlose (harte) Lektion in Sachen Vertrauen war. Oder eine ebensolche Anpassung an die Realität. Mit den konkreten Umständen hatte das nämlich nichts zu tun, sondern nur mit älteren Erfahrungen. Wunden.
Und hier kommt also jemand, der mich an der Hand nimmt und in sonnigere Gefilde führt. Wegen dem es sich lohnen würde, all das hinter mir zu lassen, oder zumindest statt nach hinten nach vorne zu schauen.
Dementsprechend freue ich mich jetzt einfach mal auf Dienstag.
12.1.12 23:26


To cast me off discourteously

Als heute Morgen eine SMS kam, keimte plötzlich Hoffnung auf. Es war nur mein Gitarrenlehrer.
Als später jemand anrief, keimte schon wieder Hoffnung auf. Es war schon wieder nur mein Gitarrenlehrer.
Vielleicht hat sie meine Arbeit durchgelesen und jeden intellektuellen Respekt vor mir verloren.
Vielleicht war der eine sarkastische Satz ein sarkastischer Satz zu viel. Und dass ihn auch direkt auf mich bezogen habe, hat die Spitze nicht abgebrochen.
Vielleicht will sie nichts von meiner Geringschätzung aller anderen hören. (Das ist sogar sehr wahrscheinlich.) Ich hätte sie also nicht mal um die Ecke andeuten sollen, indem ich davon erzähle, wie ich mich im Englisch-LK gelangweilt habe, weil alle anderen aus Prinzip auf Deutsch Fragen beantworten. Aber ich betrachte sie immer noch als auf bis über meinem Niveau und kann daher schlicht und ergreifend nicht verstehen, wie sie das nicht auch so empfunden haben kann. Und sich dabei nicht so isoliert vorkam.
Vielleicht hat sie erwartet, irgendwann hinter die Maske zu kommen und ist jetzt enttäuscht, dass dahinter nur eine weitere ist.
Vielleicht ist sie deswegen die Anstrengung leid, mich aus der Reserve zu locken.
Dabei glaube ich doch, mich langsam zu machen.

Möglicherweise taucht sie irgendwann wieder auf, als wäre nichts gewesen.
Menschen.
11.1.12 22:29


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