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Warme Semmeln

Schopenhauer meinte in seiner grenzenlosen pessimistischen Weisheit, dass Liebesgeschichten, die gut ausgehen, in jedem Fall mit dem magischen Moment der glücklichen Vereinigung enden müssten, damit dem Zuschauer die sicher folgende Langeweile und der Streit danach erspart bleiben. Das habe ich hier offensichtlich anders gehandhabt.
Nachdem ich in den letzten Monaten viele Teile meines alten Lebens aussortiert habe, die ich sowieso nie mochte, kommen langsam mal ein paar dran, an denen zwar auch positive Erinnerungen hängen, die ihren Zweck aber wohl erfüllt haben. Dieser Blog ist so ein Teil, das Archiv spricht für sich und Bände.
In drei Wochen bin ich wieder zu Hause und damit beginnt ein Jahr, das mit der anstehenden Richtungsentscheidung für die Zukunft wahrscheinlich ähnlich einschneidend wird wie das vergangene.
Aber das wird außerhalb des Internets stattfinden.
Tschüß.

Herr k.
31.12.13 15:50


Tempus fugit

Mein Weihnachtskalender ist fast leergegessen und das kann eigentlich nur ein gutes Zeichen sein. Heute kam ein Paket von ihr an, mit vielen süßen Sachen drin. In doppelter Hinsicht.
Es wird wirklich Zeit, dass ich hier weg und wieder zu ihr komme. Es ist kalt, regnet ständig und Sachen fangen an, mir auf die Nerven zu gehen. Und ich bin alleine. Mir fehlt ihre Nähe. Jetzt kommt noch dazu, dass sie über Weihnachten in der Heimat ist, nur den alten PC da hat und aktuell sowieso mit ihrer Familie am Strand ist, wir also nur mit wackeligem Internet über ihr Handy reden können.
Diese Phase endet morgen, zwei Wochen später ist sie wieder da, wo wir beide sein sollten, eine Woche danach bin ich hier weg und weniger als zwei Wochen danach auch wieder am richtigen Fleck. Weniger als fünf Wochen trennen uns noch. Nach über drei Monaten Ausharren sollte das machbar sein...
Aber man sollte sich keine Illusionen machen: sobald wir wieder vereint sind, geht es Schlag auf Schlag. Bald steht für uns beide die Abschlussarbeit an, und da es die Abschlussarbeit ist, müssen Sachen für danach in Angriff genommen werden. Vorher muss natürlich auch viel vorbereitet werden. Es wird unter Umständen anstrengend werden. Aber: Das war das letzte (gemeinsam verbrachte) Semester auch und es war trotzdem wunderschön.

Ansonsten passiert nicht viel. Ich war letztes Wochenende im Süden der Insel, wo es quasi immer noch Spätsommer ist. Am Montag ist ein Vorspiel im Kreise des Musikclubs, bei dem sicher einiges schieflaufen wird, sobald ich die Bühne betrete. Weihnachten und Silvester fallen dieses Jahr wohl einfach aus, was ich im Falle von Silvester mit einem empathischen "Endlich mal!" begrüße. Ich habe so viele verschiedene Sachen angelesen, die irgendwie mit dem bisher geplanten Thema meiner Abschlussarbeit zu tun haben, dass ich in guten Momenten denke, dass ich sie schnell runterschreiben kann. In schlechten erschlägt mich die Wucht des weiten Feldes, das man beackern könnte, und meine eigene Unzulänglichkeit, aus der ich mich inzwischen nicht mehr herausreden kann.

Aber normalerweise werden die schlechten Momente kürzer, sobald sie mich in den Arm nimmt.
20.12.13 16:09


Zermürbung

Bald bricht das letzte Drittel an. Und langsam wird es anstrengend. Gerade vorgestern war meine Laune so unglaublich tief im Keller, dass ich fast zu weinen angefangen hätte, als ihr Gesicht nach fast 48 Stunden Abstinenz auf dem Bildschirm auftauchte.
Es ist ja auch nicht so, dass das hier ein Spaziergang im Park ist. Im Gegenteil. An allen Ecken lauert der Irrsinn. Als ich neulich nicht einschlafen konnte, konnte ich verfolgen, wie mein Mitbewohner ins Zimmer kommt, wenn er versucht, leise zu sein: Die Tür geht ganz langsam und vorsichtig zu. Bis zu dem Punkt, an dem sich das Schloss befindet. Da geht es dann plötzlich schnell. Als ich mich Anfang der Woche zu oft aus dem geschützten Bereich der Bibliothek begab, konnte ich gleich zwei Eltern beobachten, die ihre Kinder schlagen oder treten. Als ich am Montag Klavier üben war (ich bin fast wieder mit dem ersten Satz der Mondscheinsonate durch, das hat wirklich gedauert...), kam ein Exzentriker in den Raum, der offenbar Unterhaltung brauchte, spielte mir ein Jazz-Version davon und obskure russische Komponisten vor, erzählte mir, dass Improvisation Selbstausdruck sei, wie bei Freud, und dass Jesus gestorben sei, weil er den Selbstausdruck durchgezogen hätte. Nach 10 Minuten ging er wieder. Am nächsten Tag war er in der Lobby des Gebäudes, wo er wirr auf mich einredete ("What happened to your face? My face is so ugly!"), auf mein "What?" noch mehr Wirres von sich gab und dann im Raum herumlief. Da bin ich gegangen. Ich habe mich die nächsten Minuten öfters mal umgedreht, ob er mir nicht folgt. Dann kam mein Mitbewohner noch auf die glorreiche Idee, Bräute aus Discos abschleppen zu müssen und mich zu fragen, ob er sie im Falle des Falles mit hierher bringen könne. Zur Information: Wir teilen uns ein Schlafzimmer. Um ganz sicher zu gehen, dass ich mir sicher bin, hat er heute noch Mal gefragt, und weil ich noch am überlegen war, ob er das ernst meint, kam er mir glücklicherweise mit "That's a no, right?" zuvor.
Auf der intellektuellen Seite des Lebens absorbiere ich derzeit alle möglichen Fragmente der chinesischen Geistesgeschichte. Möglicherweise fügen sie sich ja zu einem Bild zusammen. Wo sich in jedem Fall ein Bild zusammenpuzzlet, ist bei meiner geplanten Abschlussarbeit. Ich muss das noch mal mit dem Professor bereden, weil der immer gut abschätzen kann, wie viel man sich vornehmen sollte, aber ich habe immerhin schon ein paar Ausgangspunkte. Im Gegensatz zum letzten Mal. Das kann man als Fortschritt werten.
Ein Fragment zieht mich derzeit besonders an: Zen. Es ist nicht mal nur diese erschreckend postmoderne Attitüde in den über tausend Jahre alten Texten ("Meister, warum sagt Ihr, dass der eigene Geist der Buddha ist?" - "Damit das kleine Kind mit dem Weinen aufhört!" 景德傳燈錄卷第六. Der ganze Esprit und die angedeutete Erleuchtungserfahrung sind so nachvollziehbar. Dazu kommt noch, dass ich vor zwei Wochen bei einem meiner seltenen Ausflüge in ein buddhistisches Kloster mitgenommen wurde und das Essen gut war. Als ich davon meiner Freundin erzählte, kam die Antwort, mit der ich in ihrer Unerwartetheit eigentlich hätte rechnen müssen. Dass sie der Gedanke auch schon gereizt hätte. Allerdings haben wir uns ja inzwischen einem Lotterleben im Staub der Welt hingegeben. Mit ganzem Herzen. Naja.
Es ist etwas kühler geworden, kaum noch 20°, und vielleicht weil ich mich dann doch irgendwann halbswegs an die Affenhitze gewöhnte habe, kommt mir das jetzt kalt vor und ich sitze gut eingepackt im Zimmer.
Hoffentlich ist der Dezember bald vorbei. Und der größte Teil das Januars auch. Ich will zurück zu meiner Freundin...
4.12.13 15:10


시간が 冇い

Genau zwei Monate, bis meine Füße europäischen Boden berühren.
Inzwischen, seit heute Morgen, ist die Klausurenphase beendet. Klausuren auf Chinesisch schreiben kann ganz lustig sein. Vor allem, wenn man klassisches in modernes Chinesisch übersetzen soll. Ein Vorgang, der gewisse Schwierigkeiten mit sich, deren richtige Erklärung mindestens zwei Semester dauert.
Es geht dem Ende entgegen. Besonders in der vergangenen Woche konnte ich mich sehr darüber freuen und ich hoffe, das hält noch etwas an. Gerade passend, um das zu unterstützen, kam heute auch ein Paket an. Es kam auch gerade passend, weil sie heute auf einer Exkursion ist und erst zurück kommt, wenn ich schon im Bett liege. Tage, an denen ich gar nicht mit ihr reden kann, haben immer einen falschen Nachgeschmack... Sie fehlt mir einfach so sehr.

Es wäre auch kein Auslandsaufenthalt, wenn nicht zu Hause irgendetwas grandios schiefgehen würde. Letztes Mal stand mein Zimmer wegen schlechter Planung lange leer und mein Auto ging über den Winter kaputt, dieses Mal hat meine Zwischenmieterin so viel Schimmel in meinem Zimmer, dass sie ausziehen und der Vermieter renovieren muss. Jetzt stehen natürlich Geldangelegenheiten und viel Krimskrams an, die geregelt werden müssen. Ach. Es hätte ja auch mal funktionieren können.
22.11.13 15:16


Zeit

Fast die Hälfte. Nur noch wenige Tage.
Sie war letztes Wochenende unterwegs, deswegen haben wir uns an einem Tag nicht sprechen können, dieses Mal sind es zwei. Das Positive daran ist, dass es danach immer ein kleines Wiedersehen gibt, das das Warten auf das große Wiedersehen kurz erleichtert. Es ist schwer zu beurteilen, aber abgesehen davon, dass es an uns beiden zehrt, scheint sich noch nichts zu verändern. Mal ist es der eine, mal der andere, der mehr Trost braucht. Durchhalten...
Sonst passiert nicht viel. Ich war auf einem Konzert, bin mitten in der Klausurenphase (mit ganzen drei Klausuren), war drei Tage leicht kränklich und das Wetter soll nächste Woche endlich länger kühler werden (d.h. unter 25°). Hoffentlich endgültig.

Manchmal ist mein Mitbewohner anstrengend, weil er Stimmübungen macht und Disney-Lieder singt.
10.11.13 13:47


Sieben Wochen, ein gutes Drittel.
Meine Stimmung unterliegt Schwankungen zwischen gelassener Geduld und blau-schwarzer Dunkelheit. Ihr scheint es ähnlich zu gehen. Da bei ihr das Semester angefangen hat, fällt das Telefonat an manchen Tagen etwas kürzer aus, aber vielleicht vergeht ihr dann die Zeit auch etwas schneller. Ich für meinen Teil habe einen wachsenden Berg von Aufgaben und Fristen vor mir, was vor allem an den anstehenden Mittsemesterklausuren liegt, aber auch an zu schreibenden Texten. Vielleicht vergeht die Zeit so schneller. Überhaupt lässt sich die restliche Zeit inzwischen in ziemlich kompakte Stücke einteilen: Die Zeit bis zu ihrem Heimaturlaub als größter Block, dann der Urlaub selbst, danach im fast direkten Anschluss mein Korea-Aufenthalt, und dann kommt der Rückflug. Man muss viel milchmädchenrechnen. Zeitweise waren zwei Briefe und eine Postkarte von mir unterwegs, 2/3 davon kamen aber schon an. Auf ein Paket von ihr warte ich schon länger, die Post spurt einfach nicht. Das ist allerdings nicht der entscheidende Punkt bei der Sache. Wir scheinen instinktiv eine bestimmte Methode gewählt zu haben, den Einfluss dieser Phase auf unsere Gefühle zu minimieren: wir halten "die Wunde offen". Ob das sich als richtige Entscheidung erweist, muss sich zeigen.
Mein Leben hier geht, abgesehen davon, seinen gewohnten Gang. Ich stehe erstaunlich früh auf, übe Klavier und Guzheng, verschanze mich in der Bibliothek, spiele manchmal Tischtennis und nutze die Trainigsgeräte im Wohnheimkeller und telefoniere abends lange mit ihr. Am Wochenende laufe ich manchmal durch die Gegend, gestern war ich zum Beispiel eine alte Bekannte in einer anderen Stadt besuchen, wobei immer viele Fotos für sie entstehen. Im Unterricht melde ich inzwischen manchmal und sage Sachen. Niemand klatscht dann, was gut ist.
Ich lerne schon sehr viel, glaube ich, aber der Preis ist hoch. Ich wäre so gerne bei ihr. Es schmerzt, sie nicht berühren zu können...
27.10.13 05:43


Alles geht immer noch seinen gewohnten Gang und die Zeit vergeht zu langsam. Pakete und Briefe wandern hin und her, am Samstag war der erste Tag, an dem kein Telefonat stattfand.
Das hatte Gründe. Ich war auf einem zweitägigen Ausflug zu einem berühmten Naturschauspiel, organisiert von der Organisation für internationale Studenten. Diese Organisation war allerdings alles andere als international orientiert, und so landete ich in einer Gruppe mit einem halben Dutzend anderer Deutscher. Natürlich ist da kein Zwang dahinter, aber wenn man erstmal so zugeteilt wird und dann noch einen von einem anderen Ausflug kennt, wird das schnell zum Selbstläufter. Man sitzt im Bus zusammen (alte Klassenfahrtsregel: eher macht die Klassenschönheit mit dem Streber rum, dass sich Sitzplätze im Bus verändern), wird abends zusammen in ein Zimmer gesteckt und schon müsste man ziemlich viel Kraft aufwenden, um zu entkommen. Und noch mehr, um irgendwo anders Anschluss zu finden. In den anderen, nach Sprachen organisierten Gruppen. Also verbrachte ich die meiste Zeit mit drei Informatikern. Das Problem war nur, dass das absolut nicht meine Gesellschaft war. Wären es Nerds gewesen, wäre es wohl besser gewesen... aber sie redeten vor allem über Bier und Frauen. Meine Freundin ist wohl der einzige Mensch, zu dem ich sagen kann, dass ich mich in solcher Gesellschaft einsamer fühle als alleine. Und sie ist der einzige Mensch, den ich kenne, der das ohne zu zögern nachvollziehen und bekräftigen wird.
Das war allerdings noch nicht das ganze Problem. Das war nämlich einfach nur deprimierend und beschwor eine ziemlich dunkle Leere herauf. Emotional verwirrend wurde es, als sich aus dem Gesichtermeer ein japanisches Lächeln herauskristallisierte, das mir glauben machen wollte, es sei schon nicht so schlimm. Und zum ersten Mal seit vier Monaten war ich in der Situation, das auch nötig zu haben. Ich konnte nicht verhindern, dass ich sie zu oft anschauen musste und wir am zweiten Tag für zwanzig Minuten miteinander redeten. Ich habe natürlich in den letzten Monaten auch schon mit Mädchen geredet, aber es war mir jedes Mal letztlich auf einer bestimmten Ebene gleichgültig. Hier nicht. Hier hat sich die Bedürftigkeit, die das Fehlen meiner Freundin auslöst, ein äußeres Objekt gesucht.
Das war bisher das einzig irgendwie relevant Erlebnis, von dem ich ihr nicht erzählt habe. Nicht, dass irgendetwas passiert ist, aber wahrscheinlich war ich etwas schockiert, mit welcher Intensität mich das angesprungen hat. In etwa die Intensität, mit der ich sie vermisse. Denke ich.
Hm.

Ich habe meinen Rückflugtermin. Nach einigen Tagen in Korea werde ich mich am 21. Januar auf den Heimweg machen.
16.10.13 15:25


Fade to pink

Der diesmalige Aufenthalt gestaltet sich etwas anders als der letzte, allerdings so gesehen auch wieder in konsequenten Bahnen. Ich führe mein bibliothekslastiges Leben fort. Das liegt an der Vorbereitung der Kurse, die ich mache (wo sich meine Meinung etwas ausdifferenziert hat), und der tastenden Primärquellenlektüre für das, was mal meine nächsthöhere Abschlussarbeit werden könnte. Da die Materialien für 4 von 5 Kursen auf Chinesisch sind, dauert die Vorbereitung etwas länger. Wobei für einen davon wenig Vorbereitung anfällt, weil der Dozent keine Hausaufgaben gibt. Das ist auch der Kurs, der am seltsamsten ist, den ich nur mehr als Gasthörer besuche und wo ich nicht genau weiß, wie lange ich das noch mache. Der Dozent redet selten über den Daoismus der Vorkaiserzeit, mehr über sein Leben und noch mehr über Lebenshilfe im Allgemeinen. Der Saal ist denn auch entsprechend gefüllt mit Gasthörern, bei denen man nicht mal mehr sagen kann, dass sie in einem höheren Semester, sondern dass sie älteren Semesters sind. Bei den anderen Kursen halten sich die Fragwürdigkeiten in Grenzen, auch wenn ich einen der Dozenten sehr schlecht verstehe. Beträchtliche Teile meiner restlichen Zeit verbringe ich mit meinem neuen Instrument, zu dem ich womöglich nur hier und dann bei der Familie meiner Freundin Zugang habe.
Meiner Freundin, die ich immer noch vermisse. Man könnte sagen, dass das meine Hauptaktivität hier ist. Vor allem, wenn man die Telefongespräche dazuzählt, was Sinn ergibt, weil ich sie noch mehr vermisse, wenn ich sehe. Weniger als zwei Stunden reden wir eigentlich nie, und gerade heute kam mein Paket bei ihr an, zur Feier des Tages, dass ich einen Monat hier bin. Bleiben noch vier. Ihres müsste dann auch bald ankommen.
Dass wir über die Zukunft reden, ist angesichts der anstehenden Abschlüsse vernünftig. Dass wir über die Zukunft der Beziehung reden, ist wohl normal. Dass wir so weit dabei abschweifen, lässt sich allerdings nicht nur damit erklären, dass wir ein starkes Gegenmittel gegen das Vermissen brauchen. Dafür fühlt es sich einfach zu richtig an. Obwohl ich eigentlich ziemlich gut darin bin, jedes noch so kleine Problem zu finden oder zu erwarten, klappt es hier einfach nicht.


Das Thermometer bewegt sich im Schneckentempo von der 30°-Marke weg. Am letzten Wochenende war ich auf einem Ausflug der Uni mit, nächste Woche geht es auf einen weiteren. Abgesehen davon halten sich meine Kontakte weiterhin in engen Grenzen. Was ich nicht weiter tragisch finde, habe ich doch eigentlich alles, was ich brauche. Wenn auch gerade nicht hier.
5.10.13 18:40


Der der Welt abhanden Gekommene

Im Grunde gibt es immer noch nur ein einziges Thema: Sie fehlt mir so. Neben dem täglichen Telefonat haben wir angefangen, Sachen hin- und herzuschicken. Den zweiten Brief habe ich unangekündigt abgeschickt, damit ich ihr zumindest eine kleine Überraschung bereiten kann, was über diese Distanz sonst schwierig ist.
Man könnte sagen: Ich werde mit der Unerbittlichkeit der Zeit konfrontiert, gegen die man nichts tun kann.
Ansonsten mache ich ab und zu auch mal was mit anderen Leuten, aber nicht übermäßig oft, bin einem Club beigetreten, in dem man Guzheng lernt, sitze jeden Tag in der Bibliothek (Bücher trösten mich) und lese durcheinander "Der Zauberberg", "Die Pläne der streitenden Reiche" im Original und in meiner eigenen guten Ausgabe, an die leider irgendwie schon Wasser gekommen ist, sowie Texte, die für meine nächsthöhere Abschlussarbeit relevant sein könnten. Der Unterricht stellte bisher noch keine sehr großen Anforderungen, aber die Anfangskonfusion und der Feiertag mit Brückentag sind vorbei, also dürfte das bald anders werden.
Das Wetter ist nicht mehr ganz so brutal, aber immer noch nur gerade so erträglich.
25.9.13 15:46


Der Verschollene

Nach der ersten Woche kann ich eine erste Mini-Bilanz ziehen. Die Kontaktaufnahme mit Leuten, ob neue Bekanntschaften oder alte Freunde, verläuft schleppend. Mit meinem Mitbewohner werde ich mich arrangieren können. Die Kurse machen zum größten Teil einen guten Eindruck. Hörverständnis ist allerdings erstmal ein ernstzunehmendes Problem. Zu den übrigen Startschwierigkeiten kam, dass meine Kamera am Donnerstag kaputt ging. Geld kann ich zum Glück inzwischen problemlos aber abheben.
Das Hauptproblem ist aber weiterhin, dass mir meine Freundin fehlt. Ohne ihre Nähe ist die allgemeine Traurigkeit wieder viel stärker geworden und ich weiß nicht, ob ich mich mit der Zeit daran gewöhne oder ob es schlimmer werden wird. Wir reden nur noch manchmal zwei Mal am Tag miteinander. Manchmal gehen uns die Themen aus, weil meistens nicht viel passiert. An den Stellen danke ich dem Videochat, weil man sich dann einfach in die Augen schauen kann.
Als wäre das nicht schon genug, macht mir die Affenhitze zu schaffen. Inzwischen haben wir die Klimaanlage aktiviert und verfügbar, sodass ich zumindest nachts schlafen kann. Tagsüber habe ich aber immer noch das Gefühl, dass ich mich einerseits auflöse, andererseits meine Körper unangenehm wahrnehme. In einer Woche soll es allerdings keine 30° mehr geben.
15.9.13 11:30


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